Höhlenforscher Südwestdeutschlands haben sich in Schrozberg getroffen

Man muss es mögen, sich in klammen, nassen Klamotten durch stockdunkle Gänge zu schieben, die Nase in Lehm zu drücken, sich durch Spalten zu zwängen und den Kopf zu stoßen. Höhlenforscher mögens.

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Wer nicht wissen sollte, dass der Raum Schrozberg mit seinen Karsthöhlen im Muschelkalkschild zu den attraktivsten Gebieten für Speläologen zählt, dem konnte am Wochenende auf die Sprünge geholfen werden. In der Schrozberger Stadthalle tagte nämlich die "Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Stuttgart". Zu verdanken war das Treffen dem Schmalfeldener Ralph Müller, der auf dem Schachteinstieg zu einer der größten deutschen Höhlen wohnt. Seit nahezu 40 Jahren erforscht er das Fuchslabyrinth und die Schandtauberhöhle: zwei wahrscheinlich - wie sich langsam herauskristallisiert - zusammenhängende Höhlensysteme relativ kurz unter der Erdoberfläche in der Region Schrozberg-Rothenburg. "Speläo-Südwest" lautete der Titel der Fachtagung, die rund 50 Höhlenforscher Hohenlohe ansteuern ließ. Es ging darum, die neuesten Erkenntnisse der Höhlenkunde (denn das ist Speläologie) auszutauschen. Zum Beispiel über die Geschichte des Höhlenkatasters im Süden der Republik, über die Höhlenrettung, das Neueste vom Blautopf oder den Vitriolbergbau. Samstagabend wurde es hochspeziell mit Professor Dr. Theo Simons Vortrag über den Muschelkalk-Karst im Raum Schrozberg. Gestern folgten schließlich mehrere Höhlenbefahrungen, wie die Speläologen in Bergmannsprache ihre Touren in die Unterwelt nennen.

Was reizt die Spezialisten an ihrem Hobby? Arge-Vorsitzender Wolfgang Morlock aus Freiberg führt aus, dass die Menschheit sich schon immer für das interessiert habe, was unter der Oberfläche zu finden ist. "Wer ein Loch in der Wand sieht und sich dann nicht neugierig fragt, wie es dahin kommt und was sich dahinter verbirgt, der wird nie ein Höhlenforscher." Das Gebiet um Schrozberg fasziniere insofern, als es erst seit den 70ern weithin bekannt geworden sei und seitdem erforscht wird. Das mittlerweile gut vermessene Höhlensystem kommt auf weit mehr als zehn Kilometer Länge. "Das Fuchslabyrinth speziell ist so verzweigt, dass ein Unkundiger wohl nur per Zufall wieder herausfinden würde", warnt Wolfgang Morlock.

Gefragt sind unter Höhlenforschern Spezialisten: Geologen, Biologen, Chemiker - reine Abenteurer sind verpönt. "Angst vor engen Räumen sollte man nicht haben", rät Morlock, "Mut ist gefragt, aber kein Übermut." Vor allem nicht ohne Erfahrung und entsprechende Ausrüstung. Zu entdecken gibt es nach wie vor unendlich viel. "Die Menschheit weiß kaum, was sich unter der Erde verbirgt", weiß Veranstalter Ralph Müller. Und Höhlenrettungs-Einsatzleiter Matthias Leyk pflicht ihm lachend bei: "Höhlenforschung, das ist wie Weltraumfahrt für Arme."

Seis drum. Die in Schrozberg versammelten Spezialisten leben ihren Traum. Sie erobern und vermessen, sie zeichnen und kartieren, sie analysieren und rätseln, sie wagen und gewinnen. Für sie ist der Stein nicht tot, er lebt nur ganz, ganz langsam. Rund 150 Projekte bearbeitet die Arbeitsgemeinschaft derzeit in Baden-Württemberg.

Wie gesagt: Ein, zwei Kilometer durch dunkle Gänge zu robben, ist nicht jedermanns Sache. "Die Höhle entschädigt aber für alle Strapazen, und spätestens am Höhlenausstieg fragen sich die Forscher: ,Wann treffen wir uns zur nächsten Tour?", weiß Ralph Müller aus Erfahrung. Er selber wirds immer wieder tun.

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