Ist Gewalt erlaubt?

Das Theaterstück "Die Gerechten" von Albert Camus wird am Samstag, 2. Februar, um 20 Uhr in der Stadthalle in Ilshofen von der Württembergischen Landesbühne Esslingen aufgeführt.

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"Die Gerechten": Auch dieses Theaterstück von Albert Camus setzt sich mit der Legitimation von Gewalt auseinander. Foto: WLB

Angesichts unerträglicher sozialer Ungerechtigkeit beschließt eine kleine Gruppe von Revolutionären ein Attentat auf den Großfürsten. Janek, ein junger und lebenslustiger Mann, wird dazu bestimmt, die Bombe zu werfen. Da sitzen in der Kutsche neben dem Großfürsten Kinder. Damit hat Janek nicht gerechnet; er versagt in der Sekunde der Entscheidung. Ein ideologisches Gebäude gerät ins Wanken.

Woinow, der nun die Tat verüben soll, bittet darum, die Gruppe verlassen zu können und woanders für die Propaganda eingesetzt zu werden. Nur nicht selber töten müssen. Für Stepan, der in Gefangenschaft war, bedeuten Mitleid, Angst und Liebe eine gefährliche Schwächung der Entschlusskraft. Die Narben auf seinem Körper erzählen von Kälte, Hass und Gewalt.

Dora muss am eigenen Leib erfahren, dass ihre Liebe für Janek keinen Platz im Leben hat, wenn beide im Namen der Gerechtigkeit zu sterben bereit sein wollen. Annenkow schließlich hat die schwere Aufgabe, die Gruppe ideologisch und menschlich zusammenzuhalten.

Aber auch die Gegenspieler erhalten bei Camus eine gewichtige Stimme: Sei es Foka, ein Gefangener, der Todesurteile vollstreckt, um seine eigene Haftzeit zu verkürzen; Skuratow, der geschickt argumentierende und agierende Polizeipräsident oder die Großfürstin, die den Mörder ihres Mannes im Gefängnis besucht.

Camus greift die revolutionären Ereignisse von 1905 in Russland auf, um sehr differenziert über die Legitimation von Gewalt nachzudenken. Er macht es sich und seinen Figuren nicht leicht. Welche Mittel und Möglichkeiten haben wir im Kampf für eine gerechtere Welt?

Camus, der 1913 als Franzose in Algerien geboren wurde, hat sich dieser Problematik immer wieder gestellt - ob in seinem Roman "Die Pest", in theoretischen Schriften wie "Der Mensch in der Revolte" oder ganz praktisch in seinen Vermittlungsversuchen im Algerienkonflikt. Ein Scheitern, so schmerzlich es für ihn war, hat er in Kauf genommen, der Versuch war ihm wichtig. Seine Fragen sind bis heute ungelöst. Das Theater gibt ihnen Raum, denn die Sehnsucht nach Veränderung bleibt.Info Karten gibts in der Buchhandlung Dunz in Ilshofen, Telefon 0 79 04 / 2 06 und an der Abendkasse. Eine kostenlose Einführung in das Theaterstück wird um 19.30 Uhr im Rathaus angeboten.

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