Muswiese: Heimat ist der Erfolgsfaktor

Mittelstandskundgebung: Sozialminister Manfred Lucha bricht eine Lanze für den Ländlichen Raum und ist mehr als nur Ersatz für Winfried Kretschmann.

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Wenn es von vornherein geheißen hätte, zur Mittelstandskundgebung des BDS während der Muswiese 2017 kommt Sozialminister Manfred „Manne“ Lucha (56), wäre die Freude wahrscheinlich reell, die Stimmung erwartungsfroh gewesen. So aber kam „nur“ der grüne Sozialminister, der Oberbayer aus dem oberschwäbischen Ravensburg – und nicht der Ministerpräsident. Winfried Kretschmann ist halt nicht nur Landesvater, sondern längst eine Symbolfigur für Baden- Württemberg. Und als solche war er gestern in Berlin gefragt, um als gestandener Realpolitiker und profunder Verhandlungsexperte „Jamaika“ zu schmieden. Der gestrige Ehrengast titulierte ihn denn auch bezeichnenderweise als „politischen Ziehvater“.

So gut wie alles hinfällig

Hätte, wäre, wenn und aber: Das alles war gestern Abend hinfällig – „Kretsche“ war nicht da, dafür eben „Manne“. Und das war auch gut so, denn der leutselige Abgeordnete und Minister im grün-schwarzen Kretschmann- Kabinett erwies sich als eloquenter Festredner im Hahn-Zelt. Nachdem er die übliche Tour de Force durch die Gemeinde hinter sich gebracht hatte, die auf jeden Ehrengast der Muswiese wartet: Empfang im Rathaus durch Bürgermeister und BDS-Granden samt Eintrag ins Goldene Buch der Kommune, danach der Weg zum Prominenten-Hain, wo Lucha gestern die 26. Promi-Linde zu pflanzen hatte. Gott sei Dank war dort alles bestens gerichtet, so dass der Minister auch mit nur einer Hand – so gut es eben ging – zur Schaufel greifen konnte.

Beim Ski-Fahren hatte er sich vor Monaten nämlich böse die Schulter verletzt und gemeint, den Sehnenriss konservativ behandeln zu können. Vor 14 Tagen musste er nun doch unters Messer und trug den Arm in einer Schlinge. Gleichwohl ließ er es sich nicht nehmen, sowohl am Gemeindestand im Gewerbezelt Fußbälle auf Löcher zu kicken und im Bierzelt nebenan den Maßkrug zu stemmen. Das funktionierte ohnehin einhändig. . .

Der Minister definiert Heimat

Wie gesagt: Lucha als Festredner war völlig in Ordnung. Und doch klang ein wenig Enttäuschung mit beim Gedanken daran, dass es der „MP“ hätte sein können. Dass sich der Sozialminister absolut aufs Bierzelt versteht, machte er gestern unmissverständlich klar. Der gelernte Chemiewerker und studierte Sozial- und Gesundheitsmanager erwies sich als kundiger Baden-Württemberger, der nicht nur die Menschen im Ländle, sondern auch deren Eigen- und Besonderheiten und vor allem deren Feste kennt. Die Muswiese, so Manfred Lucha, stehe idealtypisch dafür, dass hier im Land der „Hidden Champions“ Tradition nicht erstickt, sondern selbstbewusst gelebt werde.

Eindrücklich ging der Minister auf Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Definition des Heimatbegriffs ein, die er sich durchaus zu eigen machte. „Heimat weist in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit“, sagte Lucha, „Heimat ist ein Ort, den wir alle als Gemeinschaft erst schaffen.“ In der heutigen turbulenten und absolut nicht friedlichen Welt sei es wichtig, über Heimat zu sprechen, so der Minister weiter. Das gelte für alle: Für die, für die sich die Welt zu schnell und unkontrolliert ändert genauso wie für jene, die ihre Heimat erst noch finden müssten, weil sie neu hierher gekommen sind. Doch auch „viele von hier fühlen sich heimatlos, denen wir die Hand reichen“ sollten.

„Wir haben die große Chance, eine Heimat zu schaffen mit gemeinsamen Regeln und festem Wertefundament“, sagte der Minister. „Unsere Heimat ist die Demokratie – in Respekt vor deren Vielfalt und in Toleranz gegenüber anderen Meinungen. Wir alle müssen das Gefühl haben, dazuzugehören. Egal woher wir kommen: Heimat ist ein Erfolgsfaktor“, schloss er. Starke Worte. Dazu kam die Erkenntnis, dass der Kretschmann-Besuch jetzt ja noch aussteht. 2018 vielleicht?

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