In Ehles Dorfschmiede entstehen nicht nur Hufbeschläge

Hufbeschlagschmiede sind Helmut Ehle aus Oberrot-Glashofen und sein Sohn Patrick im Hauptberuf. Ihre künstlerische Seite leben sie nach Feierabend aus. Einige Exponate zeigen sie im RUNDSCHAU-Fenster.

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Auf den ersten Blick hat der Beruf des Hufbeschlagschmieds wenig mit Kunst zu tun. Doch Patrick Ehle sieht das anders. Um einem Pferd den richtigen "Schuh" zu verpassen, ist nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch Gefühl fürs Material und Kreativität gefragt. Besonders dann, wenn ein Tier ein orthopädisches Problem oder eine Hufkrankheit hat, die das Anbringen spezieller Beschläge erfordert, um den Heilungsprozess zu unterstützen.

Hat man erst einmal gelernt, mit Feuer, Eisen, Amboss, Zangen und Hämmer umzugehen, dann ist der Weg zum Kunsthandwerker mitunter nur ein kurzer. Wie bei Helmut und Patrick Ehle. Sie haben diese so genannte kreative Ader. Da kommt es häufig vor, dass sie bis weit nach Mitternacht in ihrer Werkstatt stehen, um ein Bild, ein Herz, einen Kerzenhalter, einen Weinständer, ein besonders originelles Hufeisen oder sonstige Schmuckstücke anzufertigen. Viele ihrer kunstvollen Objekte sind zu groß, um sie im RUNDSCHAU-Fenster zu präsentieren. Die ausgewählten kleineren vermitteln dennoch einen Einblick in das künstlerische Schaffen von Vater und Sohn.

Tagsüber sind Helmut und Patrick Ehle mit ihrer mobilen Schmiede unterwegs. Pferde gibt es in der Umgebung von Oberrot genug und beruflich sind sie voll ausgelastet. Im Durchschnitt alle sechs bis acht Wochen brauchen Pferdehufe Pflege. Der Aufgabenbereich eines Hufbeschlagschmieds umfasst nicht nur den Beschlag mit Hufeisen, sondern auch die Zubereitung des Hufes durch Ausschneiden und Raspeln des Horns.

Vater und Sohn haben den Beruf von der Pike auf gelernt. Beide sind staatlich geprüfte Hufbeschlagschmiede. Helmut Ehle ist außerdem Schmiedemeister und Patrick Ehle Metallbaumeister. Das befähigt beide, Lehrlinge auszubilden. So mancher angehende Schmied oder Praktikant hat das handwerkliche Rüstzeug in der Dorfschmiede in Glashofen erhalten. Die Kooperation mit den Berufsschulen klappe bestens, freut sich Lehrschmied Patrick Ehle. Dass Vater und Sohn handwerklich versiert sind, aber auch eine Pferdekutsche hervorragend fahren können, das zeigen die vielen Urkunden und Plaketten, die sie bei diversen Wettbewerben im In- und Ausland schon errungen haben.

Heutzutage sind Hufbeschlagschmiede meistens nur noch mit ihren entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen unterwegs. Ehles haben natürlich auch eines. Aber dazu noch das, was man eine althergebrachte Dorfschmiede nennt. Eine richtig nostalgisch anmutende, mit einer großen Esse über der Feuerstelle, mehreren Ambossen, einer Unmenge an Hämmern und Zangen in allen Größen und Ausformungen. "Hier kann man auch mal nachts einen Hammer schwingen, ohne dass es jemand stört", schwärmt Helmut Ehle. In Esslingen, wo er herkommt, war das nicht mehr möglich. 1980 hat er deshalb das Anwesen in Glashofen gekauft und zehn Jahre später die Werkstatt eingeweiht. Hier also wird gehämmert, gebürstet, geschmirgelt, geschliffen, gegebenenfalls mit Säure geätzt, mit Öl oder Wachs eingerieben. So entstehen an langen Abenden formschöne Gegenstände aller Art. Tauglich als dekorativer Raumschmuck oder als nettes, ganz persönliches Geschenk.

Info Vom Pferdezuchtverein Schwäbischer Wald erhielt Patrick Ehle die Einladung, zum Auftakt des Gaildorfer Pferdemarkts am Freitag, 7. Februar, ein Referat zu halten. Natürlich über Pferde und Hufe. Sein Titel: "No hoof, no horse!"

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