Honhardter nehmen sich Vögel zum Vorbild

Die Sonne schien, die Hungersuppe dampfte und fröhliche Menschen füllten Kirche und Dorfplatz: Der Honhardter Hagelfeiertag wurde gestern einmal mehr traditionell und fern aller Sorgen gefeiert.

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Für alle, die dennoch sorgenvollen Gedanken nachhingen, fand Pfarrer Willi Mönikheim in seiner Predigt die passenden Worte. Und zwar unmissverständlich im Hohenloher Dialekt: "Sorcht eich nedd um eier Leewe und nedd um eiern Leib. Schaut auf die Veichel, sie säewe nedd, sie ernde nedd, doch was sie brauche, duad dr Herrgodd ihne geewe."

Anschaulich hielt der Mundartpfarrer aus Bad Mergentheim ein großes, mit Steinen gefülltes Glas in die Höhe. Das symbolisiere die Sorgen und Nöte, die sich jeder Mensch - meist unnötig - in seinem Leben mache. Klar könne man jeden Tag um sein Auskommen bangen, um seinen Arbeitsplatz, seine Gesundheit und seine Kinder.

Man könne jedoch genauso gut nicht auf die Sorgen schauen, die wie Steinbrocken auf der Seele lägen - sondern auf die schönen Dinge im Leben. Zur Verdeutlichung füllte Mönikheim zu den Sorgensteinen noch anderthalb Pfund Weizenkörner ins Glas. Trotz Sorgen gebe es nämlich noch viel Platz im Leben für Dinge, die wertvoll seien. Bei den Gemeindemitgliedern in der voll besetzten Peter-und-Pauls-Kirche kam die Botschaft - vielleicht gerade weil sie in Mundart vorgetragen wurde - gut an. Das Predigtlied "Sorgt nicht, vertraut auf Gott", das Mönikheim selbst getextet hat, sangen jedenfalls alle voller Inbrunst mit.

Nicht nur viel Dialekt - neben der Predigt wurden auch die Schriftlesung, ein Gebet und die Fürbitten in Mundart gehalten - sondern auch viel Musik bestimmte den Erntebittgottesdienst. Zur Orgelbegleitung spielte der Posaunenchor in großer Besetzung, und es sangen die Kirchenchöre aus Gründelhardt und Honhardt.

Nach dem Gottesdienst gingen die Honhardter und zahlreiche Gäste sogleich zum fröhlichen Teil des Feiertages über. Die Hungersuppe und andere Leckereien schmeckten zum Mittagessen, bevor sich ein buntes Nachmittags- und Abendprogramm anschloss - Unterhaltung im kleinen Kreis und vor großem Publikum, musikalische Darbietungen und dazwischen immer wieder Gaumenfreuden. So hatten sich am Ende des Tages Pfarrer Michael Jags Worte bewahrheitet, mit denen er den Gottesdienst beendete und zum Dorffest lud: "Sorgt euch nicht, wir haben genügend zu essen und zu trinken."

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