INTERVIEW: Philosophie für die Masse

Markus Gabriel ist 2009 mit gerade einmal 29 Jahren auf den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie der Universität Bonn berufen worden - und wurde damit zum jüngsten Philosophieprofessor Deutschlands.

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Herr Gabriel, seit einigen Jahren philosophieren Sie mit der akademischen Elite. Warum haben Sie nun ein massentaugliches Buch geschrieben?

MARKUS GABRIEL: Philosophie gehört immer auch in die Öffentlichkeit. Das war auch früher schon so. Von Platon gibt es beispielsweise keinen einzigen Fachtext. Er plappert wie die Leute auf dem Marktplatz. Die Fähigkeit, sich massentauglich auszudrücken, war der Philosophie also immer zu eigen. Es ist doch so: Wer nicht in der Lage ist, ein Thema verständlich zu erklären, kann es auch selbst nicht verstanden haben. Außerdem haben wir in Deutschland das Glück, dass wir eine Öffentlichkeit haben, die an Philosophie interessiert ist.

Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Theorien großer Denker zu kritisieren. Haben Sie auch einen Lieblingsphilosophen? Oder sind Sie Ihr eigener Lieblingsphilosoph?

GABRIEL: Insgeheim bin ich das wohl (lacht). Aber eigentlich war Schelling immer mein Lieblingsphilosoph. Schon zu Schulzeiten hat er mich irgendwie angezogen. Für mich ist sein Werk der Höhepunkt des deutschen Idealismus.

Haben Sie sich schon immer Gedanken über Sinn und Wirklichkeit gemacht?

GABRIEL: Ja, von Kindheit an. Ich erinnere mich noch daran, wie ich als kleiner Junge mit dem Fahrrad zur Schule gefahren bin, als mir plötzlich ein Wassertropfen ins Auge fiel. Für einen Moment habe ich alles doppelt gesehen. Die Straßenlampe. Meine Arme am Lenkrad. Und dann dachte ich: Was, wenn das die Wirklichkeit ist? Könnte doch auch sein.

Das Interview führte HT-Volontärin Anna Berger.

Markus Gabriel will eine neue philosophische Schule gründen

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