Hohenloher erobern Berlin

Der Feinkostladen "ebbes" von Wolfgang Stepper in Schöneberg wurde am Freitag zur "Ständigen Vertretung Hohenlohes" in Berlin ernannt. Eigens zur Feier rollte ein Bus voll mit Hohenlohern an.

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Der Landwirtschaftsminister befestigt die Tafel. Foto: Simon Obenhuber

Die Debatte, die Thierse mit seiner Forderung angeschlagen hat, "Schrippen und Pflaumenkuchen statt Wecken und Pflaumendatschi", sind in den Grenzen der Hohenloher Sprachkultur nur schwer nachzuvollziehen. Was sind denn bitte "Wecken" und "Pflaumendatschi"?

Freitag, 10 Uhr am Vormittag, südliches Schöneberg im Crelle-Kiez. Aus der Ferne winken die zwei schwarzen Leoparden der Hohenloher Flagge. Im Laden kommen Heimatgefühle auf: Langenburger Wibele, Spätzlich, Landjächer und Bichsewurschd. Ein paar Herren im Anzug füllen den kleinen Laden schon fast ganz aus. Mittendrin der designierte Konsul und Ladenbesitzer, Wolfgang Stepper, aus Neuenstein.

Landwirtschaftsminister Alexander Bonde, Landrat Helmut M. Jahn sowie die Bundestagsabgeordneten Harald Ebner und Christian von Stetten stehen gestriegelt in den Startlöchern. Am Rand sitzt Heidi, die Frau des "kulinarischen Kulturvermittlers aus Hohenlohe". Sie erzählt, dass sie als geborene Berlinerin den ganzen Trubel um das Thierse-Interview nicht nachvollziehen kann. Die Zugezogenen seien eine Bereicherung für Berlin und könnten die Einheimischen ganz neu für die Hauptstadt begeistern. Sie selbst findet die Hohenloher Erzeugnisse ihres Mannes klasse, passt aber zum Beispiel bei Kutteln oder Büchsenwurst.

Der offizielle Akt beginnt: Andreas Dürr von der Touristikgemeinschaft Hohenlohe gibt das Signal, der Bus aus Hohenlohe wird gleich eintreffen. Nach einigen offiziellen Worten von Bonde, der "die regionale Botschaft sehr begrüßt", übernimmt Landrat Jahn das Wort. Er erinnert an die vielen Hohenloher, die in Berlin gewirkt haben. Zum Beispiel der Gründer des KaDeWe, der jüdische Kaufmann Abraham Jandorf, der 1870 in Hengstfeld geboren wurde. Derzeit setze man sich sogar für einen Hohenloher Kiez in Spandau ein.

Danach drängt sich die Busmannschaft nach draußen, der Landwirtschaftsminister steigt auf eine Leiter und befestigt eine Tafel an der Fassade. "Ständige Vertretung Hohenlohe" ist dort zu lesen. Dann zieht der Bus schon weiter, zum eigentlichen Ziel: der Grünen Woche.

Eine typisch schlitzöhrige Aktion aus Hohenlohe, die zum Schmunzeln anregt. Und keine Graffitis wie "Schwaben verpisst euch!" nach sich zieht. Wenn der Zustrom an Hohenlohern anhält, ist eine eigene Botschaft in Berlin nicht mehr weit.

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