Graue Krawatten, graue Haare

Gediegener Gesang und turbulentes Theater, witzige Nachrichten und vertraute Mundart. Mit diesen bewährten Zutaten hat der Gesangverein am Samstag wieder ein Oberaspacher Familienfest gestaltet.

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Familienfest ist die traditionelle Jahresfeier nicht nur, weil sich Zuschauer gleich mehrerer Generationen in großer Zahl in der Frankschen Scheune einfinden, sondern auch, weil ganze Familien in unterschiedlichen Rollen am Programm mitwirken. Da gibt es die Gräters, die Löws, die Prosis, die Jourdans und noch viele mehr. Selbst Chorleitung und Klavierbegleitung sind in der Hand von Mutter und Tochter: Katharina und Juliana Hayer.

Die Jahresfeier zeigt, was es Neues gibt im Verein. Ein anderer Vorstand zum Beispiel. Manfred Löw löste im März 2012 Rainer Lörcher an der Spitze ab. Auch Reiner Gräter hätte einen Posten in der Vereinsführung bekommen sollen, berichtete Löw den Zuhörern: "Drohte aber damit, sich nicht mehr fürs Theater zu engagieren, und das konnten wir uns nicht leisten." Die Zuschauer wissen warum. Gräter ist der Macher der Theaterstücke, ohne die eine Aschbischer Jahresfeier nicht denkbar wäre. Er ist Regisseur und Darsteller.

Ein neues Outfit haben sich die Oberaspacher Sänger gegeben. "Die alte Montur stammte ja noch aus dem vorigen Jahrtausend", frotzelte Löw. Jetzt treten die Herren mit silbergrauer Krawatten zum blauen Hemd auf. "Übereinstimmend mit der vorherrschenden Haarfarbe", sprach der Vorsitzende selbstkritisch einen wunden Punkt des Männerchors an: Es fehlt an Nachwuchs.

Beim Liedrepertoire greifen sie gern auf Bewährtes zurück und überlassen die englischen Texte dem Aspacher Chorwerk. Früher bekamen Mädchen, die pfeifen, üble Sprüche zu hören. Für "Always look on die bright side of life" erntete der junge Chor mit Pfiff aber begeisterten Applaus.

Als Aschbicher Nachrichtensprecher grüßte Wolfgang Neumann alle, "die den Weltuntergang überlebt haben". Ein großes Publikum also. Nur wenige skurrile Geschichten waren ihm übers Jahr zugetragen worden: "Entweder es passiert nichts Kurioses mehr in der Gemeinde oder es wird nicht drüber gesprochen." So half er sich mit Selbsterlebtem: Dem ADAC wollte er kündigen. "Daraufhin erhielt meine Erbengemeinschaft ein Kondolenzschreiben, denn beim Autofahrerverband konnte man sich nicht vorstellen, dass jemand zu Lebzeiten und freiwillig aus dem Club ausscheidet. Aber Totgesagte leben ja bekanntlich länger."

Die Mundartband "Die Hohenloher", die im Anschluss fetzigen Mundart-Rock bot, wollten ihr selbst gestaltetes Heft mit Hohenloher Geschichten auch in einem Verbrauchermarkt in Wolpertshausen verkaufen, wusste Neumann. Ihre Anfrage wurde aber abgelehnt. "Im Heft war zwar eine Sau abgebildet, aber keine schwarz-weiße."

Das Programm wird am Samstag, 12. Januar, ein zweites Mal in der Frankschen Scheune geboten.

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