Hans Feuchter gibt nach 36 Jahren die Leitung des Liederkranzes Uttenhofen ab

Elf Jahre dirigierte Hans Feuchter aus Uttenhofen den Kirchenchor, 47 Jahre mehrere Posaunenchöre, 36 Jahre den Liederkranz. Kürzlich wurde er zum Ehrenchorleiter ernannt. Nun hat er sich zur Ruhe gesetzt.

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Im Wohnzimmer steht ein gemütlicher lederner Ohrenbackensessel, das Kissen darauf zieren Noten. Gegenüber steht das Klavier. Eine platt gedrückte Trompete hängt an der Wand. Damit hat es eine besondere Bewandtnis: Sie wurde während eines Umzugs zur Sichelhenket von einem Auto überfahren, nachdem Feuchter sie kurz im Gras abgelegt hatte. Damals, so steht es im Heimatbuch, "wurden Feuchters Augen feuchter und feuchter". Heute kann der 75-Jährige darüber lachen.

Musik spielte im Leben von Hans Feuchter schon immer eine große Rolle. "Meine Großmutter hatte ein Klavier. Nach und nach lernte ich Tasten und Töne kennen und brachte mir verschiedene Lieder selbst bei." Ein zur Miete bei der Familie wohnender Lehrer erkannte das Talent des Kindes. Daraufhin bekam der Junge Privatunterricht.

1949, Feuchter besuchte die Oberschule in Esslingen, hatte er das Glück, auf einen besonders musikbegeisterten Lehrer zu treffen: "Der bat uns, auf Bühne und Speicher nach Instrumenten zu suchen und sie mitzubringen. Nach und nach baute er so ein ganzes Orchester auf. Ich glaube, das war einmalig in Deutschland", meint der Rentner anerkennend. Dann zeigt er das Programmheft eines großen öffentlichen Musizierabends von 1952. Genannt sind dort unter anderen: "Harmonium: Hans Feuchter, Klasse 5b", und "Querflöte: Karl Friedrich Binder, Klasse 5c". Binder war später Oberbürgermeister der Stadt Schwäbisch Hall.

Zu Hause lernte Feuchter Klavier, in der Schule Flöte und Geige. In der Jugendkantorei kamen Trompete und Gesang dazu. Obwohl er das jüngste Mitglied war, wurde er bereits ein Jahr nach Eintritt in den Posaunenchor als Chorleiter übernommen und dirigierte ihn 14 Jahre lang.

Noch als Student nahm Feuchter Orgelunterricht und legte die Hilfsorganistenprüfung ab, die ihn zur Vertretung von Organisten befähigt.

Klassenarbeiten korrigierte Hans Feuchter nachts

Ein Musikstudium wollte der passionierte Musiker nicht absolvieren, er wurde Ingenieur für Bauwesen und arbeitete als Statiker. Dann reizte ihn das Lehramt. Er sattelte zum Lehrer für gewerbliche Schulen um. 1973 übernahm Feuchter eine Anstellung in Schwäbisch Hall, die Familie mit vier Kindern zog von Esslingen nach Uttenhofen.

Der Ort war ihm nicht fremd. "Der Esslinger Bläserbezirk bot in den Weihnachtsferien Freizeiten in Michelbach an. Die hatten ihren Höhepunkt in Auftritten am Dreikönigstag in der Westheimer Kirche."

Einer seiner Schüler war der Posaunenchorleiter in Westheim-Uttenhofen. "Der bat mich um Entlastung während seiner Ausbildungszeit. Daraus wurden 36 Jahre", lächelt der Dirigent. Zwei Jahre lang übernahm er den Orgeldienst in der Westheimer Kirche.

Als der Dirigent des Uttenhofener Liederkranzes wegzog, übernahm Feuchter auch diese Aufgabe. "Ein Gesangverein war mir zwar fremd, ich wuchs aber hinein." Feiern und Jubiläen wurden gestaltet, für die er auch etliche Männerchorsätze ausarbeitete. Seinen Abschied meldete er frühzeitig für das 75ste Lebensjahr an. Er ist froh, in Rainer Ellinger einen geeigneten Nachfolger gefunden zu haben.

Im Nachhinein ist Feuchter seiner Frau Waltraud immer noch dankbar, dass sie ihn bei dem umfangreichen Engagement unterstützte. Mindestens drei Abende in der Woche war er beim Dirigieren. Klassenarbeiten wurden oft mitten in der Nacht korrigiert. Auch wenn der Pensionär seine frei gewordenen Abende genießt, kommt keine Langeweile auf. Bei der familiären Hausmusik spielt er Geige und Bratsche, aushilfsweise Orgel. "Jetzt habe ich endlich Zeit, das Heimatbuch zu lesen. Außerdem bin ich der Chef im Garten." Rückblickend meint er: "Es war eine schöne und harmonische Zeit mit engagierten Leuten, die bereit sind, Opfer fürs Musizieren oder Singen zu bringen."

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