In der Geschichte Mainhardts stößt Heike Krause immer wieder auf Skurrilitäten

Als Mainhardt hohenlohisch war: Archivarin Heike Krause schreibt an der Fortsetzung eines lokalen Bestsellers und zwar an der Geschichte Mainhardts von 1806 bis zur Nachkriegszeit.

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Archivarbeit kann auch viel Spaß machen: Bürgermeister Damian Komor und Dr. Heike Krause im Mainhardter Archiv.  Foto: 

Auf dem Archivtisch im alten Schulhaus liegen vergilbte, schwer leserliche Dokumente. "Über 700 Flüchtlinge hat die kleine Gemeinde nach 1945 aufgenommen", staunt die Mainhardter Archivarin Dr. Heike Krause beim Lesen und zieht Parallelen zur heutigen Zeit. Über die Gegenwart will Krause aber nicht schreiben, dafür fehle ihr die wissenschaftliche Distanz.

Krause ist derzeit bei der Recherche zu den letzten Kapiteln des zweiten Bandes der Mainhardter Geschichte von 1806 bis 1950. Während die Historikerin für den 2013 erschienenen ersten Band "Als Mainhardt hohenlohisch war" mehr Zeit im Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein verbrachte, konnte sie diesmal viele Dokumente direkt im kleinen Mainhardter Archiv einsehen.

Bei ihren Arbeiten sind Krause die Quellenangaben wichtig. "Sonst entstehen Legenden, aber ich bin der Wirklichkeit verpflichtet", betont die 55-jährige Wissenschaftlerin. Aus dem Grund habe sie auch auf Zeitzeugenbefragungen verzichtet, denn Erinnerungen seien Jahrzehnte später oft ungenau oder verfälscht. Dazu sei die Aktenlage der Gemeinderatsprotokolle hervorragend. So wie die Historikerin erzählt, spürt man ihre Begeisterung am Beruf.

Auch den Folgeband des Geschichtsbuchs habe sie an wahren Begebenheiten aufgezogen, damit er nicht so trocken zu lesen sei. "Da ist schon mal ein Skandal dabei", macht Krause augenzwinkernd neugierig. Besonders bewegend fand Heike Krause den Zufallsfund eines bislang nicht öffentlich bekannten Euthanasie-Opfers, das in Grafeneck vergast worden ist. Erst habe sie eine neutral gehaltene Todesanzeige gefunden. Dann sei sie auf einen Brief aufmerksam geworden, in dem weggefallene Fürsorgekosten des Verstorbenen für einen Erntezeit-Kindergarten verwendet werden sollen. "Das war ein Fund wie der einer Nadel im Heuhaufen", meint die Archivarin dankbar. Sie erzählt weiter. Etwa 100 Jahre früher, in den 1840er Jahren, sei im ohnehin armen Mainhardter Wald große Not gewesen. Dabei gelangten einzelne Ortschaften sogar unter Staatsaufsicht, um die Armen und ihre Kinder vom Betteln oder von kriminellen Machenschaften abzuhalten.

Man habe zur Unterstützung dieser nicht nur die erste Sparkasse - für günstige Kredite - , sondern sogar eine "Vieh-Verleih-Kasse" gegründet. "Man bekam eine trächtige Kuh. Das Kalb durfte man dann behalten und die Kuh zudem bis sie trocken stand melken", erklärt Krause das Prinzip der praktischen Hilfe. Ob Stationsgefängnis, medizinische Versorgung, die Kirchen, die Kriege oder die Entwicklung zum Luftkurort: Die Geschichte Mainhardts böte auch nach den "Räubern" viele interessante Aspekte, verrät Heike Krause schmunzelnd.

"Als Mainhardt hohenlohisch war" sei "ein Bestseller" gewesen, so Bürgermeister Damian Komor. Besonders schön sei für ihn, dass sich die Mainhardter selbst so für ihre Geschichte interessieren. Das könne man an den Absatzzahlen des ersten Buches oder an den gut besuchten historischen Vorträgen erkennen. Im November wird der Folgeband mit einer Auflage von 400 Stück erscheinen.

"Ich bin fast fertig", fasst Krause ihre planmäßigen Fortschritte zur Geschichte Mainhardts zusammen. Das Buch werde "viel mehr Bilder zeigen, denn das ist das, was die Leute interessiert", erzählt sie. Deshalb müsse sie wohl Kapitel rausnehmen, das Buch würde sonst zu umfangreich. "Vielleicht gibt es ja dann noch abschließend einen Sammelband mit kuriosen Geschichten", überlegt sie.

In zweiter Auflage

Vergriffen Die erste Auflage von 300 Büchern "Als Mainhardt hohenlohisch war" war innerhalb eines Monats ausverkauft. Deswegen erschien eine zweite Auflage mit 200 Büchern. Vom Nachfolgeband für die Zeit ab 1806 werden gleich 400 Bücher gedruckt, es erscheint Mitte November. Co-Autor bei den Kapiteln Post und Modernisierung ist Daniel Stihler vom Schwäbisch Haller Stadtarchiv.

MAY

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