Gottes Licht tritt in die Welt

Gedanken zum Sonntag von Pastoralreferent Wolfram Rösch von der Kirchengemeinde St. Markus, Schwäbisch Hall.

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Vierzig Tage nach Weihnachten erhalten wir die Zusage, dass das göttliche Licht mitten in der Welt leuchtet. Foto: Bernd /Fotolia

Am heutigen Samstag feiert die katholische Kirche das Fest Darstellung des Herrn. Bekannter ist es unter der volkstümlichen Bezeichnung "Mariä Lichtmess" und findet genau 40 Tage nach Weihnachten statt. Nachdem an Weihnachten die längste Nacht des Jahres herrscht, scheint jetzt das Tageslicht schon länger. Der Ausspruch "Mariä Lichtmess bei Tag zu Nacht ess" verdeutlicht das. Endlich wird es wieder heller. Der Winter mit seinen dunklen Nächten geht deutlich zu Ende.

Im Kern des Festes steht Jesus. Die Kirche folgt dabei einer Schilderung aus dem Lukas Evangelium. Dort erzählt der Autor, dass der Säugling Jesus von seinen Eltern in den Jerusalemer Tempel gebracht wurde. Denn nach alter jüdischer Tradition gehörte der Erstgeborene zunächst Gott und musste im Tempel symbolisch von den Eltern ausgelöst werden.

Im Tempel begegnete die Familie zwei Vertretern ihres Volkes: einer Frau und einem Mann. Beide sind sie im hohen Alter und reich an Lebenserfahrung. Hannah und Simeon hatten etwas gemeinsam. Sie trugen in sich die Hoffnung, dass sie noch in ihrem Leben dem Heil begegnen werden. So war es auch. Als sie Jesus sahen spürten sie, dass dieses kleine Kind der Erlöser ist. Beide priesen und lobten Gott nach dieser Erfahrung. Ihr Leben war nun vollendet.

Für manche mag das eine fromme Legende sein, die der Evangelist geschrieben hat, um andere zu erbauen, oder die Person Jesus hervorzuheben. Man mag über den historischen Gehalt dieser Erzählung sicher streiten können, ob es so stattgefunden hat oder nicht. Aber darum geht es dem Evangelisten nicht. Er möchte zeigen, wie Menschen durch das göttliche Licht erfüllt werden und mitten in ihrem Alltag eine neue Qualität ihres Lebens erfahren. Denn Simeon und Hannah haben den Sinn ihres Lebens entdeckt.

Alltägliche Ereignisse, so zeigen es die beiden, können auf eine andere Wirklichkeit hin durchsichtig werden. Das gelingt, wenn Menschen sich darauf einlassen, tiefer blicken und Neues wagen. Hannah und Simeon haben positiv damit gerechnet, dass Gott in ihr Leben tritt und haben nicht nur den Säugling mit seinen Eltern gesehen. Sondern im kleinen Kind ist ihnen das Licht des neuen Lebens aufgegangen.

Nicht ohne Grund kennt die Kirche eine sehr alte Tradition, die in Jerusalem schon im vierten Jahrhundert gefeiert wurde. Gläubige zogen in der Nacht mit Kerzen durch die Stadt. Heute werden im Gottesdienst die Kerzen gesegnet, die im kommenden Jahr in der Kirche brennen werden.

Vierzig Tage nach Weihnachten erhalten wir die Zusage, dass das göttliche Licht mitten in der Welt leuchtet. Die dunkle Nacht geht endgültig vorbei. Das zeigt uns sogar die Natur.

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