In Brettheim wächst der "Kiachli"-Berg

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Die "Kiachli"-Produktion ist Frauensache: 1300 Exemplare dieser Köstlichkeit werden im Brettheimer "Haus der Musik und Begegnung" produziert. Foto: Harald Zigan

Normalerweise sind es wohltemperierte Klänge, die aus dem "Haus der Musik und Begegnung" in Brettheim zu hören sind: Hier musizieren die örtlichen Vereine, auch Chöre und Musiker aus dem ganzen Land feilen hier gerne an Stimmkraft und Repertoire.

An zwei Tagen im Jahr aber umwehen wohlriechende Düfte den Musen-Tempel, der auch als Gemeindehaus dient. Die unwiderstehliche Geschmacksrichtung "süßlich und schmalzgebacken" lockt offenbar ganze Heerscharen in die Landwehr-Metropole: Viele Bürger geben sich die Klinke in die Hand - und stehen dann im Saal der Begegnungsstätte am Ziel ihrer Wünsche.

Hier türmen sich nämlich wahre Berge mit einer käuflichen Köstlichkeit, die im hiesigen hohenlohischen Dialekt schlicht als "Kiachla" bezeichnet wird: Rund wie ein Teller, eine hauchdünne, mondgelbe Schicht in der Mitte und am Rand ein goldbrauner Wulst.

Es soll Menschen (und vor allem Männer) geben, die meilenweit für diese saisonale, nur in der Faschingszeit hergestellte Spezialität laufen. Aber mal wieder typisch: In der Küche des Brettheimer Gemeindehauses steht kein einziges Mannsbild. 20 Frauen aus der evangelischen Kirchengemeinde sind es, die in zwei Tagen (und Nächten) sage und schreibe 1300 "Kiachli" produzieren - nach einem Rezept von Hanna-Lisbeth Rößle aus Dentlein am Forst.

Sie verfügt über freundschaftliche Kontakte nach Brettheim und importierte vor 23 Jahren die Feinheiten der mittelfränkischen "Kiachli" nach Hohenlohe, wo dieses Gebäck noch kaum bekannt war. Der Erlös aus der jährlichen Backaktion wird für kirchliche Zwecke verwendet - heuer für die Renovierung des Gotteshauses. Wer zu spät kommt, hat übrigens beim Brettheimer Viehmarkt am 13. März noch eine zweite, letzte Genuss-Chance.

Die genaue Rezeptur will die Back-Spezialistin partout nicht verraten - nur so viel: "Wir verschaffen insgesamt einen Zentner Mehl, 200 Eier und zwei Flaschen Kognak für das Aroma." Ihr Wissen gibt die Mittelfränkin höchstens an Brettheimer Frauen weiter: "In diesem Jahr waren drei Lehrlinge dabei."

Der Rest ist zeitaufwendige Handarbeit: Nach der Ruhephase werden die Teiglinge auf einem hölzernen "Pilz" in Form gebracht - das geht weitaus schneller als die klassische Methode, bei der die "Kiachli" über dem Knie ausgezogen werden. Gänsebräter leisten gute Dienste, wenn die Köstlichkeit in gut 180 Grad heißes Butterschmalz eintaucht und dann seiner perfekten Vollendung entgegenbrutzelt.

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