Katharina Hartmann zu Gast bei den Braunsbacher Wintergesprächen

Seit Jahren schreibt Katharina Hartmann Stücke für die Braunsbacher Theateraufführungen. Am Freitag war sie Gast bei den Braunsbacher Wintergesprächen, die in der Alten Schule in Orlach stattfanden.

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Bis auf den letzten Platz ausverkauft ist die Alte Schule am Freitagabend. Katharina Hartmann kämpft mit dem Mikrofon: "Ein Headset wär mir lieber." Moderatorin Tanja Kampe zeigt sich begeistert von Hartmanns Buch: "Ich habe diese Familiensaga letzte Nacht regelrecht verschlungen." Das Buch "Ein Dorf in Mähren" umfasst zwei Romane. Ein dritter ist geschrieben, aber noch nicht veröffentlicht. "Das ist keine Biografie. Wer mich kennt, wird mich aber in mehreren Personen wiedererkennen", stellt Hartmann klar. Eigentlich hätte sie das Buch für ihre Enkel geschrieben. "In meiner Heimat gab es viele Bräuche und Kinderspiele, die wollte ich nicht in Vergessenheit geraten lassen."

Die 81- Jährige ist in Braunsbach gut verwurzelt, geboren wurde sie am 13. August 1932 in Mähren. In Zulb, 50 Kilometer nördlich von Wien, erlebte sie eine unbeschwerte Kindheit. "Vom Kriegsgeschehen haben wir wenig mitbekommen." Als sie 1945 der Heimat den Rücken kehren mussten, hätten die Kinder das als großes Abenteuer empfunden. Ein Jahr lebte sie in Österreich, dann kam die Familie nach Orlach.

Vier der sechs Kinder wurden auf verschiedenen Höfen untergebracht. "Ich war bei lieben Leuten, hatte das schönste Bett meines Lebens, aber ich fühlte mich alleine und bekam Heimweh." Die viele Arbeit auf dem Hof lenkte ab. Nur für den Schulbesuch blieb keine Zeit. Lediglich fünf Jahre drückte das Mädchen die Schulbank. "Ich hatte nichts gelernt. Ich war dumm."

Nach Anstellungen in verschiedenen Firmen, machte sie sich zwischen 1953 bis 1957 mit ihrer Schwester selbstständig. Da beide weder einen Gesellen- noch einen Meisterbrief vorweisen konnten, mussten sie die Schneiderei aufgeben. 1956 heiratete sie Heinz Hartmann, Autor von rund 900 Bergromanen. Von ihm lernte sie die korrekte Rechtschreibung. Er starb 2012.

"1972 war für mich ein Füllhorn", berichtet die zierliche Frau mit strahlenden Augen. Schon immer hatte die vierfache Mutter gern viele Kinder um sich. So entstand eine kleine Gruppe mit der sie sang und spielte.

Im Wartezimmer des Zahnarztes schrieb sie ihr erstes Theaterstück über den "Schneider Flick". Das Musical "Der fröhliche Wandersmann" folgte. "Das waren zunächst einfache Stücke", sagt sie bescheiden. Die Aufführungen mit ihrer Kindergruppe legten aber den Grundstein für die bis heute stattfindenden ökumenischen Gottesdienste in Braunsbach. Sie ist Mitbegründerin des ökumenischen Kirchenchors und engagiert sich in der ökumenischen Krankenhaushilfe. "Die Ökumene liegt mir sehr am Herzen."

Trotz mangelnder Schulbildung riet der damalige Pfarrer zu einer theologischen Fernausbildung, die sie glänzend bestand. Als Religionslehrerin war sie fortan in der Waldorfschule, in Bibersfeld, Michelbach und Gottwollshausen tätig. "Ich konnte aus jedem Thema eine Geschichte machen."

1973 übernahm sie die Sternsinger-Truppe. "Mir wurden immer etwas aufgetragen, von dem ich keine Ahnung hatte", sagt sie lachend. Aus den vier Jungen, die damals 200 Mark an Spenden bekamen, ist heute eine 30-köpfige Gruppe geworden, die 2014 stattliche 6800 Euro sammelte.

Mehrere Legenden ranken sich um die Gegend um Braunsbach. Seit 2009 wurden "Das Mädchen von Orlach", "Der Ölfund von Döttingen", "Die Heilige und ihr Narr", "Das Drachenloch von Elzhausen" und "Das Wasserfraale von Orlach" mehrmals jährlich mit Erfolg aufgeführt. Wie "Jungferngift", das in diesem Sommer gespielt wird, stammen alle Texte aus der Feder von Katharina Hartmann, die auch Regie führte. "Man muss den Leuten Zeit lassen, um in die Rolle hineinzuwachsen. Dann wird es echt und persönlich." Lampenfieber kenne sie nicht: "Ich lege alles in Gottes Hände, dann wird das ganz toll."

Trotz mancher Schicksalsschläge hat Hartmann ihre herzliche, einfühlsame und unkomplizierte Art behalten. Sie kommt bei den Zuhörern gut an. Bei den humorvoll vorgetragenen Geschichten und Episoden hängen sie förmlich an ihren Lippen. "Ich lach immer so schnell, ich weiß auch nicht warum. Ich mag die Leute halt und vielleicht mögen sie mich ja auch." Zumindest an diesem Abend besteht daran kein Zweifel.

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Kommentare

07.11.2015 16:24 Uhr

Zulb -Ein Dorf in Mähren

Ein herzliches Dankeschön für dieses Buch!
Der Roman erweckt die Erzählungen meines Vaters wieder zu neuem Leben. Auch er wurde im August (12.)
des Jahres 1932 in Zulb geboren. Es wäre interessant zu efahren, ob Frau Hartmann meinen Vater gekannt hat, vielleicht sogar mit ihm die Schulbank gedrückt hat?
Gibt es eie Kontaktmöglichkeit - E-Mail?

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