Hacken, packen und verkaufen

Wie entstehen Lebensmittel? Wie arbeitet ein Bauernhof wirtschaftlich? Wo werden die Produkte vermarktet? Schüler der Haller Fachschule für Sozialpädagogik können jetzt solche Fragen beantworten.

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Ulrike Engelhardt hält eine Handvoll an Zwiebeln hoch. Sie erklärt den Schülerinnen der Fachschule, worauf beim Pflanzen und beim Anbau zu achten ist.  Foto: 

Nach einem anstrengenden Vormittag lassen sich die elf jungen Frauen und ihr männlicher Kollege die Kartoffeln aus hofeigenem Anbau im schattigen Garten schmecken. Die körperliche Arbeit im ökologischen Gemüseanbau des Engelhardt-Hofes sind sie nicht gewohnt. Zu dritt haben sie kleine Salatpflanzen gesetzt, die 20-jährige Nicola hat mitgeholfen, von den Weiß- und Rotkohlköpfen die Netze, die vor Insekten schützen, zu entfernen.

Danach hat sie bei den Kartoffeln Unkraut gejätet, genauer gesagt: die wilde Kamille. "Die lässt sich leicht herausreißen, weil sie ganz flache Wurzeln hat", erklärt die junge Frau wie eine Fachfrau. Auch den Kartoffelkäfer, einen Schädling, haben die jungen Leute von der Fachschule entdeckt. "Darum muss sich Florian, unser Anbauleiter, kümmern", meint Bio-Landwirtin Ulrike Engelhardt. Eine andere Gruppe war in der Kühlhalle in die Vorbereitung für den Haller Wochenmarkt am nächsten Tag eingebunden. "Wir haben elf verschiedene Salatsorten sortiert", erzählt ein Mädchen.

Nur die schwereren Rettiche gehen in den Großhandel

Die Schüler haben Rettiche geerntet und kalibriert, also nach Größe geordnet. Denn in den Großhandel gehen nur die Exemplare, die mehr als 400 Gramm wiegen. Ein Tipp der Betriebsleiterin an die jungen Leute lautete: Sie sollen sich ein 250-Gramm Butterstück vorstellen, dann fällt es ihnen leichter, das Gewicht des Rettichs zu schätzen. Die kleineren werden nach Gewicht verkauft und gehen auf den Markt oder in die Ökokiste. Diese Bezeichnung kannten einige Schüler noch nicht: Eine Ökokiste wird je nach Bestellung des Kunden mit Gemüse und Obst gefüllt und nach Hause geliefert. Zur Zeit müssen jede Woche 1125 Ökokisten gepackt werden. Auch dabei helfen die Schüler mit.

Tabea und Anka haben im Büro gesehen, wie die Bestellungen bearbeitet und in die Kühlhalle weitergeleitet werden. Dort zeigten ihnen die Packerinnen, in welcher Reihenfolge die empfindlichen Lebensmittel in die Kiste gelangen. "Ich finde die Vermarktung interessant, ganz anders, als ich es kenne", meint Tabea, deren Eltern bis vor kurzem einen Schweinemastbetrieb hatten.

Natürlich kommen auf dem Hof der Familie Engelhardt auch viele Maschinen zum Einsatz, zum Säen und Pflanzen. Die Besucher lernten, wie mit Hackmaschinen Unkraut bekämpft und Wasser gespart werden kann. Das Hacken verringere nämlich die Verdunstung des kostbaren Wassers, wie die Bio-Landwirtin den Schülern erklärte.

In diesem Jahr seien die Bedingungen schwierig. Zuerst das kalte und nasse Frühjahr, jetzt die Trockenheit. "Der Boden ist an manchen Stellen wie Beton", stellte die Landwirtin fest.

Auch ein Bio-Landwirt muss betriebswirtschaftlich denken

Wasserleitungen führen zum Teil bis zu den Beeten, um sie zu beregnen. Ulrike Engelhardt spricht von Beeten - es seien keine Äcker -, denn die Bepflanzung wird kleinräumig gestaltet. So werden auch Schädlingen ferngehalten. Fast 40 verschiedene Kulturen wachsen bei den Engelhardts, auch ausgefallene Züchtungen wie rot- und gelbstieliger Mangold. "Den roten Mangold habe ich zuerst für Rhabarber gehalten", gibt Alisa zu. Sie hat das Gemüse für den Wochenmarkt in Bündel gepackt. Neben dem Mangold wächst krause Petersilie. "Die zu ernten lohnt sich wahrscheinlich nicht mehr", meint Engelhardt. Auch ein Bio-Landwirt müsse betriebswirtschaftlich denken. Die Personalkosten für die Ernte der Petersilie wären höher als der Erlös der paar Pflänzchen. "Dann lassen wir sie lieber stehen und verwenden sie zum Mulchen."

Seit vier Jahren bieten die Engelhardts auf ihrem Hof zwei Projekttage für zehn bis zwölf angehende Erzieherinnen der Sozialpädagogik-Fachschule an. Thema ist Ernährung und Lebensmittelproduktion. "Damit wir selber erleben, was wir den Kindern vermitteln sollen", kommentiert eine Schülerin. Am dritten Projektttag lassen Haller Wochenmarktbeschicker je einen Schüler als Verkäufer an ihrem Stand mitarbeiten. So lernen die jungen Leute auch diesen Bereich kennen.

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