Ja, wie wirds denn nun wirklich?

Das Wichtigste vorweg: Liegen die Firmenvertreter mit ihren Einschätzungen richtig, dann steht ein ordentliches Wirtschaftsjahr 2013 ins Haus. Nur genau vorhersagen lässt sich relativ wenig.

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. Wenn die Dinge nicht zu sehr trügen, dann dürften am Ende des Jubiläumsjahrs die Bilanzen der Unternehmen ganz passabel aussehen. Zum zehnten Mal hatte die Regionalgruppe Schwäbisch Hall-Crailsheim zur ihren Konjunkturprognosen geladen. Und um die Sache abzurunden, hatten die Jungunternehmer für die knapp zweieinhalbstündige Veranstaltung im Rathaus in Ilshofen ein wenig am Programm gefeilt.

Fünf statt sieben Referenten, dafür etwas mehr Redezeit und "Fokussierung auf das verarbeitende Gewerbe" taten der Sache gut, und rund 150 Besucher im rappelvollen Vortragsraum kamen "voll auf ihre Kosten". Zweifelsfrei ein Verdienst der hochkarätigen Rednerriege. Denn Dr. Mark Hiller, (Recaro Aircraft Seating), Joachim Brenner (Bosch Packaging Technology), Gebhard Gentner (Stadtwerke Hall), Dr. Patrick Stiller (Voith Turbo Industry) und Stefan Gutfreund (Arbeitsagentur Schwäbisch Hall) traten den Beweis an, dass der Umgang mit Charts und Kurven keine langatmig-langweilige Geschichte sein muss.

Nun ist es mit "dem Blick in die Zukunft" bekanntlich so eine Sache und krude "Kaffeesatzleserei" nicht das Ding der renommierten Firmenvertreter, und so nahm das Ouintett das Publikum mit solider Dateninterpretation für sich ein. Doch so sehr die Akteure sich auch mühten, an der Quintessenz der Vorträge war nichts zu ändern: Der Auftakt des Wirtschaftsjahres ist überschrieben mit der doppelten Verneinung: "Nichts Genaues weiß man nicht". Dieses Ergebnis ist allerdings mitnichten einer laxen Aufarbeitung des gesammelten Datenmaterials geschuldet, sondern nur Ausdruck der Tatsache, dass sich selbst in nahestehenden Branchen die Gegebenheiten derzeit ganz unterschiedlich entwickeln und so den Firmen ganz unterschiedliche Perspektiven eröffnen. Ein Beispiel: Während Joachim Brenner und seine "Crailsheimer Boschler" im Sondermaschinenbau für die pharmazeutische Industrie in einem Markt "mit enormen Wachstumsraten" agiert, fällt der global ausgerichtete Blick voraus auf die Geschäftserwartungen bei den Anlagenbauern von Voith in der Horaffenstadt schon deutlich zurückhaltender aus. Dr. Patrik Stiller: "Regionen wie Südamerika oder Asien lassen sich ja ganz gut an, Deutschland stagniert und Europa hängt durch. Welche Tendenz am Ende überwiegt, ist schwer abzuschätzen."

Ähnlich sieht es auch Mark Hiller. "Langfristig bietet die Luftfahrt uns ein enormes Potenzial mit Zuwächsen von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr. Das Problem: Man muss immer große Ausschläge einkalkulieren." Allerdings rechnet der Frontmann des Haller Flugzeugsitzherstellers derzeit nicht damit, dass der Pfeil schon absehbar nach unten zeigt. Im Ergebnis: Recaro wird wie die meisten Maschinenbauer im Landkreis beim Umsatz zulegen und erfreulicherweise auch "weiter Arbeitsplätze aufbauen".

Trotzdem dürfte das zuletzt vielzitierte "deutsche Jobwunder" auch in der Region in den nächsten Monaten eine gewisse Auszeit nehmen. "In zahlreichen Unternehmen ist eine gewisse Unsicherheit spürbar", sagt Stefan Gutfreund: "Wir hatten zuletzt verstärkt Anfragen wegen Kurzarbeit. Doch konkrete Anmeldungen blieben aus." Insgesamt erwartet der Arbeitsmarktexperte "eine stabile Einwicklung" bei einem "weiteren Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung". Die "grundsätzlich gute Lage" am Arbeitsmarkt darf nach Gutfreunds Ansicht allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Chancen "sehr spezifisch" sind.

Wirklich blendend bleiben die Aussichten für die Schulabgänger: Auch in diesem Jahr wird es deutlich mehr Ausbildungsplätze als qualifizierte Bewerber geben. Die sinkende Zahl von Jugendlichen leistet der zunehmend schwieriger werdenden Nachwuchsakquise weiteren Vorschub. Während die Demografie wenig Spielraum für Überraschungen lässt, sieht das bei der Energieversorgung ganz anders aus. "Die Energiewende wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen", beschreibt Gebhard Gentner das Umfeld. "Dabei spielt uns die zunehmende Regionalisierung der Energieversorgung in die Karten", erklärt der Technische Geschäftsführer. "Stadtwerke sind geradezu ein Erfolgsmodell und die Abkehr von den großen Energieversorgern eröffnet viel Potenzial für einen stark wachsenden Anteil an regionaler Wertschöpfung."

Trotz des guten Ausblickes tritt Gentner sogleich auf die Euphoriebremse: "Es ist halt auch ein Markt mit einem intensiven Wettbewerb, geringen Margen, einem hohen Investitionsbedarf und unklaren Rechtslagen." Das hört sich so gut nicht an. Oder doch? Auch die Stadtwerke Schwäbisch Hall wollen zulegen und weitere Arbeitsplätze schaffen. Dann könnte es auch für den Energieversorger besser werden als es die Prognose verheißt.

Info Eine detaillierte Darstellung der Konjunkturprognosen der Wirtschaftsjunioren finden Sie in der nächsten RegioBusiness-Ausgabe.

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