Johanna Faure stemmt ihren Demeter-Betrieb fast ganz allein

Es ist ein heißer Sommertag, die hochgewachsenen Ähren wiegen sich sanft im Wind. Manche sind rötlich gefärbt, manche grau und wieder andere erstrahlen in sattem Gelb.

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Aufschlussreiche Ähren: Landwirtin Johanna Faure in ihrem Getreidesorten-Versuchsfeld in Beuerlbach.  Foto: 

Keine Frage, ökologische Landwirtschaft sieht gut aus - zumindest auf den Feldern von Demeter-Landwirtin Johanna Faure aus Beuerlbach.

Der Weizen auf dem konventionell bewirtschafteten Feld gegenüber steht dicht, die Ähren sind nur halb so lang. Welche Form der Landwirtschaft die bessere, die nachhaltigere ist, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Ein Getreidesorten-Versuchsfeld

Dass Johanna Faure ihr Getreide nur mit Kuhmist düngt und zur Stärkung mit biodynamischen Präparaten wie Hornmist spritzt, hat jedoch für ein gutes Wachstum gesorgt - das steht fest. Seit mittlerweile 24 Jahren betreibt sie ihren Hof, den sie von den Eltern übernommen hat. 1989 stellte die heute 52-jährige Landwirtin auf Demeter-Betrieb um: "Ich habe gesehen, dass ich in der konventionellen Landwirtschaft mit den großen Betrieben nicht mithalten kann." Faure baut vier verschiedene Getreidearten an und versorgt 26 Milchkühe. Außerdem kümmert sie sich um das Getreidesorten-Versuchsfeld des Landes, das vom Beratungsdienst Ökologischer Landbau des Kreises Schwäbisch Hall betreut wird. Es handelt sich um eben jenes Feld mit den hochgewachsenen Ähren, die sich so schön im Wind wiegen.

Rund 50 Getreidesorten von verschiedenen Züchtern wachsen dort auf je vier Parzellen mit jeweils 15 Quadratmetern. Darunter auch seltene und alte Arten wie der Emmer. Reiner Schmidt vom Beratungsdienst Ökologischer Landbau prüft das Getreide einmal im Jahr, um herauszufinden, welche Sorten für das hiesige Klima besonders gut geeignet sind. "Für die Bio-Bauern sind solche Versuche sehr wichtig, da sie auf deren Basis entscheiden, welche Sorte sie kaufen und anbauen wollen", erklärt Johanna Faure.

Die Landwirtin stemmt ihren Demeter-Betrieb zum Großteil alleine. Hilfe bekommt sie ab und an von ihrem Mann, einem in Crailsheim praktizierenden Kardiologen, und von einem ihrer Söhne. Letzterer arbeitet derzeit noch in einem anderen Betrieb als Landwirt, möchte den Hof später aber gerne übernehmen. Das Problem: Das Einkommen, das mit dem Hof erwirtschaftet wird, reicht für eine Familie nicht aus. "Die Erträge sind zu gering und es fallen zu viele Niederschläge", sagt Faure. "Wir bräuchten mehr Tiere und müssten Land hinzukaufen." Doch die landauf und landab expandierenden Biogasanlagen entziehen ihr dafür die Grundlage. "Die Betreiber benötigen große Flächen, um ihre Monokulturen anbauen zu können."

Die richtige Einstellung

Dabei sagt Faure ganz klar: "Wir sind zukunftsfähig!" Die Stärke des Demeter-Hofes liegt in seinem geschlossenen Betriebskreislauf: Die Kühe fressen das Kleegras von der Wiese und mit ihrem Mist wird die Wiese wieder gedüngt. Faure muss nur wenig von außen zukaufen, hauptsächlich Dieselkraftstoff für die Maschinen, ein bisschen Mineralfutter und Saatgut.

Dass einige Bio-Bauern wieder auf die konventionelle Landwirtschaft umstellen, weil es sich finanziell nicht mehr rechnet, kann sie nicht verstehen. "Es ist eine Einstellungssache, ob man ökologische Landwirtschaft wirklich machen will oder ob nur der Gewinn zählt."

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