Hospizarbeit als Lebenswerk Wolfhard Rudat zieht sich etwas zurück

Diakon Wolfhard Rudat, Mitbegründer und langjähriges Vorstandsmitglied des Hospizvereins Blaufelden, tritt zur Neuwahl nicht mehr an. Die Mitarbeitergruppe in Kirchberg leitet er aber weiter.

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  • Er schaut hin, wo andere wegschauen. Wolfhard Rudat aus Kirchberg hat die Hospizbewegung in Hohenlohe etabliert. Foto: Christine Hofmann 1/2
    Er schaut hin, wo andere wegschauen. Wolfhard Rudat aus Kirchberg hat die Hospizbewegung in Hohenlohe etabliert. Foto: Christine Hofmann
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Das Zitat "Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben" von Cicely Saunders, der Begründerin der modernen Hospizbewegung, ist für Wolfhard Rudat mehr als ein schöner Satz. Seit mehr als 20 Jahren begleitet er Menschen am Abend ihres Lebens - und wenn sie es wünschen auch bis in den Tod. 16 Jahre lang engagierte er sich im Vorstand des Hospizvereins Blaufelden, der auf seine Initiative hin gegründet wurde, heute 100 Mitglieder und 32 ehrenamtliche Mitarbeiter zählt und jährlich rund 50 Sterbende begleitet.

Als Wolfhard Rudat 1992 zur Altenheimseelsorge kam, gab es noch keine Pflegeversicherung. Die Sterbebegleitung war Aufgabe der Mitarbeiter in den Altenheimen. Mit Einführung der Pflegeversicherung änderte sich die Situation - mehr alte Menschen werden seither zu Hause gepflegt. "Jetzt gibt es auch fürs Sterben eine Fallpauschale", berichtet Rudat, "aber anders als bei einer Blinddarmentzündung kann man das Sterben nicht kalkulieren."

In Kirchberg war der Diakon für 200 Bewohner zuständig. "Mir war schnell klar, dass ich sie allein unmöglich im Sterbeprozess begleiten konnte", erzählt der 59-Jährige. So entstand die Idee, Ehrenamtliche für die Hospizarbeit zu suchen. Mitte der 1990er-Jahre gab es einen ersten Informationsabend in Rot am See, an dem 40 Interessierte teilnahmen. 25 davon entschieden sich für ein ehrenamtliches Engagement in der Hospizarbeit, ließen sich zum Sterbebegleiter ausbilden und sind zum Teil heute noch im gemeinnützigen, überkonfessionellen Hospizverein Blaufelden aktiv, der 1997 gegründet wurde. Gründungsmitglied Wolfhard Rudat übte stets das Amt des zweiten Vorsitzenden aus, während die jeweils amtierenden Pfarrer den Vorsitz übernahmen.

"Ich kann mich noch genau an meine erste Begleitung eines Sterbenden erinnern. Das Aushauchen eines Lebens zu erleben, das war sehr beeindruckend", sagt Wolfhard Rudat. Seither habe ihn die Hospizarbeit nicht mehr losgelassen. Der gelernte Friseur von der Schwäbischen Alb, der über die christliche Jugendarbeit zum Glauben fand und sich schließlich zum Diakon ausbilden ließ, machte später noch eine Seelsorgeausbildung und außerdem die Zusatzausbildung Palliative Care. Er ist der einzige Diakon in Baden-Württemberg, der diese fachspezifische Ausbildung besitzt. Seine Motivation ist dabei vor allem von Nächstenliebe geprägt. "Man lässt eine Gebärende nicht alleine, aber Sterbende ließ man jahrelang allein. Dank der Hospizbewegung ist das heute anders", erklärt Rudat.

Bevor Wolfhard Rudat mit seiner Familie nach Kirchberg kam und in der Altenheimseelsorge tätig wurde, war sein Einsatzgebiet die Jugendarbeit. Acht Jahre lang war er Bezirksjugendreferent in Brackenheim, anschließend drei Jahre Sekretär beim "Christlichen Verein Junger Menschen" in Fellbach.

Jugend- und Hospizarbeit - das passt für den Seelsorger gut zusammen. "Beides hat mit Glauben zu tun. Ich finde es spannend, die Jugend zum Glauben einzuladen und sie ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Bei den Alten freut es mich, wenn sie erleben: ,Die Kirche kümmert sich um mich", sagt Wolfhard Rudat und fügt an: " Die Falten in einem Gesicht erzählen so viele Geschichten - das ist wunderschön."

Info Der Verein "Hospiz - Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen" hält heute Abend im katholischen Gemeindehaus in Rot am See seine Mitgliederversammlung ab. Sie beginnt um 19.30 Uhr. Es gibt Vorstandswahlen.

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