Jungen Leuten Gespür für Gemeinsinn geben

Vor der Kommunal- und Europawahl im Mai und vor der Landtagswahl 2016 formiert sich die CDU. Beim Neujahrsempfang des CDU-Kreisverbands erinnerte Gastrednerin Annette Schavan an Grundwerte.

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Annette Schavan beim Empfang gestern Vormittag im Haller Neubau, wo sie sehr lang anhaltenden Applaus bekam. Foto: Ufuk Arslan

Schwäbisch Hall - In festlicher und heiterer Atmosphäre trafen sich am Sonntagvormittag im Haller Neubau CDU-Mitglieder sowie circa 300 Honoratioren aus dem ganzen Kreis. Kontakte zu pflegen war für etliche Gäste der Anreiz zu kommen, aber ebenso die Erwartung, dass Annette Schavan, 1995 bis 2005 Kultusministerin im Land, und anschließend bis 2013 Bildungsministerin im Bund, etwas Profundes zum Thema Bildungspolitik sagen würde. Das tat sie auch, nachdem die studierte Theologin zuvor auf die Bedeutung von Werten eingegangen war.

Sie erinnerte an den Grundwert der Freiheit und zeigte am Beispiel des Mauerfalls vor 25 Jahren, dass diese Idee nicht nur für die Betroffenen lebenswichtig war, sondern auch Auswirkungen für die Rolle Deutschlands in Europa hat. 2014 sei "ein gutes Jahr, um sich klar zu machen, welches die Überzeugungen sind, für die wir stehen" und diese dann umzusetzen. Auch in der Bildungspolitik erinnerte sie an die Bedeutung von Werten und streifte die Debatte über die Bildungspläne. Zur Erinnerung: Die grün-rote Landesregierung wird kritisiert, weil sie die "Akzeptanz der sexuellen Vielfalt" als Leitlinie im Bildungsplan haben will. Das sei als Ziel auch bisher schon im Bildungsplan gestanden, sagt Schavan, und stellt in Frage, ob die wichtigsten Werte als Leitlinien definiert wurden. Jungen Leuten ein Gespür für Gemeinsinn zu ermöglichen, könnte in ihren Augen eine Leitlinie sein. Kein gutes Haar ließ Schavan an der Bildungspolitik des Landes. Grün-Rot habe mit der Gemeinschaftsschule eine weitere Schulvariante eingeführt, ohne zu sagen, dass diese offenbar mittelfristig die bestehenden ersetzen soll.

Auch Schavan setzt sich für ein zweigliedriges Schulsystem ein - dafür war sie bei der ersten Vorstellung 2011 von der CDU zunächst kritisiert worden. Gestern skizzierte sie ihren Vorschlag: Die Realschule soll weiterentwickelt werden mit einem stark auf die Praxis bezogenen Zweig sowie einem Zweig "Realschule Plus", an der die Schüler die Fachhochschulreife erwerben können. An beruflichen Schulen dürfe nicht gekürzt werden - wenn Azubis zu hundert Kilometer weit fahren müssen, um zur Berufsschule gehen zu können, würde das der Wirtschaftsentwicklung des Landes schaden. Dass es an den beruflichen Schulen zu Kürzungen kommen soll, ist am Mittwoch in Crailsheim bei der Vorstellung der regionalen Schulentwicklung gesagt worden.

Mit welchem Bildungskonzept die CDU in den Landtagswahlkampf zieht, wird unter anderem beim CDU-Bildungskongress am 22. Februar in Schwäbisch Hall diskutiert. Dies kündigte Katrin Heinritz, CDU-Kreisvorsitzende an. Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin fragt mit Blick auf die dortige Gemeinschaftsschule: "Warum muss man negative Beispiele kopieren?"

Auch wenn am Sonntag unter den Gästen vor allem Männer waren, auf dem Rednerpult standen vorwiegend Frauen. Die CDU-Landtagsabgeordneten Helmut Rüeck und Arnulf von Eyb wiesen darauf humorvoll hin. Neben Annette Schavan und Katrin Heinritz sprachen auch die CDU-Europa-Abgeordnete Inge Gräßle ("Liebe Leute geht mich wählen, sonst sind die anderen, die zählen") und Andrea Härterich, CDU-Stadtverbandsvorsitzende. Gut an kam bei den Gästen, dass einige Redner Siedersprüche zum Besten gaben - anstelle der Sieder waren in diesem Jahr zwei Vertreter der Landjugend gekommen.

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