Gerhard Schoppel hat seine Firma über Deutschland hinaus bekannt gemacht

Kreativität und Qualität, Gespür für Trends und Mode, Kunst, Heimatkultur und internationale Standards - dies alles vereint Gerhard Schoppel in seinem Konzept der Handstrickgarn-Produktion.

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Schoppel-Wolle aus Wallhausen hat sich in den vergangenen 20 Jahren als Marke etabliert und das Logo mit der schwarzen Katze weit über Deutschland hinaus bekannt gemacht.

Eigentlich hat Gerhard Schoppel Außenhandel und Außenwirtschaft studiert und wollte nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten, der in Wallhausen Industriegarne produzierte. Sein Interesse galt dem Marketing und dem Export, weshalb er nach seinem Studium in Reutlingen eine Stelle in Paris antrat, um in diesem Sektor Erfahrung zu sammeln. Erst als der Vater 1982 die Handstrickgarnabteilung eines insolventen Betriebs übernahm, wurde das Interesse von Gerhard Schoppel geweckt. Er erinnert sich: "Da hab ich gerochen, dass es jetzt etwas zu entwickeln gibt, und ich habe signalisiert, dass ich einsteigen will."

Zu dieser Zeit befindet sich die Branche wirtschaftlich an der Spitze. "Gott und die Welt hat damals gestrickt, es war einfach Trend und damit mein Glück. Es ging von null auf hundert", beschreibt Schoppel die Anfänge. Neben den Maschinen und einem kleinen Programm übernimmt Schoppel auch Aufträge von großen Warenhäusern wie Karstadt und Hertie, die er erfüllen und somit halten kann. Sonntags, wenn die Maschinen im Betrieb stillstehen, macht sich der Autodidakt mit den Maschinen vertraut, probiert Muster aus und arbeitet sich in die Materie ein, um sie weiterzuentwickeln.

Dann 1985 die Trendwende. Die Bild titelt "Stricken ist out". Die Partei der Grünen versucht sich vom verstaubten Schullehrer-Image zu trennen, und das allgegenwärtige Stricken fällt dieser Entwicklung als alter Zopf zum Opfer. "Bei uns ist Stricken einfach traditionell-altmodisch besetzt", erklärt Schoppel, "in Amerika ist Stricken etwas Intellektuelles, ein gesellschaftlicher Unterton ist aus dem Stricken also immer auch herauszulesen." Trotzdem entwickelt sich die Handstrickgarnbranche stetig weiter, auch wenn das Stricken in der Gesellschaft keinen so hohen Stellenwert mehr hat.

Im Jahr 2006 beteiligt sich Gerhard Schoppel zum ersten Mal an einer Verbrauchermesse, um mit dem Verbraucher direkt auf Tuchfühlung zu gehen. "In einer rückläufigen Branche tappt man ja was die Trends angeht im Dunkeln, da muss man seine Antennen ausstrecken", erklärt Schoppel diesen Schritt. Zu seiner Überraschung wird das kreative Programm, das er anbietet, gut aufgenommen. "Zu diesem Zeitpunkt hat sich in Deutschland ein kreatives Herz entwickelt", erinnert er sich. Zwei Jahre später strebt Schoppel nach Freiheit von seinen Vertriebspartnern, was ein grundsätzliches Umdenken im Konzept von ihm verlangt. "Ich musste damals ganz schnell einige Schubladen ziehen", lacht der Unternehmer rückblickend. Er stellt also nicht nur den gesamten Vertrieb seines Unternehmens um, sondern landet mit dem "Zauberball" einen echten Hit. "Die Farbverläufe und die Idee, solch einen handgewickelten Knäuel zu entwickeln, lagen schon lange in der Luft. Die Zeit war einfach reif", verrät Schoppel. Wieder kommt dem Unternehmen der sich positiv entwickelnde Markt zur Hilfe, auf dem Leute gefragt sind, die im eigenen Land produzieren. Hilfreich sind außerdem die wachsende Globalisierung und das Internet, wodurch sich Trends schneller verbreiten und sich Wertigkeiten beeinflussen lassen.

Gerhard Schoppel: "Stricken kann nicht jeder. Das ist nichts für Blöde"

Die Branche positioniert sich zunehmend auf dem Modesektor, Strickzeitschriften avancierten zu modernen Modemagazinen. Diese Entwicklung trägt Schoppel zwar mit, trotzdem ist er auch bemüht anderen Strömungen Raum zu geben und seine Affinität zur Kunst auszuleben, wo es möglich ist. Den Blick richtet er dabei auch auf internationale Strömungen, vorneweg auf die Strickbewegung in Amerika, von der Deutschland sich nach seinem Bekunden noch einiges abschauen kann. Trotzdem ist es nicht sein Ziel, international größer aufzutreten oder ins Unendliche expandieren. "Wir wollen klein und fein bleiben, ein Schmuckkästchen", erklärt Gerhard Schoppel bestimmt. Wie sich das Unternehmen weiterentwickeln wird, weiß Schoppel auch schon genau. "Back to the roots" - zurück zu den Wurzeln - wird das Motto sein, welches er mit der Aktion "Vom Schaf zur Katze" bereits in die Tat umzusetzen beginnt. Kontakte zu Schäfern aus der Umgebung bestehen bereits, um die Idee von der Verarbeitung heimischer Naturmaterialien zu qualitativ hochwertiger Handstrickware in die Tat umzusetzen.

Dass das Stricken das Potenzial zum trendigen Dauerbrenner hat, davon ist der 54-jährige, selbst passionierter Stricker, überzeugt: "Irgendwann merkt jeder, dass stricken nicht jeder kann. Das ist nichts für Blöde, da braucht man Köpfchen."

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Kommentare

24.02.2013 16:55 Uhr

Männer die Stricken

Ich freue mich über Ihren Bericht, denn als Männlicher Stricker ist es schön über andere Männer zu lesen. Vielen Dank hierfür. Lutz Staacke / maleknitting.de

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