Hugo Sachs sorgte für bessere Lebensverhältnisse in Crailsheim

Elf Jahre war Hugo Sachs Stadtschultheiß von Crailsheim - gar nicht so lang, dafür folgenreich: Wichtige Modernisierungen fallen in die Amtszeit von Sachs, der stets im Schatten des berühmten Onkels stand.

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Crailsheim - Bei der 100-Jahr-Feier der Zugehörigkeit Crailsheims zu Württemberg im Jahr 1910 hatte Hugo Sachs einen seiner letzten großen Auftritte als Stadtoberhaupt. Er starb kurz nach dem Großereignis am 14. Dezember überraschend im Alter von 40 Jahren und hinterließ seine junge Frau Berta Vayhinger, eine Crailsheimer Bürgerstochter, und vier Kinder.

Begonnen hatte seine Amtszeit im Jahr 1899, als Hugo Sachs das Bürgermeisteramt, das damals noch den Titel Stadtschultheißenamt trug, von seinem Onkel Leonhard Sachs übernahm. Bereits 1930 wurde eine Straße in der Innenstadt, die von der Ludwigstraße abzweigt und den Ehrenfriedhof in westlicher Richtung flankiert, nach Hugo Sachs benannt.

Hugo Sachs wurde in Stuttgart geboren. Er absolvierte eine Ausbildung im Notariats- und Verwaltungsdienst und kam 1892 zunächst als Stadtschultheißenamtsassistent nach Crailsheim. Vier Jahre später wurde er Ratsschreiber, bevor er am 28. August 1899 zum Bürgermeister gewählt wurde.

In seine Amtszeit fallen wichtige Modernisierungen, die zum Teil bereits von seinem Onkel und Amtsvorgänger eingeleitet worden waren. Dazu gehören der Ausbau der Wasserleitungen, der Schlachthausbau, sowie die Anlegung eines neuen Friedhofs.

Allein um den Hauptfriedhof, der fünf kleinere Friedhöfe in der Innenstadt ersetzte und erstmals Angehörige unterschiedlicher Konfessionen auf einem Gottesacker vereinigte, war in Crailsheim fast 30 Jahre lang kommunalpolitisch gerungen worden. "Zu dieser Zeit fehlte es in der Stadt an allem: Wohnungen für die Lebenden und Ruhestätten für die Toten mussten geschaffen werden - und zwar reichlich", berichtete Andreas Manier vom Crailsheimer Historischen Verein anlässlich einer Führung über den Hauptfriedhof, mit dessen Geschichte er sich seit vielen Jahren beschäftigt.

Und in der Tat kümmerte sich Hugo Sachs um diese und viele weitere Aufgaben: Die Gasfabrik wurde erweitert, eine Wanderarbeits- und Obdachlosenstätte eingerichtet, die Kehrichtabfuhr und die pneumatische Abortentleerung eingeführt. Crailsheim wurde modern.

Einen Stadtschultheiß als Oberhaupt gibt es erst seit württembergischer Zeit, also seit 1810. Nach Einführung der Deutschen Gemeindeordnung im Jahr 1935 wurde die Amtsbezeichnung in Bürgermeister geändert. Seit 1972, als Crailsheim Große Kreisstadt wurde, trägt das Stadtoberhaupt die Bezeichnung Oberbürgermeister.

Die Bezeichnung Bürgermeister taucht jedoch schon früher auf, allerdings für ein anderes Amt: Ursprünglich stand in Crailsheim ein Vogt an der Spitze der Stadt, der die hohe Gerichtsbarkeit ausübte. Für die niedere Gerichtsbarkeit, also weniger schwerwiegende Delikte, die mit Geldbußen oder Leibstrafen abgegolten wurden, waren der Rat, die beiden Bürgermeister und zwölf Richter zuständig.

Info In der nächsten Woche folgt die Geschichte der Leonhard-Sachs-Straße in Crailsheim.

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