Johannes-Gutenberg-Schule Gaggstatt setzt auf Beziehungsarbeit

Oberstes Ziel der Johannes-Gutenberg-Schule (JGS) ist die Vorbereitung auf Beruf und Leben. Die Schüler mit schwacher Begabung sollen später selbstverantwortlich in der Gesellschaft bestehen können.

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Jedes Kind wird per Handschlag begrüßt. Jeden Morgen. Das ist einerseits das erste Ritual des Tages - es folgen der Unterrichtsvormittag, das gemeinsame Mittagessen und ein anschließender Spaziergang im offenen Ganztagesbetrieb mit allen Schülern und Lehrern in täglicher Wiederholung. Andererseits ist die förmliche Begrüßung Ausdruck der persönlichen Beziehungen und der emotionalen Nähe, die zum Schulkonzept gehören. "Wir sind eine kleine Schule. Bei uns kennt jeder Lehrer und jeder Mitarbeiter jedes Kind nicht nur oberflächlich, sondern mit all seinen Stärken und Schwächen und seinem familiären Hintergrund", berichtet Schulleiter Gerd Beyerbach.

Die Rituale setzen sich in den Klassenzimmern fort: Egal, ob es der Morgenkreis bei den Grundstufenschülern ist oder die tägliche Einmaleins-Übung der Hauptstufenschüler - die immer wiederkehrenden Abläufe geben den Schülern Sicherheit. "Wir achten außerdem auf Umgangsformen, gesunde Lebensweise und einen respektvollen Umgang miteinander", erklärt der Rektor, "an unserer Schule geht es nicht nur um Bildung, sondern auch um Erziehung."

Kinder und Jugendliche, die in einer Regelschule aufgrund vielfältiger Probleme nicht zurechtkommen, finden an der JGS eine angemessene schulische Förderung. Das Team aus Lehrern und Betreuern achtet neben dem Aufbau persönlicher Beziehungen vor allem auf den richtigen Blickwinkel. Nach dem Motto "Jeder kann was" schauen die Lehrer auf die Stärken der Schüler. Diese entwickeln so ein positives Ich-Bild und gewinnen mehr Selbstbewusstsein. Denn das brauchen sie, um im späteren Leben zurechtzukommen.

Die Vorbereitung auf das Berufsleben ist ein wichtiger Schwerpunkt an der Johannes-Gutenberg-Schule. Durch zwei Werktage in jeder Schulwoche und zwei zweiwöchige Praktika pro Schuljahr haben die Schüler viele Möglichkeiten, die Praxis kennenzulernen. Entgegen dem bundesweiten Trend, bei dem ein Großteil der Förderschulabgänger ohne Lehrstelle bleibt, gehen über 60 Prozent der Schüler aus Gaggstatt nach dem Förderschulabschluss in ein Ausbildungsverhältnis. "Diese gute Quote erreichen wir durch die vielen Praktika, gute Betreuung der Schüler und enge Kontakte zu den örtlichen Betrieben", erklärt Gerd Beyerbach. Praktische Erfahrungen sammeln die älteren Schüler in der Schülerfirma, die bei verschiedenen Veranstaltungen das Festcatering übernimmt. Schüler, Eltern und Lehrer betreiben außerdem gemeinsam das öffentliche Café im Altenheim des Kirchberger Schlosses.

Eine Besonderheit ist das Auszeitangebot

Die Öffnung nach außen und die Kontakte zu anderen Schulen haben an der Gaggstatter Schule Tradition. Es gibt Kooperationen mit Sportvereinen, der Kirchengemeinde und anderen Schulen. Dazu gehören die örtlichen Grundschulen, die August-Ludwig-Schlözer-Schule und das Gymnasium Schloss-Schule in Kirchberg sowie die Gemeinschaftsschule Rot am See. Zehn Schüler, die an Regelschulen in Wallhausen und Rot am See inklusiv beschult werden, werden von Gaggstatt aus betreut. Die JGS kooperiert zudem mit den Sonderschulen Fröbelschule und Sprachheilschule. Eine Besonderheit ist das Auszeitangebot: Schüler der allgemeinen Schulen - vorübergehend mit schulischen Problemen - können für eine befristete Zeit die Johannes-Gutenberg-Schule besuchen, ohne umgeschult zu werden.

"Der Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung ist groß und nimmt weiter zu", antwortet Gerd Beyerbach auf die Frage, wie er die Zukunft seiner Schule sieht. Er geht davon aus, dass auf die Förderschule künftig weitere inklusive Aufgaben warten. "Damit Inklusion funktioniert, muss jedoch genügend Personal vorhanden sein. Allein der gute Wille reicht nicht aus", so Beyerbach. Den Bestand der JGS als Stammschule sieht der Pädagoge deshalb nicht gefährdet: "Für manche Kinder ist es wichtig, dass sie in einem klar überschaubaren Rahmen optimal gefördert werden. Deshalb wird es die Förderschulen weiter geben - und das ist gut so."
 


Johannes-Gutenberg-Schule in Gaggstatt

Die JGS wurde Ende der 1950er-Jahre von der Gemeinde Rot am See gegründet und ist eine der ältesten ländlichen Sonderschulen in Baden-Württemberg. Sie war zunächst in Beimbach, später in Rot am See und befindet sich seit 1961 am jetzigen Standort in Gaggstatt. Die Förderschule versteht sich als offene Angebotsschule mit Ganztagsangebot an vier Tagen. Das Mittagessen wird von der Schulköchin in der schuleigenen Küche frisch zubereitet.

Derzeit zählt die JGS 44 Schüler: 34 Schüler in vier kombinierten Klassen (1-3, 4-6, 6-8, 7-9), sowie vier Kinder in inklusiver Beschulung und sechs Jugendliche in Rückschulungsmaßnahmen. Zum Team gehören neben dem Schulleiter vier Klassenlehrer, zwei Unterrichtsbegleiter, zwei Erzieherinnen, ein Sozialpädagoge sowie zehn Jugendbegleiter und Lehrbeauftragte.

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