INTERVIEW: Blut muss zur Verfügung stehen wie Strom und Wasser

Das Deutsche Rote Kreuz begeht heuer seinen 150. Geburtstag. Im Jubiläumsjahr feiert die Blutspende als bedeutende Aufgabe des DRK ein eigenes Jubiläum, den 10. internationalen Weltblutspendertag.

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  • DRK-Präsident Dr. rer. pol. h.c Rudolf Seiters. Foto: DRK/Maelsa 1/2
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Herr Dr. Seiters, welche Bedeutung hat das Blutspendewesen im Kontext des Aufgabenspektrums des Deutschen Roten Kreuzes im Jahr 2013?

DR. RUDOLF SEITERS: In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war es für das Rote Kreuz selbstverständlich, sich am Aufbau eines unentgeltlichen Blutspendewesens maßgeblich zu beteiligen. In Deutschland wurde daraufhin 1951 in Düsseldorf die erste Blutspendezentrale eingerichtet. Parallel zu der beeindruckenden Entwicklung, die die Transfusionsmedizin und das Blutspendewesen in den letzten 62 Jahren weltweit genommen haben, hat sich die Blutspende beim DRK bundesweit zu einer der tragenden Säulen entwickelt. Die sechs DRK-Blutspendedienste gewährleisten zu 75 Prozent die Patientenversorgung mit lebensnotwendigen Blutpräparaten bundesweit.

Wie kam es dazu, dass der Weltblutspendertag seit 2004 als internationaler Aktionstag begangen wird?

SEITERS: Das Transfusionswesen ist eine im Vergleich recht junge medizinische Disziplin. Umso beeindruckender, welcher Fortschritt seit Karl Landsteiners bahnbrechender Entdeckung der Existenz verschiedener Blutgruppen 1901 hier erreicht werden konnte. Die moderne Hochleistungsmedizin wäre ohne ein funktionierendes Blutspendewesen nicht denkbar. Folgerichtig haben die WHO, die Internationale Organisation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, die Internationale Gesellschaft für Transfusionsmedizin und die Internationale Föderation der Blutspendeorganisationen den 14. Juni erstmals 2004 als internationalen Aktionstag ausgerufen, an dem weltweit mit Kampagnen, Zeremonien, Spenderehrungen, Wettbewerben und weiteren öffentlichen Events auf das Thema aufmerksam gemacht und Spenderinnen und Spendern für ihr Engagement gedankt werden soll.

Von welcher Größenordnung sprechen wir?

SEITERS: Die Organisatoren repräsentieren 194 Länder, 187 nationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften sowie 70 Blutspendeorganisationen und zahlreiche Transfusionsmediziner aus der ganzen Welt. Im Rahmen der 58. Generalversammlung der WHO wurde von den teilnehmenden Staaten übereinstimmend eine entsprechende Resolution verabschiedet. Und: Das Datum ist nicht ohne Grund gewählt, es markiert den Geburtstag des 1868 geborenen österreichischen Mediziners Landsteiner, bis heute bilden seine Entdeckungen die Grundlage der modernen Transfusionsmedizin.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat es sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2020 die Versorgung mit lebensnotwendigen Blutpräparaten in allen Ländern der Welt durch freiwillige, unentgeltliche Blutspenden im jeweiligen Land gesichert ist. Wie ist der Status in der Bundesrepublik?

SEITERS: Laut WHO wird in 62 Ländern der Bedarf an Blutpräparaten zu 100 Prozent durch freiwillige und unentgeltliche Blutspenden gesichert, während in 40 Ländern die benötigten Blutspenden noch von Familienmitgliedern der Transfusionsempfänger oder bezahlten Spendern generiert werden müssen. Bereits seit 1952 stellt das Deutsche Rote Kreuz bundesweit die Versorgung schwerkranker Patienten mit Blutpräparaten auf eine gemeinnützige Basis. So wie Wasser aus unseren Wasserhähnen fließen muss, so wie Strom zuverlässig verfügbar sein soll, so wie das Telefonnetz stets Erreichbarkeit gewährleisten soll - genauso selbstverständlich ist es, dass für jeden Patienten, der Blutpräparate benötigt, in den Kliniken unseres Landes die entsprechenden Präparate und Blutkonserven zur Verfügung stehen.

Das DRK-Blutspendewesen in der Bundesrepublik ist eine maßgebliche Säule der DRK-Arbeit und der Daseinsvorsorge. Auf welchen Säulen ruht es seinerseits?

SEITERS: Im Jubiläumsjahr des Deutschen Roten Kreuzes wird auch am Beispiel Blutspende eindrucksvoll deutlich, wie sich der Ursprungsgedanke Henry Dunants vom uneigennützigen Helfen und einer solidarischen Verantwortung für Mitmenschen zu einer gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit entwickelt hat. Die Blutversorgung des DRK wird neben den 3800 hauptamtlich Tätigen überdies von 200.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern unterstützt. Unser Dank gilt deshalb anlässlich des 10. Weltblutspendertags einmal mehr den vielen Blutspenderinnen und Blutspendern in unserem Land, die mit rund 3,6 Millionen freiwilligen und unentgeltlichen Vollblutspenden pro Jahr mithelfen, die Versorgung der Patientinnen und Patienten in Deutschland zu 75 Prozent zu sichern. Das ist ein bedeutender Beitrag zur allgemeinen Daseinsfürsorge in unserem Land. Ebenso herzlich danken wir den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die die rund 43 000 DRK-Blutspendetermine jährlich im gesamten Bundesgebiet mit großem Engagement unterstützen.

Was sind die Perspektiven für das Blutspendewesen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten?

SEITERS: Wir werden mehr und mehr die Auswirkungen des fortschreitenden demografischen Wandels spüren, es werden weniger Blutspender mehr Empfängern von Spenderblut gegenüberstehen. Die sichere Versorgung mit lebensnotwendigen Blutpräparaten ist auch zukünftig eine uneigennützige Gemeinschaftsleistung.

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