Hammerschmiede Gröningen begeht Saisonabschluss mit Nachtschmieden

Eine alte Tradition ist am Freitag in Gröningen neu belebt worden: das Nachtschmieden. Mit der Aktion ging in der Hammerschmiede die Saison zu Ende - und Wolfgang Baumanns Zeit als Museumsführer.

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    Wolfgang Baumann führte 30 Jahre durchs Museum. Fotos: Linda Galumbo
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    Bernd Linke ist leidenschaftlicher Hobby-Schmied.
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Die Hammerschmiede in Gröningen wurde einst ausschließlich durch Wasserkraft angetrieben. Dumm nur, dass die Gronach in den Wintermonaten oft zufror und im Sommer austrocknete. Also mussten sich die Handwerker etwas einfallen lassen, um in kurzer Zeit mehr Arbeit zu erledigen: das Nachtschmieden. Morgens um 4 Uhr begann die Schicht und dauerte bis tief in die Nacht - 12 bis 14 Stunden schweißtreibende Arbeit.

"Man musste ja schließlich den Lagerbestand sicherstellen und die bei der Ernte kaputtgegangenen Werkzeuge wieder richten", betont Wolfgang Baumann, der schon seit über 30 Jahren technikinteressierte Kinder, Schüler und Erwachsene durch das Museum führt. Die Schauschmiede funktioniere noch genau wie vor hundert Jahren, so Baumann weiter, und mache den Besuchern den Übergang vom Handwerk zur Industrieproduktion bewusst.

Für den ehemaligen Ausbildungsmeister in der Metallbranche war das traditionelle Nachtschmieden am Wochenende allerdings der letzte Einsatz. Mit dem Saisonabschluss schließt der Rentner auch mit den Museumführungen ab.

Die Besucher versammelten sich vor dem Feuertisch und schauten dem leidenschaftlichen Hobby-Schmied Bernd Linke über die Schultern. Er erhitzte die Steinkohle mit einem Luftgetriebe auf 1200 Grad und schmiedete das Eisen mit Hammer und Amboss. "Beim Schmieden ist Kreativität gefragt", sagte er. Das Schöne sei, dass sich das Handwerk in den vergangenen 6000 Jahren nicht großartig verändert habe.

Auch Fabian Kniewasser schaute sich das Nacht-Spektakel in der Hammerschmiede an. Durch den Museumsrundgang hat der Neunjährige erfahren, wie früher Werkzeuge - etwa Hacken, Beile und Meisel - hergestellt wurden. Besonders gefalle ihm, "dass man hier hautnah beim Handwerk zuschauen kann". Das habe er nämlich so vorher noch nicht gesehen. Es ist sein erster Hammerschmieden-Besuch überhaupt. Die Schmiede, die überaus idyllisch im Gronachtal liegt, ist seit vielen Jahren ein beliebtes Ausflugsziel - auch für Traudl Ott. Sie kommt immer wieder vorbei: "Hier fühle ich mich einfach wohl."

Info Die Hammerschmieden-Gaststätte hat auch im Winter an Wochenenden und Feiertagen geöffnet.

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