Hintersinniger Blick aufs Alter

Einen Roman zu verfassen, ist ein Prozess, der nicht mit dem ersten geschriebenen Satz beginnt. Rudi Kost fällt oft schon Jahre vorher eine Figur oder Szene ein, die er irgendwann in eine Geschichte einbaut.

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So sieht es aus, wenn Rudi Kost im Sommer in Hall arbeitet. Er beobachtet die Menschen in der Fußgängerzone und macht sich Notizen in seinem Block. Zurzeit arbeitet der Autor an einem Unterhaltungsroman. Archivfoto: Marc Weigert

So ging es Rudi Kost, mit seinem ersten Unterhaltungsroman, der im August 2013 erschienen ist: "Ich wollte mal was anderes machen", meint der Autor und frühere Journalist. Im Raum Hall ist er vor allem durch seine Krimis mit viel Haller Lokalkolorit bekannt geworden.

Sein jüngster Roman spielt in Stuttgart, seiner Heimat, mit der 69-jährigen Emma Öchsle als Hauptfigur. In verschiedenen Episoden, zum Teil turbulenten und übertriebenen Szenen, beleuchtet Kost das Thema Alter. "Es gibt ja verschiedene Arten, mit dem Alter umzugehen: auf der einen Seite Leute, die sich schon mit 60 zu alt zum Reisen fühlen, und andere, die noch mit über 80 ins Fitnessstudio gehen", stellt er fest. In seinem Roman spielen "ein paar Personen, die die ganze Bandbreite abdecken", mit.

Im Hintergrund stehen Fragen wie "Ab wann ist man alt?" oder "Hat man sich ab einem bestimmten Alter anders zu benehmen?" Selbstverständlich treten auch die jüngeren Generationen, also Kinder und Enkel der "Alten" auf: eben ein richtiger schwäbischer Familienroman, der mit Dialekt nicht geizt. Anschauungsmaterial hat Kost reichlich: "Seit 24 Jahren leben wir in Unterfischach. Da kann ich beobachten, wie die Menschen älter werden, aber auch in Hall und Stuttgart mache ich das gern", erzählt er. Er versichert aber, die Ideen und die Szenen, die sich daraus entwickeln, seien reine Fiktion.

Ideen sammelt der 63-Jährige in einer Art virtuellem Zettelkasten, einer Datei auf seinem Computer, ähnlich wie früher als Journalist - damals aber mit dem Fokus auf eine mögliche Zeitungsgeschichte. Bevor er zu schreiben beginne, spiele sich vieles erst im Kopf ab, doch entwickle sich die Geschichte erst beim Schreiben. "Ich arbeite ganz anders, als es meist empfohlen wird - kein Storyboard, kein Plan. In der Schule habe ich auch immer erst den Aufsatz geschrieben und dann die Gliederung", berichtet Kost und lacht.

So wenig Struktur sich der Schriftsteller auch für die Handlung vorgibt, bei seinem Arbeitstag bemüht er sich um einen geregelten Ablauf. Einige Stunden vormittags, dann eine ausgiebige Siesta und anschließend wieder ein paar Stunden am PC. Einen gewissen Druck brauche er, um an der Arbeit zu bleiben, zu viel vertrage sich aber nicht mit kreativem Schreiben.

Den Computer als Schreibgerät hat er schnell zu schätzen gelernt. "Früher mit der Schreibmaschine, das war schrecklich!", erinnert er sich an mühevolle und zeitaufwendige Korrekturen. Trotzdem druckt er sich den Text gern aus, um ihn von Hand zu redigieren. "Ein anderes Medium bringt andere Gedanken", hat Kost festgestellt.

Das fertige Manuskript darf zunächst seine Frau, eine Kinderbuchautorin, lesen "und ihren Senf dazugeben", scherzt er. Manchmal gibt er es auch Freunden. Er sei dankbar für konstruktive Kritik. "Manchmal ärgere ich mich aber über mich, wenn ich einen Hinweis bekomme und eigentlich selbst darauf hätte kommen müssen", räumt er ein.

Außer seiner Frau und ihm gehört niemand aus seiner Familie der schreibenden Zunft an. "Ich komme aus einer Handwerksfamilie und sehe mich als Autor in dieser Tradition", sagt er.

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