Glücklich in der Puppenstadt

Lobende Worte, Geschenke und vor allem Respekt: Die Stadtverwaltung hat gezeigt, wie sehr sie Albrecht Bedal schätzt. Nach 26 Jahren Dienst in Hall wurde er in den Ruhestand verabschiedet.

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Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben für Albrecht Bedal zusammengelegt und ihm ein Werk von Ben Willikens geschenkt. Rechts sitzt der schwäbische Satiriker Karl Napf alias Ralf Jandl. Foto: Thumilan Selvakumaran

Albrecht Bedal sei kein altes Haus - aber quasi ein lebendes "Denkmal". Der Direktor des Freilandmuseums Wackershofen hätte kaum würdiger geehrt werden können, als das ihm eine Haustafel gewidmet wird - Hinweisschilder, die Bedal selbst eingeführt hat. Gedacht waren sie freilich, um Geschichten alter Bauten zu erzählen, die das Haller Stadtbild in ihrem historischen Äußeren bewahren.

Nun wird Bedal auf einer der Kunststofftafeln selbst beschrieben. "Sie dürfen entscheiden, wo wir das anbringen", sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim vor 80 Besuchern im Ratssaal. "Ich hoffe, dass sie der Abschied etwas schmerzt", so Pelgrim weiter, der Bedal als "unaufdringlich konsequent und zuverlässig" beschreibt, als einen, der sich "seinen Pflichten stets mit Sorgfalt widmete". Der 65-Jährige habe sich in die "lange Reihe der tragenden Säulen der Stadtverwaltung eingereiht".

An Lob und Respektbekundungen wird nicht gegeizt. So schließt sich Karl Napf alias Ralf Jandl direkt an. Bedal kennt den schwäbischen Satiriker, der im Landesministerium für Museen, auch für Wackershofen, zuständig war, seit 30 Jahren - und hat sich den Horber als Laudator gewünscht. Von Jandl wird Bedal als "Mann von behutsamer Beharrlichkeit, gepaart mit menschlicher Liebenswürdigkeit" beschrieben - "ein wohltuender Kontrast zu manchen Kollegen in der Ministerialbürokratie". Bedal habe es geschafft - zusammen mit dem damaligen OB Karl-Friedrich Binder - die Verantwortlichen im Ministerium vom Vorteil regionaler Freilandmuseen zu überzeugen. Die Förderungen flossen fortan.

Obwohl sich die beiden lange kennen, hat sich der Vorname Bedals beim 69-Jährigen nicht eingeprägt. In seiner Rede dankt Jandl seinem Weggefährten Armin - nicht Albrecht. Das mag man ihm nach dieser netten Rede verzeihen, meint Ute-Christine Berger, Bedals stellvertretende Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur. "Sie haben sich ja all die Jahre gesiezt."

In Bedals Abschiedsrede klingt Wehmut durch, aber er lächelt. "Ich habe extra keinen schwarzen Anzug gekauft, sondern einen grauen. Das ist ja keine Beerdigung." Ihm war schon in der zwölften Klasse klar, dass er Architekt werden wollte. Er entdeckte Hall, als er von Hof zum Studium nach Karlsruhe fuhr. "Ich konnte mir damals nicht vorstellen, jemals in dieser Puppenstadt leben und arbeiten zu können." Letztlich sei es aber großes Glück gewesen, 1986 hier landen zu dürfen - und seine beiden Töchter hier aufwachsen zu sehen. Er habe immer versucht, ein Teamplayer zu sein und musste sich auch "ohne Ausbildung zum Chef" in Führungsaufgaben beweisen. Die Verwaltung sei für den Architekten nie eine Leidenschaft gewesen - anpacken dagegen schon. Sein Dank gilt seiner Ehefrau Inge Bedal, mit der er am Dienstag den 39. Hochzeitstag feierte - "meine schärfste Kritikerin, die mich zurückholt auf den Boden der Tatsachen". Sie habe seinen Frust über den Beruf aushalten müssen.

Nun will er (vorerst) die Füße hochlegen und fährt in den nächsten Tagen in den Urlaub. "Ganz weit, weit weg." Er solle wiederkommen - als Berater und Unterstützer - bittet Pelgrim: "Denn, wenn Bedal plant, dann wird es gut."

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