Heimat ist hier: Josef Eder stammt aus Siebenbürgen

Ich bin in Großau, einem Ort in der Nähe von Hermannstadt, in Siebenbürgen aufgewachsen. Das zählt seit 1920 zu Rumänien. Ich gehörte dort zur deutschen Minderheit. In unserer Gemeinde waren wir allerdings in der Mehrheit. Wir hatten deutsche Kindergärten und eine deutsche Schule.

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Josef Eder, 60 Jahre, gehörte in Siebenbürgen in Rumänien zur deutschen Minderheit. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam er nach Deutschland.  Foto: 

Ich bin in Großau, einem Ort in der Nähe von Hermannstadt, in Siebenbürgen aufgewachsen. Das zählt seit 1920 zu Rumänien. Ich gehörte dort zur deutschen Minderheit. In unserer Gemeinde waren wir allerdings in der Mehrheit. Wir hatten deutsche Kindergärten und eine deutsche Schule. Man hat uns auch nicht gezwungen, Rumänisch zu sprechen. Meine Kindheit in Großau war wirklich schön. Das muss ich sagen. Nach dem Schulabschluss habe ich eine Fachschule für Schlosser besucht. Danach habe ich das Abitur an der Abendschule nachgeholt.

Als Deutscher war man gut angesehen in Siebenbürgen. Schwierig wurde es erst, als Nicolae Ceausescu 1965 an die Macht kam. Von einem Tag auf den anderen durften wir keine deutschen Namen mehr verwenden. Statt Hermannstadt mussten wir zum Beispiel den rumänischen Namen Sibiu verwenden. Im Laufe der Jahre wurde der Druck auf die Minderheit dann immer größer. Nur ein Jahr nach unserer Hochzeit haben meine Frau Rosina und ich deshalb die Ausreise nach Deutschland beantragt. Aber sie wurde uns nicht gestattet. Das war 1981.

Erst im Jahr nach der Rumänischen Revolution 1989, konnten wir Siebenbürgen mit unseren beiden Töchtern Brigitte und Juliane verlassen. Uns war klar, dass es ein Abschied für immer ist. Man muss sagen, dass wir uns Deutschland anders vorgestellt hatten. Wir in Siebenbürgen haben die Deutschen vergöttert. Dass die Wirklichkeit dieser Vorstellung nicht standhalten kann, ist ja klar. Schließlich sind wir alle nur Menschen.

Als wir damals in Crailsheim ankamen, habe ich gleich Arbeit bei Procter und Gamble gefunden. Seit 2002 habe ich nun diese wunderbare Stelle als Hausmeister an der August-Ludwig-Schlözer-Schule in Kirchberg. Wenn mich heute jemand fragt, wo ich mich heimisch fühle, dann sage ich "hier". In Siebenbürgen ist ja niemand mehr. Die Rumänen haben ein Sprichwort: Der Mensch heiligt den Ort. Und wo die Menschen nicht mehr sind, ist der Ort auch nicht heilig.

In meiner Kindheit lebten fast 3000 Deutsche in Großau. Heute sind es nur noch knapp 50. Bei unserem letzten Klassentreffen haben wir uns auch in Deutschland getroffen. Kein Einziger der rund 70 Schüler aus meinem Jahrgang ist in Siebenbürgen geblieben. Seit 1990 bin ich noch ein paar Mal zurückgegangen. Aber heute bin ich in Siebenbürgen nur noch ein Tourist.

Aufgezeichnet von Anna Berger

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