Glasperlen gegen Gold

Fast alle Aufführungen des Dokumentarfilms "More Than Honey" waren ausverkauft, berichtet Heiner Dormann, der Betreiber des vielfach ausgezeichneten Kirchberger Programmkinos "Klappe".

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Rainer Herrmann (rechts) vom Imkerverein Kirchberg-Ilshofen moderierte das Filmgespräch in der Klappe und hatte Honig und Met dabei. Foto: Hartmut Volk

Wie kann sich ein Programmkino in einer Landgemeinde halten, das 26 Dokumentarfilme im Jahr zeigt? Das Erfolgsgeheimnis von Heiner Dormann und Ehefrau Silvia Zott ist die gelungene Mischung aus Film und Aktionen zum Thema, die man unter die Devise "Global denken, lokal handeln" stellen könnte. Bei ihrer Themenauswahl achten die beiden darauf, welche regionalen Gruppen und Verbände sie mit ins Boot nehmen können, um das Thema möglichst breit und lebensnah zu kommunizieren.

Stets ist ein kulinarischer Beitrag aus der Küche Heiner Dormanns dabei: Diesmal stellte er Gerichte mit Honig vor. Ein raffinierter Mix aus verschiedenen regionalen Honigsorten und exotischen Gewürzen, wie Chili, Safran und Ingwer, kreierte ganz neue Geschmacksnuancen und zeigte die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten des hochwertigen Naturproduktes auf, mit dessen Produktion sich der Dokumentarfilm von Markus Imhoof befasst.

Neben spektakulären, so noch nie gezeigten Naturaufnahmen, wie etwa die des Begattungsflugs der Bienenkönigin, stellt der Film am Beispiel eines Schweizer Bergbauern und eines kalifornischen Wanderimkers den Kontrast zwischen traditioneller und industrieller Imkerei dar. Mit Glasperlen, die man den Indianern zum Tausch gegen Gold angeboten habe, vergleicht der US-Großimker das Zuckerwasser für das flüssige Gold seiner 15 000 Bienenvölker, die er im Tieflader-Truck jährlich 27 000 Kilometer quer durch die Vereinigten Staaten transportiert, von der kalifornischen Mandelblüte im Februar bis zum Indian Summer im Norden der Great Plains. Dass er dabei Antibiotika mit ins Futterwasser gibt, ist für ihn selbstverständlich. Anders würden die Bienen den ständigen Pestizidnebel, dem die Kulturen ausgesetzt sind, nicht überleben. Verlustquoten von 20 Prozent der Völker im Jahr gehören für ihn mittlerweile zum Arbeitsalltag.

Noch drastischer ist die Situation in einigen Regionen Chinas, wo die Honigbienen bereits ausgestorben sind, und Wanderarbeiter die Obstblüten von Hand bestäuben müssen. Eine Entwicklung, die die Folgen und Nebenwirkungen des weltweiten Siegeszugs einer hoch industrialisierten Landwirtschaft veranschaulicht. "Ohne Bienen hätten wir nur 20 Prozent unserer Obsterträge", weiß Rainer Herrmann vom Imkerverein Kirchberg-Ilshofen, der beim anschließenden Filmgespräch Rede und Antwort stand. In Deutschland sei das Bienensterben noch nicht so dramatisch, berichtet er. Allerdings komme kein Imker heute mehr ohne Bekämpfung der gefährlichen Varroa-Milbe aus, die 1980 in Deutschland noch gänzlich unbekannt war. Jedoch verzichte man in der Region auf Antibiotikaeinsatz, sondern behandle mit natürlichen Säuren, so der Kirchberger Bienenexperte.

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