Gewerbsmäßiger Betrug: Prozess gegen den Bestatter Peter S. beginnt am Montag

Der ehemalige Haller Bestatter Peter S. muss sich vom 6. Oktober an vor dem Landgericht Heilbronn verantworten. Es geht um Betrugsvorwürfe. Mögliches pietätloses Verhalten spielt in der Anklage keine Rolle.

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Eine Frau stellt auf dem Friedhof in Hessental eine Kerze auf.  Foto: 

Über ein Jahr ist seit Bekanntwerden des Bestatter-Skandals in Schwäbisch Hall vergangen. Die Kriminalpolizei war bei ihren Ermittlungen auf immer neue Vorwürfe gestoßen. Die Staatsanwaltschaft musste kistenweise Akten auswerten. Nun steht die Anklage gegen Peter S.: Er muss sich vom 6. Oktober an wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Landgericht in Heilbronn verantworten. Zunächst sind vier Verhandlungstermine angesetzt, teilt der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth mit.

Der Haller Oberstaatsanwalt Peter Bracharz spricht von einer "langen Liste an Vorwürfen" - die meisten hätten sich erhärtet. Der Angeklagte habe etwa Verstorbene nach Trauerfeiern in billige Särge umgebettet und einäschern lassen, obwohl teure Modelle in Rechnung gestellt worden waren.

Zudem geht es um den Betrug mit Vorsorgeverträgen. Der 32-Jährige habe das von seinen Kunden für ihre eigene Bestattung angelegte Geld nicht auf ein Treuhandkonto eingezahlt, sondern für andere Zwecke genutzt. "In dieser Zeit war das Bestattungsunternehmen bereits insolvent", so Bracharz. Zivilrechtlich wurde der Angeklagte im Januar wegen drei dieser Vorsorge-Betrugsfälle verurteilt - es ging um 10.000, 7000 und 6000 Euro. Nun soll ihm auch strafrechtlich der Prozess gemacht werden.

Verteidiger Michael Fust erklärt, sein Mandant werde sich vor Gericht geständig zeigen. Peter S. halte sich nicht mehr im Haller Raum auf und versuche, in einem anderen Beschäftigungsfeld aktiv zu werden.

Nicht zur Anklage kommen die Vorwürfe wegen pietätlosen Umgangs mit den Verstorbenen. Ehemalige Mitarbeiter hatten Peter S. 2013 vorgeworfen, er würde Leichen ungekühlt lagern, bei Trauerfeiern die falschen Personen aufbahren und Asche in Urnen vertauschen. Zumindest Letzteres hat Peter S. über seinen Anwalt gegenüber dem HT eingeräumt, nachdem Ermittler auf Unregelmäßigkeiten gestoßen waren. So hatte eine Frau jahrelang nicht die Asche ihres verstorbenen Mannes in der Urne, die in der Stube stand, sondern die eines Säuglings.

"Pietätloser Umgang ist nicht einfach in ein Strafmaß zu packen", sagt Elko Röhrich, der mehrere Opfer in Zivilklagen vertreten hat. Die Störung der Totenruhe sei aber ein Punkt, der geprüft werden sollte. Der entsprechende Paragraf 168 stamme allerdings aus einer alten Zeit und sei nicht eindeutig (siehe Info unten). Den Tatbestand sieht Röhrich aber als erfüllt. Dennoch werde keiner seiner Mandanten im Prozess als Nebenkläger auftreten, lediglich als Zeugen, so der Haller Anwalt. "Wir haben hier einen Haufen Betrugsvorwürfe, die alleine schon so gewichtig sind."

Staatsanwalt Bracharz rechnet mit einer Haftstrafe gegen den ehemaligen Bestatter. Gegen seinen damaligen Geschäftspartner K. wurde keine Anklage erhoben. Seine Rolle in der Sache sei schwer durchschaubar, erklärte Bracharz. Die Ermittler hätten nichts Belastendes gefunden.

Gegen einen dritten Haller Bestatter, der nach wie vor seine Dienste verrichtet, wurde von der Staatsanwaltschaft ebenfalls Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs erhoben. Er soll in rund 45 Fällen Verstorbene in billige Särge umgebettet haben. Das Verfahren wird später vor dem Amtsgericht in Hall eröffnet "Das bedeutet nicht, dass dort eine geringere Strafe zu erwarten ist", meint Bracharz. Vielmehr sei das Landgericht ausgelastet.

Störung der Totenruhe

Der Paragraf 168 des Strafgesetzbuchs besagt: "Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder Teile des Körpers eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

HT

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