Grüne Wiese macht gelbe Eier

Mit ihrem Stall gehen in Blaubach die Hennen auf Reisen. Das Hühnermobil von Damaris und Mathias Kraft macht's möglich.

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„Was machen wir mit dem Soja, das wir als ökologische Ausgleichsfläche anbauen?“, fragte sich Mathias Kraft.  Foto: 

Was ein Hühnermobil ist, muss man erklären, denn in der Region ist nur das von Damaris und Mathias Kraft unterwegs, dazu das der Schwieger­eltern Heynold in Hessenau.

Ein Hühnermobil ist ein ganz normaler Hühnerstall mit einem Auslauf hinaus auf die Wiese. Das Besondere daran: Die Wiese ist grün. Immer. Das unterscheidet sie von den Wiesen, die die Hühner normalerweise um ihre festen Ställe haben. Denn die sind in der Regel kahl und leergepickt.

Damit die Wiese der Kraftschen Hühner immer grün sind, wartet Mathias Kraft einmal wöchentlich, bis die Hühner abends auf der Stange sitzen. Dann hängt er den Stall auf Rädern an den Schlepper und versetzt ihn. Wenn für die Hühner am nächsten Morgen die Tür nach draußen aufgeht, ist das Gras auf der Wiese wieder wunderschön frisch und grün – Hühner sind kurzsichtig, wahrscheinlich merken sie noch nicht einmal, dass sich die Umgebung jenseits des Zauns verändert hat.

Alles, was ein Huhn so mag

Mathias und Damaris Kraft kommen beide aus der Landwirtschaft, sie aus Hessenau, er aus Blaubach. Doch beide haben feste Jobs. Er macht landwirtschaftliche Buchhaltungen, sie arbeitet auf dem Rathaus in Ilshofen. Wie also kamen sie auf die Idee mit dem Hühnermobil? „Wir haben überlegt, was wir mit dem Soja machen, das wir als ökologische Ausgleichsfläche anbauen“, sagt Mathias Kraft.

Dieses Soja, gentechnikfrei, versteht sich, bekommen die Hühner nun geschrotet unters Futter gemischt, das sie sich im Mobil aufpicken können. Dort gibt es auch sonst noch alles, was ein Huhn so mag. Eine nette Mulde mit Dinkelspelz fürs Eierlegen, Gesteinsmehl und Sägemehl zum Scharren und Wälzen, und eine Stange für die Nacht.

Und einen Hahn, „dann sind die Hennen ruhiger“, sagt Damaris Kraft. Denn die Hähne warnen, wenn Gefahr droht – wenn also ein Greifvogel kreist. Oder ein Laster vorbeifährt. Dann rennen die Hühner und verstecken sich unter den Schutzhütten auf dem Gelände.

Infektionsgefahr ist geringer

Wer will, darf Hühnerwiese und Stall natürlich besichtigen, der mit Solaranlage autark und automatisiert funktioniert. „Bei den großen Hühnerställen muss man ja immer auf die Hygiene achten.“ Bei Hühnermobilen ist das nicht der Fall, weil die Infektionsgefahr ungleich geringer ist: Denn das Mobil fährt den Infektionsherden und den Parasiten einfach immer wieder davon.“

Die Hühner danken es ihnen. Sie sind zwar noch jung und die Eier haben bislang höchstens die Größe M, doch bereits jetzt können sie sich sehen lassen. Denn der Dotter ist strahlend dottergelb. Das liegt am Futter. Denn eine grüne Wiese macht gelbe Eier. „Sie bekommen keine Zusatzstoffe“, betont Damaris Kraft, „nur das Futter vom Hof.“ Jeden Tag muss das Paar nun die Eier sammeln. „Bei uns ist jeden Tag Ostern“, sagt Mathias Kraft und lacht.

Für Grünlandeier wie die von Familie Kraft gibt es keine gesonderte Bezeichnung. Die Eier sind also mit der 1 für Freilandhaltung gekennzeichnet (0=ökologische Erzeugung, 2=Bodenhaltung, 3=Käfighaltung). Die Eier aus dem Hühnermobil gibt es ab Hof (Blaubach 29, rund um die Uhr steht eine Verkaufsbox vorm Haus) und an folgenden Verkaufsstellen: Eberl Crailsheim, Getränkezentrale Rot am See, Getränkemarkt Roßfeld, Saftladen Ilshofen, Fairkaufslädchen Bächlingen, Steinhäußers Hofladen Gaisbach, Molkerei Schwäbisch Hall, ­Lebensmittelladen D’Schwarz ­Braunsbach sowie Familie Heynold Hessenau 31. uts

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