Hohenlohebahn: Teilelektrifizierung und Stadtbahn "light" sind laut Experten möglich

Verlängerung der Stadtbahn bis zum Gewerbepark Hohenlohe in Waldenburg - oder eine Stadtbahn "light" zwischen Sulzdorf und Cappel? Jetzt ist nach einer Studie klar: Beide Varianten rechnen sich.

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Bis Cappel fährt die Stadtbahn-Linie S4. Ab dort geht es in Richtung Schwäbisch Hall nur mit Regionalexpress und Regionalbahn weiter. Archivfoto: Hohl

Für den Ausbau der Hohenlohebahn heißt das: Die geschätzten Kosten und der erwartete Nutzen stehen in einem positiven Verhältnis. Dies haben unabhängige Verkehrsexperten in zwei getrennten Studien ermittelt.

Die endgültigen Ergebnisse werden zwar erst Anfang Februar erwartet, doch die Rohentwürfe zielen eindeutig in diese Richtung. Der Hohenlohekreis favorisiert die erste, der Landkreis Schwäbisch Hall die zweite Variante. Für die Hohenloher Lösung müsste die Teilstrecke für eine "echte" Stadtbahn elektrifiziert werden, bei der Haller Alternative würden auf dem Abschnitt spurtstarke Dieselloks fahren.

Das Ziel beider Kreise ist gleich: Der Schienenverkehr auf der Hohenlohebahn zwischen Öhringen und Schwäbisch Hall muss dringend verbessert werden. Der Weg dorthin ist aber verschieden, weil die Interessen der Kreistage anders gelagert sind. Die Haller bauen auf einen Kompromiss, die Hohenloher spielen mit dem Gedanken: Wenn die Strecke bis Waldenburg elektrifiziert wird, wahren wir für die Zukunft alle Chancen, auch das letzte Stück bis Hessental fit für die Stadtbahn machen zu können.

Beide Landkreise müssen sich an das halten, was ihnen die Experten der Transport-Technologie Consult Karlsruhe (TTK) vor einem Jahr ins Stammbuch geschrieben haben: Eine Elektrifizierung auf der gesamten Strecke ist unwirtschaftlich, die Kosten stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen, was eine Förderung durch das Land unmöglich mache. Nach großer Ernüchterung besannen sich die Verwaltungen und Kreistagsmitglieder, suchten nach neuen Lösungen - und fanden im Mai 2012 die jetzt im Raum stehenden Alternativen. Im Sommer beschlossen die Kreistage, für beide Varianten Untersuchungen in Auftrag zu geben: erneut bei der TTK.

Beide Lösungen sind "grundsätzlich förderfähig", beschied das Land bereits 2012 - sofern sie wirtschaftlich sind. Dieser Nachweis ist nun wohl erbracht. Nur: Geld steht dafür derzeit nicht zur Verfügung. Ob es nach 2016 freie Mittel gebe, sei "unvorhersehbar", verlautete das Ministerium damals.

Dass beide Varianten parallel oder zeitversetzt angegangen werden, ist kaum zu erwarten. Das Land würde nicht mitspielen. Eine Entscheidung muss her, eine politische. Helmut Kercher, Dezernent im Hohenloher Landratsamt, sagt: "Wenn die endgültigen Ergebnisse der Studien vorliegen, müssen diese abgefiltert werden, mit den Gemeinden, dem Ministerium, dem Land und der Bahn." Erst dann könne man sagen, "ob der Weg eher nach rechts oder links geht".

Hohenlohe-Landrat Helmut M. Jahn: "Die Kreistage müssen entscheiden, was sie wollen. Das Schlechteste wäre, wenn man gar keine Entscheidung hätte. Dann würde für einige Jahre gar nichts mehr laufen." Wann die Kreistage zusammenkommen, ist noch unklar. Warum will Jahn die Teilelektrifizierung? "Geld gibt es im Moment so oder so nicht. Wir müssten also auch eine Light-Bahn fast alleine schultern. Da möchte ich dann dafür werben, lieber etwas zuzuwarten." Im Klartext: Stück für Stück an die Elektrifizierung herantasten ist besser, als mit der Diesellösung Tatsachen zu schaffen.

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