Halls Landtagsabgeordneter Nikolaos Sakellariou bei Braunsbacher Wintergespräch

Wortgewandt und lebhaft schildert Nikolaos Sakellariou (SPD) die politische Szene in Stuttgart beim Wintergespräch in Braunsbach. Er erzählt, wie er damit umgeht, dass er als Politiker in der Öffentlichkeit steht.

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"Moment!" - Nikolaos Sakellariou erhebt den Zeigefinger. Er erzählt auf Nachfrage von Moderatorin Tanja Kampe, wie er im EnBW-Untersuchungsausschuss Fehler der Vorgängerregierung aufdecken will.  Foto: 

Unglaublich sei das, was er ein paar Stunden vor dem Termin am Freitag in Döttingen im EnBW-Untersuchungsausschuss erfahren hat, berichtet der SPD-Landtagsabgeordnete. Der ehemalige Ausschussvorsitzende Ulrich Müller (CDU) habe sich nachts auf der Autobahn mit Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus getroffen, um ihn verbotenerweise mit Unterlagen aus dem Untersuchungsausschuss zu versorgen. Das habe Müller zugegeben, er habe sich aber angeblich nicht erinnern können, wo genau sie sich getroffen hätten. "Das ist doch die reinste Räuberpistole", empört sich Sakellariou.

Sein Ärger ist ihm noch anzumerken, als er vom Kauf der EnBW-Aktien berichtet: Mappus habe, noch bevor er den damaligen Finanzminister Willi Stächele in seine Kaufpläne eingeweiht hat, die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) informiert. Mappus habe wohl im Leitmedium FAZ seine Version bringen lassen wollen, damit sich alle anderen Medien daran orientierten. "Das Empörende ist für mich, dass er die gesamte Systematik lächerlich gemacht hat", stellt der 50-jährige Abgeordnete fest.

Allergie gegen belegte Brötchen

Über zu wenig Arbeit kann sich der SPD-Mann nicht beklagen. Die ersten Termine in Stuttgart seien manchmal schon um sieben Uhr und die Mittagspause falle oft aus. "Dann gibt es immer belegte Brötchen, ich entwickle langsam eine Allergie dagegen", beschwert er sich lachend. Hunger vertrage er gar nicht, deshalb ist er zum "Sprecher für geregeltes Mittagessen" geworden. "Spätestens gegen halb drei schauen mich die Leute an: Wann sagt er denn endlich was?", erzählt er.

In den Ferien genießt er das gemeinsame Frühstück mit seiner Familie. Die größte Herausforderung sei tatsächlich, die Familie nicht zu kurz kommen zu lassen. "Aber das ist ja auch für einen LKW-Fahrer ein Problem", relativiert er. Auch am Wochenende habe Sakellariou oft Termine, trotzdem läuft er beim 3-Berge-Cup mit. So oft wie möglich spult er seine Fünf-Kilometer-Trainingsrunde durch den Solpark ab.

Aber Nik, wie ihn seine Freunde nennen, hat auch seine Genießerseite, obwohl sie derzeit zu kurz kommt. Das hat Moderatorin Tanja Kampe auf Sakellarious Facebook-Seite erfahren: In der Fastenzeit verzichtet er auf sein Lieblingsgetränk Wein. "Zählen Sie jetzt schon rückwärts?", fragt ihn Kampe. "Aber hallo", so die prompte Antwort. Die Facebook-Seite hat er sich von einer Praktikantin einrichten lassen. Er könne am PC nur Texte schreiben und E-Mails verschicken.

"Ich habe Spaß daran gefunden, über Facebook in Kontakt mit Bürgern zu kommen", meint er. Dass er Privates von sich preisgeben muss, daran habe er sich gewöhnt, doch das Lob in Facebook für seine Tanzkünste beim Polizeiball, auf das ihn Kampe amüsiert anspricht, habe ihn irritiert. "Das Lob gilt eigentlich nicht mir, sondern meiner Frau", berichtigt er charmant.

Sakellariou redet Klartext

Bekannt ist Sakellariou dafür, dass er Klartext redet. Zu seinem 50. Geburtstag kam von Erhard Eppler der Satz: "Sie verbiegen sich nicht." Da sei es ihm kalt den Buckel runtergelaufen, so habe er sich gefreut, gesteht er. Einmal hat er sich gegen den ganzen Landtag gestellt, nämlich als das Wahlrecht so geändert werden sollte, das die Wahlbeteiligung die Mandatsverteilung beeinflusst hätte. "Dann würden ja die, die zu Hause bleiben, die Wahl entscheiden", stellt er klar.

In die SPD ist er schon mit 19 eingetreten. "Als Gegenreaktion, weil uns im Internat - ein christliches - immer CDU-Politiker präsentiert wurden." Als Schülersprecher hat er VW-Bus-Fahrten zu FDP- und SPD- Politikern organisiert. Der gelernte Fotograf war beim Haller Tagblatt Betriebsratsvorsitzender. Von dort war es nicht mehr weit zum Jurastudium und der Kanzlei mit Spezialgebiet Arbeitsrecht.

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