Kampf um die Ressource

Die Bevölkerung Untermünkheims ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Das bedeutet Kaufkraftverlust. Nun hat die Gemeinde ein Entwicklungskonzept bis 2024 vorgelegt.

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Das Baugebiet Auäcker, in der Nähe des Untermünkheimer Ortskerns gelegen, spielt eine wichtige Rolle in der Gemeindeentwicklung. Unter anderem soll dort Ende September ein neuer Supermarkt eröffnet werden. Archivfoto: Ufuk Arslan

"Wir haben alle Teilorte der Gemeinde auf den Prüfstand gestellt", verdeutlicht Professor Richard Reschl vom Stuttgarter Planungsbüro Reschl und Höschele. Das Büro hat zusammen mit der Gemeinde Untermünkheim das Gemeindeentwicklungskonzept 2024 erstellt. "Es ist kein abstraktes Werk, sondern ein Leitfaden für die kommenden zwei Legislaturperioden des Gemeinderats", erklärt Untermünkheims Bürgermeister Christoph Maschke im Pressegespräch mit dieser Zeitung.

Das wohl wichtigste Kriterium für die Zukunft der Kochertalkommune stellt die Einwohnerzahl dar. Wuchs sie insbesondere Anfang der 1990er von 2500 auf 3000 an, stagnierte sie von 1995 bis 2007 bei rund 3000. Ab 2007 verringerte sich die Bevölkerung der Gemeinde durchschnittlich um 19 Einwohner jährlich. Ende 2013 lebten 2948 Personen in der Gemeinde.

Der Grund: Mehr Menschen zogen in diesem Zeitraum aus Untermünkheim weg als neue hinzukamen. Zwar überwog die Geburtenrate die Sterberate leicht, allerdings konnten die Neugeborenen nicht den Rückgang der Einwohnerzahl durch die Wegzüge kompensieren. Laut Statistik des Planungsbüros entfällt zirka 3600 Euro Kaufkraft pro Person auf den örtlichen Konsum. Falls der Trend anhält, verliert die Gemeinde Untermünkheim bis 2024 schätzungsweise 200 Einwohner. Damit würden jährlich 720000 Euro Umsatz im Ort fehlen.

Wie soll die Gemeinde diesem Umstand begegnen? "Wir wollen die Einwohnerzahl bis 2024 stabil halten oder ein leichtes Plus erzielen", gibt Maschke die Richtung vor. Damit Bauplätze für junge Familien an Attraktivität gewinnen, will die Gemeinde laut Entwicklungskonzept die Betreuung von Kleinkindern und den Erhalt der Grundschule sichern. Ein zusätzlicher Ansatzpunkt ist die ärztliche Versorgung sowie die Existenzn von Einzelhandelsgeschäften. Der Supermarkt im Baugebiet Auäcker soll Ende September eröffnet werden.

Weitere Faktoren für die Entwicklung sind schnelle Internetverbindungen, ein guter Anschluss an den Öffentlichen Personennahverkehr und ein breites Angebot an Vereinen. Sowohl Reschl als auch Maschke sehen in der Nähe zum wachsenden Mittelzentrum Schwäbisch Hall einen Vorteil im Wettbewerb um die knapper werdende Ressource Einwohner.

Aber auch die ältere Generation will die Gemeinde bei den Entscheidungen im Gemeinderat im Blick haben. Barrierefreie Wohnungen und Zugänge, Fahrdienste und Beschäftigungsangebote verkörpern weitere Ansätze für das Untermünkheimer Gremium. "2060 wird die Gruppe der Senioren 40 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen", prognostiziert Reschl. Bislang seien allerdings lediglich fünf Prozent aller deutschen Wohneinheiten barrierefrei.

Doch wo soll weiterer Wohnraum geschaffen werden? Zu den bereits vorhandenen Baugebieten Auäcker und im Enslinger Enselbach II (zusammen drei Hektar groß) rechnet das Planungsbüro, je nach Bevölkerungsentwicklung, einen zusätzlichen Bedarf von zwei bis fünf Hektar. "Jedoch liegen mögliche Grundstücke beispielsweise in Naturschutzgebieten oder Retentionsflächen für den Kocher", so Bürgermeister Maschke. Zudem hemme die Topographie des Gemeindegebiets die Entwicklung. Käufer für Bauplätze in Hanglage zu finden, die zudem vom Ortskern entfernt liegen, sei schwierig.

In Übrigshausen, auf der Hohenloher Ebene gelegen, spielt der Höhenunterschied keine Rolle. Jedoch ist der Ort bäuerlich geprägt. Geruchsimmissionen durch Schweinemast erschweren die Wohnbebauung oder machen sie in Teilen des Ortes unmöglich.

Gerade deshalb wurde in der Gemeinderatssitzung, in der das Entwicklungskonzept vorgestellt wurde, besonders um die Pläne für Übrigshausen heiß diskutiert. Räte bezweifelten, dass die Pläne dort wie vom Büro Reschl und Höschele vorgeschlagen umgesetzt werden können.

Mögliche Flächen in Haagen oder weitere im Enslinger Enselbach sind Privateigentum. Das Konzept setzt zudem darauf, die Innenentwicklung der Teilorte zu fördern, um beispielsweise Baulücken zu schließen oder leer stehende Gebäude wieder zu nutzen.

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