Hingebungsvoll und mit Witz

Mittlerweile zum 19. Mal gestaltete die Camerata Ottilia das Neujahrskonzert in der Kirche von Honhardt. Dieses Jahr reichte die musikalische Palette von barocken Blechbläser- zu romantischen Streicherklängen.

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Hoch anspruchsvoll musizierte die "Camerata Ottilia" bei ihrem Neujahrskonzert in der Honhardter Kirche - zum 19. Mal übrigens schon. Foto: Ralf Snurawa

Einmal im Jahr ist es nicht einfach, einen freien Platz in der Peter-und-Pauls-Kirche zu finden. Grund ist das Kammerorchester "Camerata Ottilia" um die Musikerfamilie Nüßlein. Denn das von ihnen jedes Jahr gestaltete Neujahrskonzert findet großen Anklang.

So dürften am Samstagabend um die 300 Besucher den Weg in die Kirche gefunden haben. Begrüßt wurden sie von der unter Leitung von Hans-Wilhelm Kufferath musizierenden Camerata mit dem Prélude aus Marc-Antoine Charpentiers "Te Deum", den meisten heute eher als Eurovisionsfanfare bekannt.

Zu Johann Sebastian Bachs "Ich steh an deiner Krippen hier" aus dem Weihnachtsoratorium war danach erstmals Sopranistin Margarete Nüßlein zu hören - allerdings mehr als Vorsängerin für die Konzertbesucher, die ab der zweiten Strophe - wie zuvor von der moderierenden Ulrike Nüßlein erbeten - mit einstimmten.

Nachwuchstrompeter Anton-Caspar Roither beschloss den barocken Konzertteil mit einer Sonate von Pietro Baldassari. Die Ecksätze wurden pulsierend und federnd akzentuiert. Schön gelangen die Verzierungen in den Trompetensoli, ebenso die Wechsel mit dem Streichertutti. Zart breiteten Solist und Orchester den Grave-Satz aus, sodass er zu einer mit Empfindung gespielten weit gespannten Kantilene geriet.

Edvard Griegs Streichersuite "Aus Holbergs Zeit" war in diesem Konzert die Schnittstelle zwischen Barock und Romantik. Denn Holberg lebte zur Barockzeit. Und so griff Grieg auch die typischen alten Suitensätze auf. In den schnellen Sätzen, vom treibenden Präludium über die tänzerisch betonte Gavotte bis zum finalen Rigaudon mit seinem heiteren Tonpurzeln erklangen die Mittelteile kontrastreich zurückgenommen. Den kammermusikalisch gesanglichen Effekten der Sarabande stand das mit großer Empfindung und ausdrucksstark gespielte Air als zweiter langsamer Satz gegenüber.

Ebenfalls empfunden und kantabel gespielt waren danach die Jungbläser des Honhardter Posaunenchors zusammen mit den Streichern der Camerata Ottilia zu drei irischen Volksweisen zu hören. Sehnsüchtige Töne erklangen zu "The Rose of Tralee" und dem "Londonderry Air". Tänzerisch flott war "The Wearing of the Green".

Französische Romantik folgte mit Reynaldo Hahns "À Chloris", in dem Wolfgang Nüßlein das zart kantable Cellosolo gestaltete. Léo Delibes Pizzicato-Polka aus dem Ballett "Sylvia" trugen die Musiker gewitzt vor. Claudia Miksch war mit einem versonnenen Flötensolo zu hören. Inniges Cello- und Violinspiel von Wolfgang Nüßlein und Carola Richter schloss sich mit Francesco Paolo Tostis "Pour un baiser" an. Hingebungsvoll intonierte Carola Richter die "Méditation" aus der Oper "Thaïs" von Jules Massenet. Ähnlich gefühlvoll war danach Margarete Nüßlein mit der "Vocalise" von Sergej Rachmaninov zu hören. Als Kontrast folgte die Polka français "Feuerfest" von Josef Strauß, die Johann Strauß Bruder für einen Fabrikanten geschrieben hatte, der mit feuerfesten und einbruchssicheren Tresoren warb. Metallische Ambossklänge gehörten mit zum Instrumentarium des elegant gespielten Werkes. Dafür wie für das gesamte Konzert gab es lang anhaltenden Beifall, auf den die Camerata-Musiker mit der zur Tradition gewordenen Zugabe antworteten: Leroy Andersons "Sleigh Ride" mit Schellen, Peitschentönen und Pferdewiehern durchs Horn.

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