Hubertusmühle macht dicht, Brettachhöhe bleibt erhalten

Soziales: Bei den Weckelweiler Gemeinschaften sind deutliche Veränderungen im Gang. Sie sind teils durch neue Vorschriften, teils betriebswirtschaftlich bedingt.

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    Das Sägewerk in Weckelweiler wird im April geschlossen – zum großen Bedauern mancher Waldbesitzer in der Umgebung. Foto: 
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    Kirche der Weckelweiler Gemeinschaften Foto: 
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Konsolidierung und Konzentration sind die Stichworte, die in dem Kirchberger Teilort Weckelweiler in den nächsten Jahren eine große Rolle spielen werden. Dort haben die anthroposophisch orientierten Sozialtherapeutischen Gemeinschaften ihren Sitz, eine der größten Einrichtungen für behinderte Menschen in der Region. Der eingetragene Verein ist Arbeitgeber von rund 230 Beschäftigten. Sie betreuen 315 behinderte Menschen in 22 Wohngruppen, davon 225 stationär und 90 ambulant. 450 Menschen mit Behinderungen arbeiten in den 33 Werkstätten.

„Stetig gewachsen“

„Wir sind in den vergangenen Jahrzehnten stetig gewachsen“, sagt Adalbert Wruck, der Vorstandssprecher der Weckelweiler Gemeinschaften, im Gespräch mit dem HT. Dies habe zu einer sehr kleingliedrigen Struktur bei den Betriebsstätten geführt. Dies soll nun korrigiert werden. Zum Beispiel werden aus zwei Kerzenwerkstätten eine, die Industriemontage, die auf vier Standorte verteilt ist und jährlich 45 000 Euro Speditionskosten verursacht, wird in Weckelweiler zusammengeführt. Dafür werden dort im April die Zimmerei und das Sägewerk aufgegeben.

Auslöser für diese Umstrukturierung sind neue gesetzliche Regelungen. Sie bewirken unter anderem eine stärkere Regionalisierung der Heimunterbringung, die von den Sozialämtern finanziert wird. In Zukunft könnte es schwieriger werden, Bewohner aus anderen Bundesländern aufzunehmen.

Dazu kommt, dass Doppelzimmer in der Pflege nach einer Übergangszeit nicht mehr zulässig sind, sodass viele Wohngruppen umgebaut werden müssen. Der Umbau zweier Wohnhäuser wird in diesem Monat abgeschlossen, weitere Häuser werden folgen.

Und noch eine Neuregelung hat Folgen für Weckelweiler: In den Wohngruppen muss künftig mindestens ein qualifizierter Betreuer Nachtwache halten, ein zweiter muss unterdessen in Rufbereitschaft erreichbar sein. Qualifiziertes Personal ist auf dem Arbeitsmarkt aber nur schwer zu finden.

Dies hatte Folgen für rund ein Dutzend Kunsttherapeuten, denen die Weckelweiler Gemeinschaften zum 31. März gekündigt haben. Gleichzeitig wurden ihnen neue Arbeitsplätze vor allem in der stationären Betreuung angeboten – bei gleicher Bezahlung, wie Adalbert Wruck betont. Wie viele Kunsttherapeuten als Betreuer in die Wohngruppen wechseln werden, ist noch nicht klar.

Im Frühjahr 2015 haben die Gemeinschaften beschlossen, die Hubertusmühle zu schließen, eine Wohngruppe mit 18 Bewohnern im Brettachtal unterhalb von Amlishagen. „Der Hubertushof lässt sich nicht sinnvoll umbauen“, meint Adalbert Wruck, „er ist nicht gemeindenah und verursacht viele Fahrtkosten.“ Nachdem bereits im November die Bewohner ausgezogen sind, werden in diesem und im nächsten Monat die Werkstätten verlegt. Die Lederwerkstatt kommt dabei in den Forellenhof in Bügenstegen, ebenso eine Alpaka- und Lamaherde, die für tiergestützte Therapie verwendet wird.

Brettachöhe bleibt erhalten

Erhalten bleibt dagegen die Brettachhöhe bei Elpershofen, auf der derzeit 59 Bewohner leben. Allerdings werden dort Wohngruppen und Werkstätten zusammengelegt. Die Woll- und die Kerzenwerkstatt werden abgezogen, Weberei, Filzwerkstatt und Hausmeisterei bleiben. Über die künftige Zahl der Bewohner gibt es noch keine Angaben.

Während es bei der Versorgung von Bewohnern und Mitarbeitern mit Essen dabei bleibt, dass teils in Großküchen, teils in den Wohngruppen gekocht wird, gibt es bei der Wäsche Veränderungen. Wegen neuer Hygienevorschriften darf in der zentralen Wäscherei in Weckelweiler keine Heimwäsche mehr gewaschen werden. Die komplette Wäsche – auch die aus den Wohngruppen – wird deshalb jetzt in Ulm gewaschen. Dabei soll es jedoch nicht bleiben. „Wir werden unsere Wäscherei so umbauen, dass wir nicht nur unsere eigene Wäsche wieder waschen können, sondern auch die von anderen Einrichtungen“, sagt Adalbert Wruck.

Der 55-jährige Vorstandssprecher betont im HT-Gespräch, sein Verein sei in der Lage, die erheblichen Investitionen zu bewältigen, die in den nächsten Jahren anstehen. „Unsere Kapitalausstattung ist gut, unsere Liquidität auch“, betont der Diplom-Kaufmann und Diplom-Eurythmist.

Die Geschichte der Sozialtherapeutischen Gemeinschaften Weckelweiler reicht zurück bis zum 1. April 1959, als der Diplom-Landwirt Dr. Wolfgang Feuerstack und seine Frau Marion mit der Arbeit in einer Wohngruppe mit zehn Jugendlichen begannen. Sie stützten sich dabei auf die „Jugendhilfe Land“, die der Gründer der Bauernschule Hohenlohe, Fritz Strempfer, 1951 ins Leben gerufen hatte. erz

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