Interview mit Oliver Raschke vom Amt für Migration

Im früheren "Löwen" in Ottendorf bei Gaildorf werden 50 Flüchtlinge einziehen. Aber wann? Aus welchen Ländern kommen sie, wie lange bleiben sie? Wir sprachen mit Oliver Raschke vom Migrationsamt.

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Im Dezember sollten die ersten Flüchtlinge im Ottendorfer "Löwen" einquartiert werden, aber noch immer steht ein Container vor dem Haus. Was sind die Gründe für diese Verzögerung?

OLIVER RASCHKE: Die Baugenehmigung wurde erst in der dritten Dezemberwoche zugestellt. Solange waren uns natürlich die Hände gebunden. Während dieser Zeit bemühten wir uns um Handwerkerangebote. Voraussichtlich Ende Februar werden die Arbeiten abgeschlossen sein.

Was wurde alles gemacht - auch eine Sprinkleranlage eingebaut?

Die Sanierungs- und Bauarbeiten werden nach Vorgabe der Baugenehmigung durchgeführt. Insbesondere für den Brandschutz wurden detaillierte Maßnahmen vorgeschrieben wie automatische Brandmeldeanlage mit Anschluss an die Leitstelle Schwäbisch Hall, teilweise Wandverkleidung mit feuerhemmendem Material, Rauchabzüge, feuerfeste Türen, Feuerlöscher und so weiter. Eine Sprinkleranlage ist nicht vorgesehen.

Wie hoch sind die Sanierungskosten insgesamt?

Die genaue Höhe der Sanierungskosten ist derzeit nicht bekannt. Der kalkulatorische Rahmen bewegt sich bei 100 000 Euro.

Wann erwarten Sie die ersten Asylbewerber in Ottendorf?

Die ersten Zuweisungen können erst erfolgen, wenn das Objekt baubehördlich abgenommen worden ist. Ein Termin ist jetzt noch nicht bekannt. Das Objekt ist maximal für 50 Personen geplant.

Hat der Landkreis gegenüber dem Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe Wünsche hinsichtlich der Herkunftsländer und Zusammensetzung der Asylbewerber geäußert?

Das ist bei uns laufendes Tagesgeschäft, die Wege zum zuständigen Regierungspräsidium Karlsruhe sind hier sehr kurz. Im Dezember konnten wir etwa einen Ehegatten aus der Landesaufnahmestelle zu uns holen, der nun bei seiner Frau wohnt. Ein Anspruch auf eine bestimmte Zuweisung besteht aber nicht.

Was können Sie über die voraussichtliche Verweildauer der Asylbewerber sagen? Wonach richtet sie sich?

Das Asylverfahren dauert im Durchschnitt circa zwei Jahre. Dies für einzelne Nationen aufzuschlüsseln ist sehr schwer, da es immer auf den Einzelfall und die persönliche Situation ankommt. Zuständig ist auch ausschließlich das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg. Für die Flüchtlinge aus Serbien und Mazedonien wurde jedoch zum Jahreswechsel ein Schnellverfahren eingeführt, welches das Asylverfahren auf durchschnittlich zehn Tage verkürzt. Menschen aus Sri Lanka, Syrien oder beispielsweise Afghanistan sind jedoch länger bei uns.

Wie hoch war der Zugang im Kreis Hall im Dezember und Januar, wo haben Sie die Leute untergebracht?

Im Dezember 2012 wurden 25 Personen aufgenommen. Für Januar 2013 waren 29 Personen angekündigt. Die Verteilung erfolgt auf die Gemeinschaftsunterkünfte Schwäbisch Hall, Ilshofen und Blaufelden.

Wie war das möglich, Ihr Amtsvorgänger und Sie sprachen seinerzeit von Raumnot. Wo kommt der Platz auf einmal her?

Die Dezemberzugänge konnten wir unterbringen, weil die größeren Städte Hall und Crailsheim teilweise unerwartet viele Personen in der Anschlussunterbringung aufnahmen. Das hat uns bei der Unterbringungssituation vor Weihnachten sehr geholfen. Außerdem hatten wir mehrere Fälle von freiwilligen Rückreisen und Wohnortwechseln zur Arbeitsaufnahme. Der "Löwen" wird jedoch in jedem Fall für die weitere Unterbringung benötigt.

Warum ist die Betreuung von Menschen schwieriger, die dezentral in Wohnungen untergebracht sind und nicht in Wohnheimen? Genau das erscheint unplausibel. Warum müssen sie in Wohnheimen leben?

Die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften ist nach dem Asylverfahrensgesetz des Bundes sowie des Flüchtlingsaufnahme-Gesetzes Baden-Württemberg die Regel. Hinzu kommt, dass die Menschen oft Tragisches erlebt haben und vom Tage ihrer Ankunft an betreut werden müssen. Wir können dies nur bei zentralen Unterkünften leisten, wo die Menschen jederzeit im Büro erscheinen können und ein Ansprechpartner vor Ort ist.

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