Glockensanierung bringt lediglich weltliche Probleme

Die Kirchengemeinde in Oberaspach lässt ihre Kirchenglocken sanieren. Die größte Glocke wurde gestern mit einem Kran aus dem Turm gehievt und ins Glockenschweißwerk nach Nördlingen gebracht.

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  • Die 600 Kilogramm schwere Glocke verließ die Oberaspacher Kirche durchs Fenster. Die Dachrinne wurde dabei leicht verbogen. Fotos: Ute Schäfer 1/2
    Die 600 Kilogramm schwere Glocke verließ die Oberaspacher Kirche durchs Fenster. Die Dachrinne wurde dabei leicht verbogen. Fotos: Ute Schäfer
  • Pfarrer Johannes Albrecht (links) begutachtet die behelfsmäßige Konstruktion mit den dicken Schrauben, die die Krone der Glocke provisorisch ersetzte. 2/2
    Pfarrer Johannes Albrecht (links) begutachtet die behelfsmäßige Konstruktion mit den dicken Schrauben, die die Krone der Glocke provisorisch ersetzte.
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Der Kran ist aufgestellt. Der Pfarrer ist da. Die Schulkinder recken die Köpfe nach oben. Alles ist bereit, doch nichts geht vorwärts. "Wir haben sozusagen ein weltliches Problem", erklärt Albrecht Holl, Kirchgemeinderatsvorsitzender aus Oberaspach. "Der Akku des Funkgeräts ist leer." Und wenn eine 600-Kilo-Glocke aus einem engen Turmfenster bugsiert werden muss, ist eine reibungslose Kommunikation nötig. Kein Problem, der Akku-Ersatz aus Crailsheim ist schon unterwegs.

Und so müssen die Besucher warten. Aber das macht nichts. Das macht die ganze Angelegenheit umso spannender. Schließlich sieht man eine Kirchenglocke nicht alle Tage durch die Lüfte schweben.

Wir nutzen die Wartezeit, um die wechselvolle Geschichte der Glocke zu erzählen: Die sogenannte Oberaspacher Stundenglocke stammt aus dem Jahr 1691. Die Glocke ziert der Spruch "Soli Deo Gloria" ("Gott allein zur Ehre"). Außerdem sind das hällische Wappen und das Gießersiegel der Glockengießer Arnold zu erkennen.

Die Glocke ist allerdings ziemlich kaputt, das ist auch zu erkennen. Der Schlagring ist ausgeschlagen, teilt Albrecht Holl mit, und die Krone der Glocke, der gebogene Aufsatz, ebenfalls. Wo normalerweise sechs Bögen zu sehen sind, sind gerade mal zwei übrig geblieben. "Vermutlich stammt diese Beschädigung noch aus der Kriegs- oder Nachkriegszeit", meint Holl. 1941 wurde die Glocke nämlich mit ihrer kleineren Schwester eingezogen. Metall ist wertvoll und rar, wenn die Soldaten marschieren. Die Oberaspacher Glocken standen damals schon im sogenannten "Glockenfriedhof" und warteten darauf, eingeschmolzen zu werden.

Zum Glück allerdings warteten sie vergeblich, denn nach dem Krieg kamen die Glocken wieder nach Oberaspach zurück, etwas beschädigt zwar, aber immerhin. "Aber auf welchem Weg die beiden Glocken wieder an ihren angestammten Platz zurückfanden, ist unklar", teilt Holl mit.

Die Glocken wurden damals neu aufgehängt, die Krone durch eine provisorische Konstruktion ersetzt. Die hielt allerdings so gut, dass sie erst jetzt ersetzt werden muss - und zwar historisch gerecht, so lautete der Beschluss der Kirchengemeinde. Von einem der verbliebenen Kronenbügel wurde deshalb ein Abdruck genommen, die fehlenden Teile wurden in Karlsruhe nachgegossen. Nun sollen sie in Nördlingen wieder angeschweißt werden.

Doch jetzt knackt das Funkgerät. Jetzt kanns losgehen. Mit Winden wird die Glocke vorsichtig nach draußen gezogen. Das Seil strafft sich, die Glocke schwebt. Den Schulkindern bleibt der Mund vor Staunen offen stehen, und den Erwachsenen ebenfalls.

Die Regenrinne des Kirchenturms wird eingedrückt. "Doch das wussten wir schon vorher", erklärt der Oberaspacher Pfarrer Dr. Johannes Albrecht. "Wenn die Glocke wieder zurückkommt, wirds die zweite Delle. Und dann wird die Regenrinne vom Flaschner wieder repariert." Die Delle ist damit ein weiteres "weltliches Problem", das in Oberaspach ganz leicht zu lösen ist.

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