Holz soll Stahlbeton ausstechen

Windkraftanlagen sind aus Stahlbeton - normalerweise. Doch es geht auch anders: An einem hölzernen Turm sollen sich die Rotoren drehen. Walter Scheu von Holzbau Scheu hält die Realisierung für möglich.

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Martin Bosch beim Zusägen. Er arbeitet bei Holzbau Scheu in Obersontheim-Rappoltshofen. Foto: Hartmut Ruffer

In der Nähe von Hannover steht bereits seit Mitte Dezember 2012 ein Windrad, dessen Turm eine Holzkonstruktion ist. Es ist der erste seiner Art in Deutschland. Vielleicht steht in Zukunft ein solcher Turm auch hier in der Region. Walter Scheu, Geschäftsführer von Holzbau Scheu in Obersontheim-Rappoltshofen, kann sich das gut vorstellen. "Die Wertschöpfung würde in der Region bleiben, da es hier Unternehmen für alle notwendigen Arbeitsschritte gibt." Vielleicht, so Scheus Hoffnung, könnte man damit auch den einen oder anderen Gegner von Windkraftanlagen überzeugen.

Der Holzturm einer Windkraftanlage besteht aus technisch getrockneten Brettsperrholzplatten. Mit einer Holzfeuchte von 12 Prozent sind Schädlings- und Pilzbefall ausgeschlossen, "die Stabilität bleibt aber erhalten", erläutert Scheu. Der Holzturm wird nach einer Art Baukastensystem zusammengesetzt - und bietet so gegenüber einer Stahl-Beton-Konstruktion einen Vorteil, denn diese benötigen für den Turmfuß einen Schwertransport. Würde ein Windrad in einem bewaldeten Gebiet aufgestellt werden, dann "könnte man normale Waldwege benutzen, um die Bretter an den Standort zu fahren", erläutert Scheu. Außerdem sei Holz langlebiger als Stahlbeton, "es kann die entstehenden Kräfte besser aufnehmen."

Das Unternehmen Timbertower, das den Holzturm bei Hannover realisiert hat, hebt zudem die CO2-Bilanz hervor. Der Einsatz eines solchen Turmes würde rund 300 Tonnen Stahlblech einsparen und 400 Tonnen CO2 binden.

Walter Scheu hat Obersontheims Bürgermeister Siegfried Trittner über diese Bauart informiert, schließlich weist auch die Gemeinde Obersontheim Flächen zur Nutzung von Windenergie aus. Trittners erste Reaktion: "Ui, kann das denn überhaupt funktionieren?" Die Argumente waren für ihn stichhaltig, er arrangierte ein gemeinsames Treffen mit der ENBW-Tochter Zeag, einer Gesellschaft zum Bau und Betrieb von regenerativen Erzeugungsanlagen gemeinsam mit regionalen Partnern. Deren Geschäftsführer Harald Endreß zeigte sich Trittner nach "interessiert".

Auch der Ministerpräsident weiß Bescheid. Auf dem Kongress der Weltmarktführer hatte Organisator Walter Döring Winfried Kretschmann angesprochen, der umgehend um weitere Informationen bat. Döring, ehemals Vizevorstand der Windreich AG, hält die Holzturmvariante für "eine Idee, die man weiter verfolgen sollte".

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