In Waldtann kullern die Tränen

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Dieser Abend ist kaum auszuhalten und auch am nächsten Morgen sind die Nachwehen noch heftig zu spüren. Und schon tauchen wieder die Bilder auf, die Gesichter, die Mimik, die die Sprache, die Sprüche: Der Bürgermeister "is aber net doooooa". Und immer wieder das langgezogene, durch die Nase gepresste "net doooooa". Und schon beginnt wieder das Grinsen, das Lachen. Am Morgen danach nur innerlich, am Abend davor äußerlich und sichtbar, laut und hörbar. Oh, was für ein vergnüglicher, unterhaltsamer, besonderer, unvergleichlicher, unvergessener, glücklich und froh machender Abend.

Etwa ein bisschen zu tief ins Glas geschaut, in eine schillernde Fantasie- und Wunschwelt abgetaucht? Nichts von alledem: Das Waldtanner Volkstheater ist daran schuld, der Dipfeles Karl, Lina, Anni und all die anderen und ein "Mouschdkruach", um den sich letzten Endes alles dreht.

Was für ein Abend! Der in dieser Form, in dieser Art und mit diesen Menschen einmalig ist, einmalig schön und einmalig unterhaltsam. Woher rührt diese Einschätzung, diese Begeisterung, diese Euphorie? Grund wird doch nicht das leckere Schnitzel mit dem leckeren Kartoffelsalat sein, (das Essen vor der Vorstellung ist ein fester Bestandteil des Theaterabends) zu dem der Veranstalter den Pressemenschen eingeladen hat. Nein, nein und nochmals nein. Schreiberlinge sind nicht bestechlich, sondern neutral und objektiv. Und sie lassen sich trotzdem von guter Laune anstecken, lachen und freuen sich mit. Und an diesem Abend, bei dieser Premiere wird viel, unendlich viel gelacht. Und das wird auch bei den nächsten 13 Vorstellungen so sein, wenn es heißt: "Schää, dass ihr alli kumma seid, ihr wisst, wia mordsmäßich uns des freit."

Und warum macht das Waldtanner Volkstheater so unendlich viel Spaß? Weil die Männer und Frauen mit Leib und Seele, mit Herz und Hingabe, mit großer Freude und Riesenspaß bei der Sache sind und weil sich diese Begeisterung auf das Publikum überträgt.

Um was es in dieser Hohenloher Geschichte in drei Akten geht, was es mit dem "Mouschdkruach"" auf sich hat? Wird nicht verraten, zumindest nicht an dieser Stelle. Wir wollen doch den Besuchern der folgenden Veranstaltungen nicht die Freude nehmen, nicht die Bedeutung und das Geheimnis eben jenes tönernen Gefäßes verraten. Verraten sei nur soviel: Sie werden Tränen lachen, denn die Mitwirkenden leben ihre Rolle von unten bis oben, von den Füßen bis in die letzte Haarspitze. Dabei sind das im Alltag ganz normale Menschen. Doch auf der Bühne sind Forstwirte und die Krankenschwester, der Mechaniker und die Kauffrau, die Rentnerin und der Krankenpfleger, der Programmierer und der Sonderschullehrer nicht mehr zu erkennen.

Dann ist Ingrid Stegmeier ganz die Witwe Lina Renner, die so wunderbar lachen, weinen und nach Männern schielen kann. Dann ist Thomas Zott ganz der Grüne-Baum-Jungwirt Otto Keller, der singt, trinkt, schwankt und fällt. Dann ist Hermann Schmidt ganz der Dorfpfarrer Ägidius Braun, der mit seiner unvergleichlichen Mimik und Andachtshaltung immer wieder für Brüller sorgt. Dann ist Verena Sturm ganz die zunächst unscheinbare Mesnerin Anni Graumauser, die ein gutes Tröpfchens schätzt und Männern den Kopf verdreht. Dann ist Ruth Leitow ganz die Wirtin Gretel Keller vom "Grünen Baum", die mit "Schneckenbier" und anderen Besonderheiten ihre Gäste beglückt. Dann ist Karl Seibold ganz "dr Nolasser Frieder", der Totengräber mit dem grimmigen Gesichtsausdruck. Dann ist Volker Mack ganz der Postbote, der Polizist und der Gemeindediener Karl Dipfele und damit jener, der die Zuschauer zu Tränen rührt, zu Lachtränen. Und dann immer wieder sein ". . .", der Bürgermeister "is aber net doooooa", das auch nach der Vorstellung immer wieder zu hören ist. Nicht von ihm, sondern von Zuschauern. Dann ist Markus Häffner ganz der Kirchenbauer und Architekt Balduin Schäufele, der schwäbisch schwätzen muss und das auch richtig gut kann. Dann ist Martin Brenner ganz der Dorfbäcker Willi Brotschneider, dessen Leben sich an diesem Abend grundlegend ändert. Und dann sind da noch die Sänger des Gesangvereins Waldtann unter der Leitung von Dieter Jörg. Der stimmgewaltige Chor stimmt die Theaterbesucher auf den Abend ein und unterstreicht auf eindrucksvolle Weise sein herausragendes Können.

Die Premiere ist in jeder Beziehung und ohne jede Einschränkung ein großer, ein voller Erfolg. Kein Wunder, dass dieser und alle weiteren Abende innerhalb kurzer Zeit ausverkauft waren. Aber es gibt ja ein nächstes Jahr, auf das man sich schon jetzt so richtig freuen kann, denn dieses Waldtanner Volkstheater ist einmalig. Einmalig schön und gut.

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