In Lendsiedel grüßt der Semmelknödel täglich

Wer derzeit im Raum Kirchberg plötzlich auf der Straße auf die Schaufensterpuppe im gelben Poncho und mit rotem Schal trifft, weiß, dass es höchste Zeit wird, Karten für die Lendsiedler Winterfeier zu kaufen.

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Thomas Franz, der inoffizielle Leiter der Theatergruppe Lendsiedel, platziert den originellen Blickfang jeden Morgen an einem anderen Ort, um effektvoll für die Aufführung des Stücks "Semmelknödel-Déjà-vu" zu werben, das die neunköpfige Truppe für die diesjährige Winterfeier der Liedertafel einstudiert hat. Dabei wäre die aufwendige Werbekampagne eigentlich gar nicht nötig, denn die drei Vorstellungen waren in den letzten Jahren immer schnell ausverkauft.

Seit vergangenem Jahr gibt es deshalb nun noch eine vierte Aufführung der volkstümlichen Lustspiele, deren krachlederne Gaudi beim Publikum gut ankommt: "Die Tage der Winterfeiern sind die fünfte Jahreszeit in Lensle", erzählt Thomas Franz. "Es fehlt einem etwas, wenn man nicht mitspielen darf", ergänzt Kollegin Anita Lutz, die auf der Bühne die zickige Tochter des Hauptdarstellers Ignaz Igel zum Besten gibt. Franz spielt den armen Heimatromanschriftsteller, für den auf intrigante Weise eine Zeitschleife inszeniert wird, die ihn glauben machen soll, dass er wie in der Komödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" wieder und wieder denselben Tag durchlebt. Dass es ihn dabei fast in den Wahnsinn treibt, sorgt für allerlei Turbulenzen, und als die Brocken der täglich servierten Semmelknödel ins Publikum fliegen, ist die Stimmung auf dem Höhepunkt.

Mit anhaltender Begeisterung und Spielfreude steht die gegenwärtige Besetzung der Laienschauspieltruppe im neunten Jahr zusammen auf der Bühne. "Wir haben ein sehr harmonisches und kameradschaftliches Verhältnis untereinander", hebt Frank Kreißl hervor. Im Stück indes sorgt er für gehörig Wirbel als Igels Widersacher in Gestalt des habgierigen Bierbrauers und Bürgermeisters Hopfmoser, der mit der Betbichlerin, der scheinheiligen Dorftratsche, ein heimliches Verhältnis pflegt. Die wird mit viel Witz und Ulk von Caren Franz gespielt, die von Ehemann Thomas, als er sie vor elf Jahren kennenlernte, gleich mit in die Theatergruppe "geschleift worden" sei.

Obwohl sie inzwischen Mutter von drei kleinen Kindern ist, lässt sie es sich nicht nehmen, von der Muswiese bis Neujahr zweimal wöchentlich zur Theaterprobe zu gehen. Das hinterlässt auch Spuren im Familienleben: Bei der Hauptprobe hatte der fünfjährige Sohn Levi die Lacher auf seiner Seite, als er Papas und Mamas Texte im schönsten Hohenlohisch vor der Bühne mitrezitierte. Und dem in flagranti erwischten Paar, das in Unterwäsche von der Bühne flüchtet, stielt Franz Junior lautstark und trocken die Show mit seiner Frage: "Mamma, isch scho aus?" Auch die neun Monate alte Malin ist bestimmt schon vom Theatervirus infiziert, hat sie doch die letztjährigen Aufführungen in Mamas Bauch hautnah miterlebt.

Liedbeiträge des Projektchores "Buntkehlchen" und des Männerchors umrahmen die Aufführungen im Gemeindesaal, und der Barbetrieb mit Unterhaltungs- und Tanzmusik stellt ein feucht-fröhliches Ende des Abends in Aussicht.

Info Die Winterfeiern der Liedertafel Lendsiedel sind an den Samstagen 19. und 26. Januar, sowie am Freitag, 18. Januar, im Gemeindesaal. Einlass ist um 18.30 Uhr, Beginn 19.30 Uhr. Für den Freitagabend gibt es noch Karten bei Herbert Krätzer unter Telefon 01 51 / 15 27 72 58.

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