Humor ist keine Frage des Alters

Zwei ungewöhnliche und sehr farbenfrohe Besucher sind im Haus Sonnengarten in Hessental unterwegs: Scilla in Knickerbocker-Hosen und Ballonmütze, Praline mit Spitzenschürze und Ringelpulli.

|

Und beide mit roter Nase - ihrem Erkennungszeichen als Altenhilfe-Clowns. Das etwas skurrile und schusselige Paar bezaubert die Bewohner mit viel Humor. Die Clowns wissen, wie sie die Herzen erobern. Charmant, ein bisschen zerstreut und immer gut gelaunt, besuchen sie regelmäßig die Senioren in der Diak-Altenhilfe.

Heute haben sie Koch- und Backutensilien mitgebracht. "In einer kleinen Konditorei, da saßen wir zwei bei ,Kochen und Tee", singen sie und zaubern damit ein Lächeln auf die Gesichter. "So einen Henkelmann hatten Sie früher bestimmt auch?", fragt Scilla eine Bewohnerin. "Freilich", nickt Paula Graf und ist neugierig, was sich wohl darin befindet. Praline greift hinein - und holt eine Praline heraus. Darüber kann Scilla trefflich witzeln, die Bewohner am Tisch lachen mit. Man kennt sich, denn bereits seit mehr als drei Jahren kommt das Clowns-Paar alle drei Wochen zu Besuch in die Diak-Altenhilfe.

Was so locker und leicht wirkt, will gut vorbereitet und durchdacht sein. Gabriele Scherrer alias Scilla hat bereits mehrjährige Erfahrung als Klinik-Clown im Diakonie-Klinikum, Ursula Groh alias Praline ist Puppenspielerin und Märchenerzählerin.

Ein Jahr lang haben sie sich in der Tübinger Clownsschule "Clowns im Dienst" für die Arbeit mit alten Menschen ausbilden lassen. "Es ist uns wichtig, dass Qualität angeboten wird, dafür sind fachliche Hintergründe nötig", sagt Hausleitung Margarete Greiner. Pflegedienstleiterin Andrea Fatzaun lobt die Arbeit der Clowns: "Es ist immer schön, wenn sie da sind. Die Atmosphäre ist entspannt, die Bewohner sind guter Dinge." Der Besuch der Clowns ist eingebunden in die Konzeption "Humor in der Pflege", das Personal ist einbezogen. Ein Lächeln oder Lachen entspannt, befreit und hat eine positive Wirkung.

Humor hat viele Gesichter. Es gibt die kleinen Situationen, die zu spontanen Assoziationen und neckischen Äußerungen hinreißen, es gibt gute Witze, farbige Jongliertücher und jede Menge anderer Kleinigkeiten, die ein Schmunzeln bereiten können. Vor allem bei älteren Menschen und Demenzkranken ist Einfühlungsvermögen gefragt.

Der Schlüssel liegt im Respekt vor dem anderen Menschen als Voraussetzung von Humor. Miteinander lachen, nicht übereinander, ist die Devise. Gabriele Scherrer und Ursula Groh spüren die Kraft des Humors. Sie machen nicht nur in den Wohnräumen bei den mobilen Senioren ihre Späße, sondern sie besuchen auch die pflegebedürftigen Bewohner im Zimmer. Dort geht es etwas behutsamer zu. "Wir achten darauf, welche Signale unser Gegenüber aussendet", erzählt Gabriele Scherrer.

Manchmal ist es viel Traurigkeit. Aber Ursula Groh hat die Erfahrung gemacht: "Wenn man die Leute ein wenig kennt, weiß man schon, wie man sie erfreuen kann."

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Dauerbaustelle Kirche

Kirchen: Reformation ist immer. Deshalb sollen die Luther'schen These fortgeschrieben werden, und zwar an einem Bauzaun vor der Johanneskirche. weiter lesen