In der Küche mit Goethe: Helmut Flohr kann besser babbeln als kochen

Kommt es mal vor, dass Helmut Flohr am Herd steht, dann eigentlich nur, um ein Ei zu braten. Also helfen ihm seine Frau und das Kochbuch. Und so wird das, was der Frankfurter zubereitet, doch kein "Kokolores".

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"Ich habe mit ganz Frankfurt telefoniert, um zu fragen, was ich kochen könnte", erzählt Helmut Flohr. Alle hätten ihm zu der berühmten grünen Soße geraten. Aber die sollte es nicht sein, zu schwer sei es zu dieser Zeit, an die frischen Kräuter zu kommen. Also wälzte er das Kochbuch "Ein kulinarisches Rendezvous mit Deutschland" und wurde darin fündig: Gefüllte Zwiebeln sollen es sein.

Und eine Portion Geschichte gibt es gleich noch dazu: Das Rezept stammt aus dem Kochbuch der Frau Rat Sophie Schlosser, einer Zeitgenossin Goethes, die mit der Familie des Dichters freundschaftlich verbunden war. Goethe habe, wie es in dem Kochbuch heißt, wohl gelegentlich etwas Schlechtes geschrieben, aber nie etwas Schlechtes gegessen.

Dreimal pro Woche Essen im Restaurant

"Wir Frankfurter haben keine Esskultur wie die Franzosen oder die Schwaben", sagt Flohr, der seit 2003 in Bühlertann lebt. "Aber wir gehen gerne essen." Dreimal in der Woche gehe man in der hessischen Hauptstadt ins Restaurant - wenn man Banker sei. Und das war Flohr. Er lebte und arbeitete bis 1995 in einem Ort zwischen Frankfurt und Mainz. Aber seine Frau Helga, die gebürtig vom Schwarzwald ist, hatte viele Jahre in Gaildorf gelebt und wollte dort gerne wieder hin. Ihrem Mann war es recht. Mitte der Neunziger kauften die Flohrs ein Haus in Bühlertann. Acht Jahre lang pendelten sie jedes Wochenende zwischen Hessen und Hohenlohe hin und her.

Während der Mund nicht still steht, versucht sich Flohr am Kochen. Er rührt fröhlich in der Hackfleischmasse und füllt sie großzügig in die ausgehöhlten Zwiebeln. Wie ein Junge, der zum ersten Mal in der Küche mithelfen darf. "Nicht so viel Masse", belehrt ihn seine Frau. Der Kochlehrling setzt die fertig gefüllten Zwiebeln in den Topf, er gibt das restliche Hackfleisch dazu und drückt das Tomatenmark aus der Tube. "Halt, stopp, das reicht!", wird er von seiner "Assistentin" gebremst.

"Ich bin ein französischer Koch - so schön langsam", lobt er sich. "Du sollst voran machen, hier wird gekocht, kein Fasching gemacht", schimpft die Herrin der Küche in belustigtem Ton. Helmut Flohr setzte gerade an, Anekdoten aus seinem Leben als Büttenredner beim Bühlertanner Fasching zu erzählen. Von Kindesbeinen an steht er im Fasching auf der Bühne. Beim Umzug von der Fastnachtshochburg Mainz ins Ländle war Voraussetzung, dass es nur in einen Ort geht, in dem Fastnacht gefeiert wird. Aber, sagt Flohr, er komme ja nicht zum Erzählen, denn schon müssen die Kartoffeln durch die Spätzlepresse gedrückt werden. "Gut gemacht, was?" freut er sich. Mit dem Handrührer vermengt er Kartoffeln und Milch. "Solle mer"s spritze lasse?"

Die Küche ist ein Schlachtfeld

Das Essen ist fertig. Die Küche sieht aus wie nach einer Schlacht. Es sei "unglaublich, wie viel Geschirr mein Mann beim Kochen benutzt", sagt Helga Flohr. Der 65-Jährige verschwindet kurz und kommt mit einer gekühlten Flasche Riesling zurück. Er beginnt zu erzählen von einem befreundeten Winzer. Aus Rheinhessen kämen die besten Rieslinge, "da kenne ich mich aus."

Der Tisch wird gedeckt mit "feinstem Tafelgeschirr", wie Flohr mit ehrfürchtig hochgezogenen Augenbrauen sagt. Jetzt bloß nicht über den Mops Bruno stolpern, der immer mitten im Weg steht. "Das ist der berühmteste Hund Deutschlands", setzt Flohr zu einem neuen Vortrag an. "Jetzt iss erstmal", denkt man sich. "Mir Frankfurter", sagt Flohr, "babbele zu viel."

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