Hubschrauberabsturz: Bundesstelle legt Bericht vor

Schlechte Sicht und zu niedrige Flughöhe: Das waren die Gründe für den Hubschrauberabsturz am 10. Januar auf der A6. Der Pilot starb. Das Regierungspräsidium prüft nun vorangegangene Flüge ohne Lizenz.

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  • Das Wrack des Hubschraubers am 10. Januar auf der Autobahn 6 - zwischen Kochertalbrücke und Anschlussstelle Hall. Foto: Thumilan Selvakumaran 1/5
    Das Wrack des Hubschraubers am 10. Januar auf der Autobahn 6 - zwischen Kochertalbrücke und Anschlussstelle Hall. Foto: Thumilan Selvakumaran
  • Hubschrauberabsturz bei Schwäbisch Hall, Autobahn A6 bei der Kochertalbrücke. 2/5
    Hubschrauberabsturz bei Schwäbisch Hall, Autobahn A6 bei der Kochertalbrücke. Foto: 
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  • Der Hubschrauber war auf die Autobahn 6 gestürzt und in Flammen aufgegangen. 4/5
    Der Hubschrauber war auf die Autobahn 6 gestürzt und in Flammen aufgegangen. Foto: 
  • Den Angaben zufolge fiel der Helikopter auf der vielbefahrenen Transitstrecke zwischen der Anschlussstelle Schwäbisch Hall und kurz vor der Kochertalbrücke auf die Fahrbahn. 5/5
    Den Angaben zufolge fiel der Helikopter auf der vielbefahrenen Transitstrecke zwischen der Anschlussstelle Schwäbisch Hall und kurz vor der Kochertalbrücke auf die Fahrbahn. Foto: 
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Neblig, dämmrig, kalt - richtiges Sauwetter: So beschreiben Zeugen das Wetter am 10. Januar. "Oben in der Luft sieht dann alles gleich aus, keine Chance, etwas zu erkennen", berichtet Axel Rokohl von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung. Seit gestern liegt sein abschließender Bericht über den Absturz des knapp 700 Kilo schweren Hubschraubers Robinson R44 Astro, Baujahr 1994, vor.

Die Maschine war nach Passieren der Kochertalbrücke um 16.38 Uhr in eine 24 Meter hoch hängende Stromleitung gekracht. Dabei hat sich der Hubschrauber um die Hochachse gedreht. Funken sprühten, brennend stürzte die R44 entgegen der Fahrtrichtung auf die A6. Teile kollidierten mit einem Lkw und einem Auto - trotz Feierabendverkehrs auf der dicht befahrenen Strecke wurde kein anderer verletzt.

Der 42-jährige Pilot aus Bretzfeld hatte keine Überlebenschance, heißt es im Unfallbericht. Laut Obduktionsergebnis starb er an der Brandeinwirkung in Verbindung mit einem schweren Brusttrauma. Rettungskräfte konnten aufgrund der enormen Hitze nicht sofort eingreifen. Die Wrackteile lagen verteilt auf einer Strecke von 140 Metern - vom Strommasten in Richtung Autobahnanschlussstelle Hall.

Bedingungen waren kritisch

Laut Bericht des Deutschen Wetterdienstes lag "tiefe Stratusbewölkung" vor, vereinzelt fiel Sprühregen. Die Vorhersage der General Aviation Forecast für die allgemeine Luftfahrt meldete Wolkenuntergrenzen unterhalb von 150 Metern - für Sichtflug, wie in diesem Fall, waren die Bedingungen "kritisch". Ohne Sicht hätte der Pilot per Funk Lotsen um Hilfe bitten oder notlanden müssen, so lautet die Vorschrift.

Das versuchte der 42-Jährige offenbar nicht. Flugstrecke und Zeiten konnten genau ermittelt werden, da der Bretzfelder ein tragbares Navigationsgerät nutzte, welches funktionsfähig aus dem Wrack geborgen wurde.

Der Pilot holte die Maschine für seinen Bekannten von der Jahresinspektion vom Flughafen Augsburg, wo er um 15.42 Uhr startete. Er flog zunächst direkte Luftlinie in Richtung Bretzfeld. Die Flughöhe mit 90 Metern lag deutlich unter den vorgeschriebenen 600 Metern für Überlandflüge, und selbst unterhalb der Sicherheitsflughöhe von 150 Metern.

Bei Neresheim, zwischen Heidenheim und Nördlingen, war die Sicht offenbar so schlecht, dass der Pilot von seinem geraden, nordwestlichen Kurs abdreht und nach Nordosten flog. Von dort an orientierte er sich erst an der Bundesstraße, dann an der A7 und ab dem Autobahnkreuz Feuchtwangen an der A6. Er sank immer weiter, flog mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 185 Stundenkilometern, bevor es zum Unglück kam.

Den Behörden ist nun aufgefallen, dass über einen langen Zeitraum unerlaubte Touren mit der Maschine geflogen wurden. Der Bretzfelder Halter bot zahlreiche Rundflüge an, warb mit diesen mehrfach in der Presse. Die nächste Aktion war für eine Hochzeitsmesse drei Tage nach dem Unglück geplant.

Dem verunglückten 42-Jährigen, der diese Touren flog, fehlte die erforderliche Lizenz für Berufspiloten - er hatte eine für Privatpiloten. Die Maschine war zudem nicht für gewerbliche Flüge zugelassen. Der Halter hatte für die Veranstaltungen lediglich Außenstart- und Landeerlaubnisse beantragt. Das Regierungspräsidium prüft den Fall.

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