Hilfe ohne Formulare und Anträge

Psychisch Erkrankte, die zu Hause leben, aber im Alltag Probleme haben, können sich kostenlos und ohne Antragsformular beim Sozialpsychiatrischen Dienst Hilfe holen. Das gilt auch für Angehörige.

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"Der halbe Hausrat stand mitten im Winter auf der Terrasse", erinnert sich Birgit Kern, die seit 27 Jahren im Sozialpsychiatrischen Dienst arbeitet. Die Nachbarn hatten es bemerkt und sie angerufen. "Die Frau hatte starke Geruchseinbildungen und wollte ihre Sachen lüften", erklärt sie.

Wenn sich, wie in diesem Fall, die Person auf die angebotene Hilfe einlasse, sei das Wichtigste, Vertrauen aufzubauen. Der Kontakt kommt meist über die Nachbarn oder Angehörige zustande. Manche Betroffene suchen selbst Hilfe. Andere blocken das Angebot ab, weil ihnen die Einsicht fehlt, krank zu sein. "Gut ist, wenn sie uns schon von der Klinik-Sprechstunde in Weinsberg kennen. Das erleichtert ihnen, Hilfe anzunehmen", meint Kerns Kollegin Waltraud Rieker. Sie erzählt von einem Fall, bei dem der Vater eines psychisch erkrankten jungen Mannes einen Beratungstermin bei ihr hatte. Weil der Sohn sie aus der Klinik kannte, konnte der Vater ihn überreden mitzukommen. Für die Angehörigen wie für die psychisch Erkrankten sind die Angebote des Sozialpsychiatrischen Diensts kostenlos. Niemand braucht Formulare auszufüllen und Anträge einzureichen, ein Anruf genügt.

"Wir zeigen dem Betroffenen, wo er die Hilfe bekommt, weil wir alle Angebote im Landkreis kennen", stellt Waltraud Rieker fest. Als Beispiel nennt sie eine junge Frau mit Schwangerschaftsdepression. "Ich überlege mir, was für sie aktuell am wichtigsten ist. Braucht sie eine Schwangerschaftsberatung? Einen Psychiater? Wäre sie in einem Mutter-Kind-Heim gut aufgehoben? Kann das Jugendamt ihr weiterhelfen?", zählt sie auf.

Ein großer Teil ihrer Klienten lebt allein. Für manche ist der Besuch vom Sozialpsychiatrischen Dienst der einzige, den sie bekommen. "Eine Fahrt mit dem Bus nach Hall oder Crailsheim ist für viele eine große Herausforderung", weiß Waltraud Rieker, die für Crailsheim und Umgebung zuständig ist.

Andere Klienten vermittelt sie in eine Tagesstätte, wenn es um den Kontakt zu Menschen und einen strukturierten Tagesablauf geht. Für einige ist ambulant betreutes Wohnen eine Lösung, andere brauchen nur Begleitung zu einem Amt oder zum Arzt. Selbstverständlich gibt es auch Fälle, bei denen die Klinik der beste Ort für den Kranken ist. "Wir brauchen ein gutes Gespür, für das, was nötig ist", meint Rieker.

Neben den Hausbesuchen und der Beratung in den Räumen des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Hall, Crailsheim und Blaufelden gibt es auch Freizeitgruppen, bei denen sich die Menschen zum Kegeln, Filme anschauen, Spazierengehen oder zu einem Cafébesuch treffen. Kompetent sind die beiden Fachfrauen und ihre Kollegen auch in finanziellen Fragen. Sie können die Kranken und ihre Familien dabei unterstützen, Anträge bei der Krankenkasse, dem Landratsamt, der Agentur für Arbeit oder dem Rententräger zu stellen.

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