Junger Adebar hat den Flug in den Süden angetreten

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Das Storchenpaar aus Jagstheim hat es jetzt weitaus gemütlicher in seinem Nest. Das etwas größere Männchen und das kleinere Weibchen stehen nicht mehr unter dem Stress, ihren Nachwuchs füttern zu müssen. Von den beiden Jungstörchen, die der Storchenbeauftragte Helmut Vaas aus Ellwangen am 1. Juni beringte, hat allerdings nur einer überlebt. Der andere verunglückte an einem Strommast in Mehrstetten im Landkreis Reutlingen tödlich.

Schon am 20. März wurde in Jagstheim mit dem Brüten angefangen. „Bereits am 21. April sind sie geschlüpft“, berichtet Vaas. Der überlebende Jungstorch habe ganz regulär seine Reise in den Süden angetreten. In Jagstheim selbst hat man sie seit Anfang August nicht mehr gesehen, weiß Ortsvorsteher Horst Philipp. Die Jungstörche treten vor den Eltern ihren weiten Flug an. Deshalb sind zur Zeit weniger Tiere in der Gegend als im Sommer.

„Die Jungen aus der Region sind fast alle abgezogen“, weiß Helmut Vaas: „Es ist in Isny schon mal vorgekommen, dass ein Jungstorch dageblieben ist. Das Weibchen ist dann mit ihm weggeflogen und später alleine wieder zurückgekommen.“ Am 29. August sei in Isny sogar ein Jung­storch wieder zurückgekommen. Die Jungtiere müssen es lernen, in den Süden zu fliegen. Wenn sie zögern, meiden die Alten das Nest, um sie zum Wegfliegen zu veranlassen.

In den letzten Jahren sind vermehrt Störche oft den ganzen Winter über in Deutschland geblieben. „In Bayern fliegen nur noch ein Viertel der Störche, die beringt werden, in den Süden“, sagt der Storchenexperte. Oft ist auch nicht mehr Afrika ihr Ziel, sondern Spanien. Auf den dortigen, illegalen Müllkippen ist das Nahrungsangebot so groß, dass sie den gefährlichen Weiterflug über die Straße von Gibraltar gar nicht mehr antreten.

Die EU verlangt aus verschiedenen Gründen, dass diese Müllplätze in Spanien und auf den Kanarischen Inseln bis Ende des Jahres 2018 geschlossen und versiegelt werden müssen. Was passiert dann mit den Störchen? „Das ist eine spannende Frage“, meint Vaas. Da man Störche mit Sendern ausstatten kann, wird das festzustellen sein.

Die Jagstheimer Störche bleiben seit 2010 da. Im ersten Jahr war es nur das Männchen und dann beide. Helmut Vaas hat dazu seine eigene Einschätzung: „Offensichtlich haben sie genug zu fressen.“ Er beobachtet auch: „Es hat noch nie so viele fette Störche gegeben wie jetzt. Bei der Beringung wiegen viele um die drei Kilo, manche sogar vier – also so viel wie ein ausgewachsener Storch.“

2013 gab es in Baden-Württemberg ungefähr 500 Brutpaare, 2015 dann 833 und jetzt über 1000. Obwohl die für Störche geeigneten Lebensräume zurückgehen, nimmt die Population stark zu. „Im Fränkischen haben wir jetzt so viele Störche, dass sie zu uns ausweichen“, sagt Vaas. Das Ellwanger Männchen ist ein Franke, hat er festgestellt. Und der Ingersheimer ist sogar ein Franzose.

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