Im Kocherfeld kehrt Ruhe ein

Ein "Runder Tisch" hat die Gemüter beruhigt: Die Firma kocher-plastik und die Anwohner im Laufener Kocherfeld sind kompromissbereit. Ergebnis: Der Bebauungsplan ist durch, kocher-plastik kann bauen.

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Interessiert verfolgten rund 20 Anwohner die Gemeinderatssitzung am Montag, spendeten zum Schluss sogar höflichen Applaus. Mit dem am "Runden Tisch" ausgehandelten Kompromiss können sie leben. 19 Seiten umfasste der Abwägungsvorschlag, den Planer Plieninger vom Büro Koch + Käser zu den 12 eingegangenen Stellungnahmen erarbeitet hatte. Einstimmig schloss sich der Gemeinderat nach kurzer Diskussion den Vorschlägen an, einstimmig wurde auch der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan gefasst. Ausdrücklich lobten die Räte den offenen und kompromissbereiten Umgang beider Parteien.

Vorausgegangen waren etliche Gespräche und Briefe der Anwohner an Bürgermeister und Gemeinderat. Die besorgten Bürger hatten noch einmal bei der Auslegung des Bebauungsplans deutlich gemacht, dass sie mehr Lärm und mehr Verkehr in der Ernst-Hölzle-Straße sowie Beeinträchtigungen für den Hochwasserschutz befürchten. Zudem erschien ihnen das geplante Hochregallager mit 20 Metern als viel zu wuchtig. Kocher-plastik hat das Gelände vom Holzwerk Wahl erworben und möchte dort bestehende Betriebsgebäude abreißen und ein Hochregallager sowie ein Bürogebäude errichten, um Betriebsabläufe zu optimieren.

Die geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung lehnen Planer und Gemeinderat ab. Da das Gelände bereits als Industriefläche genutzt wird und innerorts liegt, sei das auch zulässig.

In Sachen Hochwasserschutz machte Plieninger deutlich, dass die eingezeichneten Hochwasserlinien auf Berechnungen des Landes beruhen, die vom Ist-Zustand ausgehen. Durch den Abriss des Gebäudes längs des Kochers werde sich die Situation eher verbessern, weil das Wasser sich nicht mehr an diesem "Pfropf" stauen könne. Die alte Hochwassermarke beinhaltet ein Bauverbot in Richtung Kocher, stammt aus den 80er Jahren und ist längst überholt. Zudem werde nicht mehr gebaut, denn für neue Gebäude müssten jeweils nur alte abgerissen werden. Außerdem müsse bei jedem Bauantrag der Hochwasserschutz geprüft werden.

Einen der Hauptkritikpunkte der Anwohner hat die Firma kocher-plastik beim "Runden Tisch" ausgeräumt: Das Hochregallager wird drei Meter flacher als geplant. Mit 17 Metern Höhe sei das Vorhaben gerade noch machbar, so die Firma. Zudem wurde zugesagt, das Gebäude gestalterisch besser in die Landschaft einzubinden.

Für Unverständnis haben die eingetragenen Höchstwerte für Lärm gesorgt. Hier beruhigte Planer Plieninger die Bürger: Der Gutachter habe die Lärmkontingente so festgelegt, dass bei den Anwohnern in der Nachbarschaft die gesetzlich vorgegebenen Werte auf jeden Fall eingehalten werden. Ob und wie sie sich bei einem eventuell geplanten Abriss eines benachbarten Hauses verändern, konnte Bürgermeister Markus Bock nicht sagen. Davon wisse er derzeit nichts. Auch beim letzten großen Kritikpunkt der Anwohner sind sich Bürger und Betrieb einig geworden: kocher-plastik legt An- und Abfahrt zum Hochregallager so, dass die Zulieferer automatisch wieder auf die Straße Im Kocherfeld gelangen.

Das Umweltzentrum begrüßt grundsätzlich das Vorhaben, weil dadurch Industriebrachen innerorts recycelt werden. Nicht durchsetzen konnte sich Martin Zorzi vom Umweltzentrum mit seiner Forderung, auf die Parkplätze am Kocher zu verzichten und stattdessen zwischen Kocherfeld und Ernst-Hölzle-Straße ein Parkhaus zu bauen. Das, so Planer und Schultes, beeinträchtige die Anwohner viel mehr. Auch eine rechtskräftige Ausweisung einer neuen Trasse lehnt die Gemeinde ab.

Bürgermeister Bock: "Ob wir eine neue Trasse überhaupt brauchen, wird sich später zeigen." Dann sei ohnehin ein neues Bebauungsplanverfahren nötig.

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