Jummai Yohannah ist eigens zum Landesmissionsfest aus Nigeria angereist

Jummai Yohannah sitzt im Garten in der Sonne. Ein dicker Fleecepulli schützt sie vor dem kalten mitteleuropäischen Sommer. Sie ist vor ein paar Tagen aus Nigeria eingeflogen. Ihr Ziel: das Landesmissionsfest.

|
Verstehen sich prächtig: Jummai Yohannah aus Nigerias Norden und ihr Gastgeber, Gottfried Gronbach aus Michelbach/Heide.  Foto: 

Jummai Yohannah, die am Wochenende beim Missionsfest in Blaufelden zu erleben sein wird, lebt in Nigeria ein komplett anderes Leben. "Die Häuser sind anders, die Art zu fahren, der Umgang zwischen Mann und Frau", sagt sie. "In Nigeria sieht man selten einen Ehemann mit seiner Frau auf der Straße."


Zwischen 35 und 50 Jahren alt

"Wie anders ihr Leben ist, sieht man schon daran, dass sie nicht weiß, wie alt sie ist", sagt Gottfried Gronbach aus Michelbach/Heide, bei dem Jummai Yohannah gerade zu Gast ist. Das ist bisweilen nicht unpraktisch. "Wenn ich jünger wirken will, sage ich, ich bin 35", sagt Jummai Yohannah. "Und wenn ich älter und respektiert sein will, sage ich ,fifty something". Also "über 50". Sie wird die 50 aber wohl noch nicht erreicht haben, vermutet sie, auch wenn ihr ältestes Kind 27 Jahre alt und sie selbst schon Oma ist.

Jummai Yohannah ist Lehrerin im Dorf Iposokye, einem landwirtschaftlichen Ausbildungszentrum, das zwar im Norden Nigerias liegt, aber dennoch weit entfernt ist von den Unruhen rund um Boko Haram. Dennoch betrifft die christenfeindliche Terrorgruppe auch Jummai Yohanna, denn sie ist Christin, und das Ausbildungszentrum, in dem sie arbeitet, wird vom YMCA und vom evangelischen Jugendwerk unterstützt. Seit einigen Jahren besteht auch eine intensive Ausbildungspartnerschaft mit dem Kirchenbezirk Blaufelden, die Gottfried Gronbach aus Michelbach/Heide initiiert hat. Er ist im "richtigen" Leben Drucker und hat sich für seinen nigerianischen Gast heute frei genommen.

Jummai Yohannah ist eigens fürs Landesmissionsfest nach Hohenlohe gekommen und berichtet gerne wort- und gestenreich aus ihrem Leben: Als Kind besuchte sie nur kurz die Schule, heiratete früh und kam mit ihrem Mann durch Zufall als eine der ersten Schüler an das eben entstandene landwirtschaftliche Ausbildungszentrum. Das war Ende der 80er-Jahre. Weil beide gut abschlossen, konnten sie als Lehrer bleiben. Im Lauf der Jahre wurde die zielstrebige Nigerianerin allerdings unzufrieden: "Für einen anspruchsvollen Unterricht war meine Bildung einfach zu gering. Es fehlte etwas." Mit mittlerweile vier Kindern holte sie dann doch noch ihren Schulabschluss nach, lernte Englisch (neben Hausa die Verkehrssprache in Nigeria) und ließ sich zur landwirtschaftlichen Lehrerin weiterbilden.

"Wir unterrichten Erwachsene", sagt sie. Das Stichwort heißt "mix cropping". Dabei wachsen mehrere Nutzpflanzen gleichzeitig auf einem Feld: in der Erde Erdnüsse, bodendeckend eine Melonenart mit ölhaltigen Kernen, und darüber Süßhirse. Der fruchtbare Boden machts möglich - und die Kenntnisse, die Jummai Yohannah vermittelt: "Es kommt nämlich genau auf den Zeitpunkt des Setzens an, sonst stören sich die Pflanzen gegenseitig." Weil die Studenten mit ihren Familien in der Schule leben und dort für ihren Lebensunterhalt selbst einen Acker bewirtschaften dürfen, erfahren sie gleich selbst, wie gut das System funktioniert.

Ohne Konzept liegt das Projekt auf Eis

Gelungene Hilfe zur Selbsthilfe ist das also, und deshalb wird die Schule auch regelmäßig finanziell unterstützt - auch aus Blaufelden. "Aber es ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe", sagt Gottfried Gronbach. "Wir schicken nicht einfach Geld." Als unlängst etwa die Anfrage nach einem Traktor kam - durchaus sinnvoll für die Schulfarm mit über 100 Hektar - da wollten die Deutschen wissen: Wie kommt das Benzin in die abgelegene Farm, wer finanziert es, wer kauft Ersatzteile, wer wartet die Maschine, was können die afrikanischen Partner selber beisteuern? "Das müssen sie sich jetzt überlegen. Ohne Konzept liegt das Projekt auf Eis."

Wünsche kommen aber nicht oft, sagt auch Jummai Yohannah. "Die Häuser unserer Studenten waren zum Beispiel sehr marode", berichtet sie und zeigt Fotos. "Aber wir haben uns nicht getraut, dafür um Geld zu bitten." Als dann eine deutsche Delegation vor Ort war, fiel ihnen der Zustand jedoch ebenfalls auf. Das Jugendwerk und der YMCA rührten die Spendentrommel, und jetzt haben die kleinen Häuschen wieder ein dichtes Dach. "The students are so much happy", sagt Jummai Yohannah in ihrem afrikanischen Englisch. Sie lassen danken und grüßen: "They say: Many, many greetings and thanks."

Partnerschaft geplant zwischen Blaufelden und Ikposogye

Beim Landesmissionsfest soll eine Projektgruppe ins Leben gerufen werden, die die Partnerschaft zwischen dem Kirchenbezirk Blaufelden und dem landwirtschaftlichen Ausbildungszentrum in Ikposogye, in dem Jummai Yohannah arbeitet, gestalten soll (Samstag, 28. Juni, 16 Uhr, Mehrzweckhalle Blaufelden). Die Lehrerin ist auch auf dem Markt der Missionen zu erleben (Sonntag, 29. Juni, ab 11.30 Uhr, Markthalle Blaufelden). Alle weiteren Infos zum Programm des Landesmissionsfests unter www.kirchenbezirk-blaufelden.de.

UTS

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Von Wolpertshausen nach Berlin

Aus Wolpertshausen mit seinen 1200 Einwohnern kam man lange kaum weg. Jetzt fährt von hier aus ein Flixbus in die Hauptstadt. Wer braucht diese Verbindung? weiter lesen