Horst Herzig hat an Restaurierung vieler Haller Gebäude mitgewirkt

Bedeutend ist das Handwerk des Steinmetz in früheren Zeiten gewesen. Und ist es noch heute - beim Erhalt der Geschichte und in Personen, die seine Tradition verkörpern wie Horst Herzig aus Rot am See.

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"Um Bauwerke wie etwa die Comburg, die Haller Kirchen oder die Haller Stadtmauern zu errichten, brauchte man Hunderte von Steinmetzen und dazu sicher noch einmal so viele Zuarbeiter, etwa Schmiede. Denn je nach Gestein verschlissen die Steinmetze 30 bis 40 Eisen pro Tag."

Der Steinmetz versteht es, Geschichte lebendig werden zu lassen: "Das waren keine angelernten Taglöhner, sondern spezialisierte Meister und Gesellen ihres Fachs", erzählt er aus der Geschichte seiner Zunft. Oft handelte es sich um Wandergesellen, die eine Saison oder Jahre an einer großen Baustelle blieben, und dann weiter zogen.

"Heute ist die Arbeit durch die Technik etwas einfacher", führt Herzig aus. "Oft bekommen wir schon vorgefertigtes, in Form gesägtes Ausgangsmaterial." Früher mussten die Steine vom Steinbrecher in Handarbeit aus der Felswand geholt, vom Steinhauer in grob gerade Blöcke geschlagen und dann erst vom Steinmetz in die oft kunstvolle Form gebracht werden, aus der dann die Steinsetzer, Mörtler und Maurer Säulen, Fenster und Türbogen, Simse und kunstvoller Ornamente zusammensetzten.

"Stein hat mich schon seit der Kindheit fasziniert", sagt der 74-Jährige. "Als siebenjähriger Bub kam ich mit meiner aus Rot am See gebürtigen Mutter aus Stuttgart nach Hohenlohe. Auf den Hohenloher Feldern findet man faszinierende Steine, Achat-Steine." Auch auf den Ruinen alter Burgen kletterte der junge Horst Herzig gerne herum.

In den Jahren von 1953 bis 1956 kam Horst Herzig im Nachbarort Satteldorf beim Traditionsbetrieb Schön & Hippelein in die Lehre, ließ sich danach an der Steinfachschule in Wunsiedel zum Steintechniker ausbilden: "Da ging es dann mehr um die Theorie, um Geologie, das Verhalten von Gestein beim Bearbeiten und in der Witterung, um das Zeichnen und um Bauaufnahmen, kurz die Dinge, die früher ein Baumeister gemacht hat."

Nach fünf Jahren Gesellenzeit machte er seinen Steinmetzmeister. 1963 eröffnete Horst Herzig seine eigene Firma, übernahm als Ausgangsbasis den Kunststeinbetrieb seines Onkels in Rot am See. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde vor allem aus Gesteinsmehl gegossener beziehungsweise gepresster Kunststein verwendet.

Horst Herzig aber war am Naturstein interessiert und entwickelte seine Firma zu dem fachkompetenten Betrieb in der Region, wenn es um den Erhalt "steingewordener Kultur" geht - erst Recht, nachdem er 1979 den alteingesessenen Betrieb von Otto Kübler in Hall übernommen hatte.

"Hall besteht aus alten Steinen", schwärmt der Steinmetz. Gerne erinnert er sich an die Freilegung des Schiedgrabens, des Hirschgrabens, die Restaurierungsarbeiten an der Johanniterkirche, am Rathaus, die teilweise Erneuerung der großen Freitreppe vor St. Michael und in jüngerer Zeit die Arbeiten an St. Michael, St. Katharina und an der Urbanskirche.

Horst Herzig war auch ehrenamtlich engagiert, 20 Jahre lang als Gemeinderat in Rot am See, zehn Jahre als Vorsitzender des Sportvereins, 20 Jahre beim Bund der Selbstständigen und über 20 Jahre lang als Landesinnungsmeister. 2011 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und nach 50 Jahren den goldenen Meisterbrief.

Seitdem sieht sich Horst Herzig im Ruhestand. "Offiziell war ich das ja, seit ich meinen Betrieb vor acht Jahren an meinen Sohn übergeben habe." Zwei Kinder sowie vier Enkel zählt die Familie. "Und, ach ja, nächstes Jahr feiere ich goldene Hochzeit."

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