Gottesschicksal und Marke

Kevin Rudolph hat als Küchenchef das Restaurant DeSi in Kupferzell übernommen. Seine Küche spiegelt seine Hohenloher Herkunft wieder.

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Nach Ausbildung und Wanderjahren hat der 29-jährige ehrgeizige Koch Kevin Rudolph aus Waldtann jetzt das Restaurant Desi im Ziehl-Abegg-Tower übernommen.  Foto: 

Kochen, das gehörte im Hause Rudolph in Wald­tann zu den haushaltlichen Pflichten, die auch Sohn Kevin erfüllen musste. Eine Pflicht, die ihm nicht schwerfiel. Bereits in der Realschule entschied er sich lieber für Hauswirtschaft als für Technik, absolvierte Schnupperpraktika in der Küche und beim Konditor. „Das hätte nie einer gedacht, dass ich den Koch durchziehe“, freut sich der heute 29-Jährige, denn eigentlich standen alle Zeichen auf Konditor. Als ihm jedoch nach der mittleren Reife, zwei Wochen vor Ausbildungsbeginn die Lehrstelle abgesagt wurde, kam Rettung in Form von Hanni Kuhr, damals Küchenchef im Klinikum Crailsheim und gerade dabei, sich im Hangar selbstständig zu machen. „Das war Gottesschicksal“, blickt Kevin Rudolph auf den Moment zurück, als der Küchenchef ihm eine Lehrstelle im neuen Restaurant anbot, ihn aber warnte: „Mach den Beruf nicht, wenn du ihn nicht auch leben willst.“

Aus der Warnung des Lehrmeisters wurde das Lebensmotto des Kochs, der sich bewusst ist, dass sein Beruf hohe Ansprüche ans Privatleben stellt. Freundschaften und Beziehungen spielen sich meist im Kollegenkreis ab. Nach der Lehre folgten Rudolphs Wanderjahre, zu denen Kuhr ihm riet. „Bleib gerne hier, aber im Lehrbetrieb ist man immer der Lehrling, also geh lieber weg, ganz weit weg“, gab ihm der mit auf den Weg.

Station machte er im Restaurant der Bergstation Nova Stoba in Gaschurn, kochte unter Tirols höchst dekoriertem Koch Martin Sieberer im Fünf-Sterne-Superior-Hotel Trofana Royal und verpflichtete sich nach einer Wintersaison im Alpenhotel Enzian in Hochsölden und schließlich 2010 beim österreichischen Catering-­Unternehmen Do & Co.

Unterwegs als „fliegender Koch“

Sportveranstaltungen wie Formel-1-Rennen in Barcelona, ATP- Turniere und Skispringen in Kitzbühel oder Festspiele in Salzburg standen auf dem Terminplan. Als Sous-Chef arbeitete Rudolph als „fliegender Koch“ in First und Business Class von Flugunternehmen, betreute Lounges für die Emirates Airlines und kochte für Prominente auf ihren Yachten.

Eineinhalb Jahre lang lebte er in London, ein Jahr lang in Mailand. „Man war frech, ging in die Betriebe und fragte einfach. Drei Messer und eine Kochjacke dabei, um zu zeigen, wer man ist und was man kann“, verrät er lachend, wie er so manches Mal an eine gute Stellung kam. „Für mich war es wichtig, dass die Häuser, in denen ich arbeite, mich weiterbringen“, sagt er. Was auch erklärt, weshalb er sich 2014 dafür entschied, in seine hohenlohische Heimat zurückzukehren, um bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall die Stelle des Küchenchefs anzutreten. „Ich sage immer, jeder soll das machen, was er am besten kann und ich habe eben gut bürgerlich gelernt“, fasst er zusammen, weshalb nach all den Jahren Spätzle und Co wieder so reizvoll für ihn waren.

Ein konsequenter Schritt

Die Übernahme des Restaurants Desi im Ziehl-Abegg-Tower in Kupferzell ist deshalb für ihn nun ein konsequenter Schritt, all das gelernte Wissen und seine Berufserfahrung selbstständig umzusetzen und ihm seinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken. „Mein Name soll eine eigenständige Marke werden“, blickt er in die Zukunft. Im Moment steckt er seinen ganzen Ehrgeiz in die richtigen Kontakte, die ihn mit frischen regionalen und saisonalen Zutaten versorgen, damit er die gutbürgerliche moderne Küche entsprechend seinen eigenen hohen Ansprüchen auf die Teller zaubern kann.

Ideenliste auf dem Handy

Die Ideenliste für immer neue Gerichte und Aktionen für das Restaurant auf seinem Handy ist endlos, verrät er und freut sich darüber, dass das Restaurant, seit es unter seinem Namen läuft, gut ausgebucht ist. Das Adrenalin und den Stress, den der Beruf mit sich bringt, empfängt Rudolph mit offenen Armen, denn nur so kann man seiner Meinung nach in der Gastronomie bestehen.

„Die nächsten drei Jahre werden hart“, vermutet er, und scherzt, dass er seinen Arbeitsbeginn trotzdem bald von halb sechs am Morgen auf sechs Uhr verschieben kann. Dass er dennoch damit rechnet, jede Nacht erst um 23 Uhr nach Hause zu kommen, erwähnt er nur nebenbei. „Es ist ein extremer Job“, sagt er, sieht dabei aber nicht unzufrieden aus.

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