Gutenberg-Schüler aus Gaggstatt lernen dort, wo Falken flügge werden

Schulgarten Vor dem Insektenhotel summt und brummt es. Der Gartenteich ist erst seit ein paar Wochen befüllt, doch schon tummeln sich die Libellenlarven. Der Schulgarten der Johannes-Gutenberg-Schule in Gaggstatt lässt eben nicht nur Schüler wachsen und gedeihen. Für die jungen Menschen geht es darum, hier mit dem nötigen Rüstzeug fürs Leben ausgestattet zu werden.

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Die Schülerfirma kümmert sich um die "Schätze aus Gaggstatt". Hier wurde eben ein frisches Pesto gerührt.  Foto: 

Da oben hängt ein Nistkasten für Falken", sagt Gerd Beyerbach, reckt suchend den Kopf nach oben - und dann nach unten. "Oh, da liegt er. Der Sturm vor ein paar Tagen hat ihn weggeweht. Wir müssen ihn wieder aufhängen. Von hier aus sind schon viele Falken flügge geworden. Und das soll so bleiben." Wer das Vergnügen hat, an einem sonnigen Nachmittag mit Gerd Beyerbach durch den Schulgarten der Johannes-Gutenberg-Schule in Gaggstatt zu schlendern, der trifft auf einen Garten, der an allen Ecken und Enden blüht und lebt. Der vielgestaltig ist und der dem Gestaltungswillen Freiraum lässt.

Und er trifft auf einem Menschen, der diesen Garten liebt, weil er für seine Schule so wichtig ist.

Die Johannes-Gutenberg-Schule ist eine Förderschule, deren Ziel es ist, die Schüler mit allem Notwendigen auszustatten, was sie im Leben brauchen. Ziel ist die Rückschulung in die Regelschule - was oft genug auch klappt. Und Ziel ist es, den Schülern Wertschätzung zu geben, damit sie ihre Stärken entwickeln können.

Doch was sind die "lebenspraktischen Fähigkeiten", die die Schule fördern will, und was haben sie mit dem Schulgarten zu tun?

Der Schulgarten schult sie so ziemlich alle: "Fangen wir mit der Haptik an", sagt Beyerbach: Im Schulgarten geht es also um die Wahrnehmung über den Tastsinn. Und um Geschicklichkeit, wenn es etwa ums Bauen, Gärtnern und Gestalten geht. Und um Verlässlichkeit. Denn wer sich um ein Beet kümmert, merkt, dass zwischen Saat und Ernte viel Jäten, Gießen und Warten ist. "Beim Gärtnern muss man dranbleiben. Eine gute Übung", sagt Beyerbach. Doch angesichts der geernteten Radieschen oder Zwiebeln, die in der Schulküche Verwendung finden, sind die Schüler dann mächtig stolz - und können das auch sein. Solche Erfolgserlebnisse stärken die Persönlichkeit, "und auch darauf kommt es an", erklärt Beyerbach.

"Lernen mit Kopf, Herz und Hand" lautet einer der Wahlsprüche der Schule. Im Schulgarten ist gerade der Kopf dran: Wir blicken auf eine Schülergruppe, die an zwei Tischen im Garten in der Sonne arbeitet. Idyllisch sieht das aus, man mag sich gleich dazusetzen. Die Kinder malen unter der Anleitung von Kräuterpädagogin Jessica Gundel Bäume - und haben die schönsten Exemplare direkt vor den Augen.

Nächstes Beispiel: der Schulteich, der schon voll Wasser, aber noch nicht bepflanzt ist. Die Schüler haben in den letzten Monaten alles selbst gemacht: geplant, geschaufelt und genau ausgerechnet, wie viel Teichfolie gebraucht wird. Ein kompliziertes Unterfangen, das viele Aspekte der Geometrie gestreift hat.

"Derzeit gibt es Diskussionen, welche Fische in den Teich sollen", berichtet Beyerbach, der außerdem erwartet, dass die Schüler Informationen zu den passenden Fischen recherchieren. Die Lehrerschaft setzt beim Teich auf "Selbstbesiedlung". Ein paar Schüler mit Angelschein auf Forellen und Karpfen. Die Entscheidung steht noch aus. Und dann ist der Garten auch Teil der Gaggstatter Schülerfirma. Die Schüler vermarkten hier Selbstgemachtes aus der Werkstatt, der Küche und dem Garten. "Jetzt im Frühjahr gibt es Bärlauchprodukte", erklärt Beyerbach - und Pesto, das Andrea Haag-Ammon mit einer Handvoll Schüler gerade in der Schulküche zubereitet. Im Ofen sterilisiert unterdessen "Mama Mia", die berühmte Gaggstatter Bolognesesoße, und auf dem Verkaufstisch wartet frische Suppenwürze auf Käufer. "Die Schüler machen hier alles selbst. Einkauf, Rezepte, was eben so dazugehört", sagt Beyerbach. "Und wenn genug Geld reingekommen ist, dürfen sie es ausgeben. Zum Beispiel bei einem Ausflug ins Theater."

Nicht zuletzt ist der Schulgarten auch ein Symbol für die Schule, in der die Schüler wachsen sollen wie die Pflanzen im Garten. Zum Zeichen dafür wird für jeden Schüler, der in die Schule kommt, ein Baum gepflanzt, ein Busch oder sonst irgendetwas, das wächst, gedeiht, groß wird und seinen Platz im Garten und entsprechend im Leben findet.

Die "Gaggstatter Schätze" kann man sogar kaufen

"Gaggstatter Schätze" kann man kaufen, und zwar im Hofladen der Familie Maas in Herboldshausen, in Schmidts Rollendem Supermarkt und immer mittwochs von 13 bis 15 Uhr in Gaggstatt selbst. Im Angebot stehen Suppenwürze, Säfte von Obstbäumen des Schulgartens, Marmeladen von den Schul-Beeren, oder aktuell das "Frühlingssalz" mit Bärlauch. Lecker auch "Mama Mia", die Bolognesesoße im Glas.

Die Johannes-Gutenberg-Schule ist eine offene Angebotsschule für Förderschüler mit Ganztagesangebot an vier Tagen. Weitere Infos - auch zum Teichbau - finden sich unter www.jgs-gaggstatt.de.

UTS

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