Haller Faschingsclub baut für den Bühlertanner Umzug einen neuen Wagen

Seit 16 Jahren ist der Tüngentaler Wagen eine feste Größe beim Faschingsumzug in Bühlertann. Die Anfänge basieren auf einer Wette. Einsatz: 20 Kästen Bier. Es wuchs eine protestantisch-katholische Freundschaft.

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Faschingssonntag vor 17 Jahren. In Bühlertann ist Umzug. Die Zuschauer kommen aus Nord, Süd und Ost und auch aus dem westlich angrenzenden protestantischen, überwiegend nichtnärrischen Ausland. Darunter eine Hand voll Tüngentaler. Zu später Stunde wettet Faschingspräsident Felix Pfitzer mit Michael Wratschko (38) um 20 Kästen Bier, dass sie in Tüngental nicht in der Lage seien, einen Faschingswagen zu bauen, der im nächsten Jahr in Bühlertann mitfahre. "Wette nie mit einem Tüngentaler!", denkt sich Wratschko und schlägt ein. 365 Tage später lief in Bühlertann die "Trinktanic" vom Stapel, sechs Meter hoch, vier Meter breit, zwölf Meter lang. Ein absoluter Knaller, bautechnisch wie künstlerisch. Das Thema war durch den im Dezember zuvor in den Kinos angelaufenen Film mit Di Caprio ohnehin in aller Munde. "Aus Titanic haben wir Trinktanic gemacht, damit Felix gleich weiß, wohin er die 20 Kästen Bier liefern muss!", freut sich Wratschko heute noch über den gelungenen Einstand.

"Das Niveau, das wir uns selber mit der Trinktanic vorlegten, war hoch", sagt Gerald König (37), Vorsitzender des Faschingklubs Tüngental. Und Florian Frey (22) aus Matheshörlebach nickt wissend. Frey ist der Jungcapo im Wagenbauerteam. Ein echter Zugewinn fürs Team, lobt König: "Jung, fleißig, gscheit!" Frey schaut ihn stirnrunzelnd an und kontert: "Er meint die Riesengarage meiner Schwester und die Vesperbude, die wir nutzen dürfen um unseren Wagen zu bauen!" Was die Gruppe noch enger zusammengeschweißt hat. Denn nach dem Abriss ihres Domizils, mussten sie einige Jahre auf freiem Feld bauen. "Wagenbauen muss Spaß machen. Schließlich treffen wir uns hier freiwillig am Wochenende und nach Feierabend. Wenn einem aber die Finger abfrieren, ist es vorbei mit lustig!", sagt Christoph Schaile (36). Demonstrativ legt der Zimmermann seine kalten Hände auf den Heizkörper. Draußen hat es Minusgrade.

Auf einen Schlag füllt sich die Bude. Mittagessenszeit: Freys Schwester Simone Schüller (35), hat Saitenwürste gewärmt, gesponsert aus der Vereinskasse. Währenddessen blättert Bruder Florian auf seinem iPhone die Fotos der Wagen aus früheren Jahren durch: "Zeppelin, Blue Planet, Raumschiff Enterprise, Moulin Rouge" zählt er mit. "Moulin Rouge war rattenscharf. Der absolute Höhepunkt in unserer Wagenbaugeschichte", greift Alexander Vogt (44)das Stichwort auf. Und sofort schwelgen die Tüngentaler in Erinnerungen. Jeder weiß eine Geschichte, reißt sie an. Zu Ende erzählen braucht er nichts, denn die Anekdoten sind längst bekannt und hundertmal erzählt. Vor allem, dass der Höhepunkt gar nicht der Umzug war, sondern die Zeit danach auf dem Parkplatz vor der Bühlertalhalle: als es dunkel wurde und die Lichter am Moulin Rouge angingen, und man mit ein bisschen Fantasie glaubte, in Paris zu sein. "Wenn dLeit jetzt au no französisch gschwätzt hättet, statt schwäbisch, hätts klappe könne", sagt Frank Schweizer (38) in Freys Richtung. Der lacht kopfschüttelnd und zoomt sich den Wagen größer. Das Moulin Rouge war eine detailgetreue Nachbildung der roten Mühle auf dem Dach des Pariser Varietés im Stadtteil Montmartre. Mit dem Bild verlässt Frey die Vesperbude und betrachtet von der Tür aus den aktuellen Wagen: schwarz-weiß. Unter diesem Motto haben ihn die Tüngentaler angemeldet. Mehr verraten sie nicht. Mehr ist auch nicht zu sehen. "Und wird auch nicht zu sehen sein. Denn zusammengesetzt wird der Wagen erst vor Umzugsstart in Bühlertann."

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